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Eintracht Frankfurt : „Wir können stolz auf uns sein“

Allgemeines Fazit am Ende des Hinspiels: „Wir können stolz auf uns sein“ Bild: dpa

Der FC Chelsea erweist sich als bislang stärkster Gegner in der laufenden Europa-League-Saison. Doch die Frankfurter Eintracht erreicht ein Remis. Und bleibt vor dem Rückspiel optimistisch.

  • -Aktualisiert am

          Makoto Hasebe zählte laut bis fünf. Dann sagte der Eintracht-Profi mit Blick in die Zukunft: „Ich hoffe, wir haben noch fünf Spiele in dieser Saison.“ Drei im Kerngeschäft Bundesliga, und zwei in der Europa League – so lautet das Wunschprogramm des Japaners im Rundenendspurt. Um tatsächlich das Maximalziel Vollbeschäftigung in zwei Wettbewerben zu erreichen und in das Endspiel der Europa League am 29. Mai in Baku einzuziehen, müssen die Frankfurter am kommenden Donnerstag an der Stamford Bridge in London das Rückspiel für sich entscheiden. Eine andere Wahl lässt ihnen das 1:1 gegen den FC Chelsea im ersten Halbfinal-Aufeinandertreffen der Europa League nicht.

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           „Wir müssen fast zwei Tore erzielen, um das Spiel zu gewinnen“, meinte Eintracht-Cheftrainer Adi Hütter am späten Donnerstagabend sogar. Ein 1:0 würde den Hessen beim Tabellenvierten der Premier League zwar schon reichen. Aber dass dem englischen Topklub, der im Heimspiel in der Runde davor Slavia Prag mit 4:3 besiegt hatte, jederzeit ein Treffer zuzutrauen ist, das weiß auch Hütter nach der starken Leistung der Engländer in Frankfurt. „Chelsea bleibt der große Favorit“, betonte er.

          Nur missverstanden werden will der Österreicher bei der Beurteilung der eigenen Erfolgsaussichten nicht, er will mit seiner Mannschaft abermals Großes gegen einen Großen der Fußballzunft erreichen. „Auch nach unserem 0:0 zu Hause gegen Inter Mailand hat keiner geglaubt, dass wir dort gewinnen können. Wir müssen jetzt mit Selbstvertrauen und Mut nach London fahren. Für das Rückspiel haben wir uns alle Möglichkeiten offen gehalten“ – diese Botschaft, die eine Kampfansage an den Gegner war, richtete Hütter an seine Spieler und wertete das hart erkämpfte Remis als „absoluten Achtungserfolg gegen eine Spitzenmannschaft“.

          Und auch Maurizio Sarri, der italienische Cheftrainer von Chelsea, rechnet im zweiten Kräftemessen mit einem von sich sehr überzeugten Gegner, der harte Gegenwehr leisten wird, damit für ihn der Traum vom Finale wahr wird. Er habe auch „großen Respekt“ vor den Auswärtsleistungen der Eintracht in dem Wettbewerb, tat Sarri kund. „Diesen Respekt haben wir uns erarbeitet“, sagte sein Kollege Hütter. „Maurizio Sarri hat als Italiener gesehen, wie wir in Mailand gespielt haben.“ An der Stamford Bridge wird der für das erste Halbfinalspiel gesperrte Ante Rebic wieder mit von der Partie sein. Und auch beim verletzten Stürmer Sebastien Haller macht sich Hütter Hoffnung auf dessen Rückkehr in die Mannschaft.  

          Trainer Adi Hütter: „Hinten raus haben wir Leidenschaft gezeigt.“

          Gestern Benfica Lissabon und Mailand, heute Chelsea. Ein in vielerlei Hinsicht besonderer Gegner im zwölften internationalen Spiel der Eintracht. Zu diesem festlichen Anlass trugen die Frankfurter Vorstandsherren außergewöhnliche schwarze Schuhe. Auf dem linken war jeweils eine weiße „12“ zu sehen, rechts stand: „Adlerträger“.

          Beim Gang durch das mit 48.000 Zuschauern vollbesetzte Stadion sorgten die Verantwortlichen für einen Hingucker. Vorzeigeprofi Makoto Hasebe konnte jeder nach den mit Nachspielzeit absolvierten 95 Spielminuten ansehen, wie hart der Gang für die Mannschaft auf dem Platz gewesen sein muss. Der ehemalige Kapitän der japanischen Nationalmannschaft war gezeichnet von dem Kraftakt. 46 Pflichtspiele hätten die Frankfurter bisher in dieser Spielzeit bestritten, sagte er. „Das habe ich auch noch nicht erlebt. Und ich bin auch schon 35 Jahre.“

          Bis an ihre Leistungsgrenze mussten die Frankfurter in diesem Halbfinalspiel gehen. „Jeder hat alles gegeben“ so formulierte es der Dauerläufer im Mittelfeld, Gelson Fernandes. Und trotzdem brauchten die Frankfurter auch eine große Portion Glück, um sich mit dem Unentschieden eine noch halbwegs ordentliche Ausgangsposition für das Rückspiel zu verschaffen. Chelsea erwies sich als flinke und spielfreudige Mannschaft mit großer individueller Klasse und Ballfertigkeit. Das Kombinationsspiel der Engländer war von großem Fluss und gutem Verständnis geprägt.

          Vor allem nach dem Ausgleichstreffer durch Pedro Rodriguez in der 45. Minute demonstrierten die „Blues“, die ganz in Gelb spielten, in der zweiten Halbzeit ihr Können. Chelsea drängte die Hessen in deren Hälfte, die sich oft nur noch dadurch zu helfen wussten, dass sie die Bälle aus der eigenen Hälfte schlugen. Ob Rufen Loftus-Cheek, Willian oder David Luiz, den Engländern boten sich reichlich Gelegenheiten, mit 2:1 in Führung zu gehen. „Das war in dieser Saison der bisher stärkste Gegner in unserem Stadion“, sagte Fernandes. „Chelsea hat Qualität.“

          Ist das 1:1 gut oder schlecht? Luka Jovic (r.) und Filip Kostic wirken nach dem Hinspiel unschlüssig

          Sportdirektor Bruno Hübner sprach mit größter Wertschätzung von einer „anderen Hausnummer“. Dem europäischen Schwergewicht begegneten die Frankfurter, angetrieben von ihrem abermals akustisch beeindruckendem Publikum, mit Leidenschaft und unermüdlichen Einsatz, die gezeigte Mentalität war wieder vorbildlich. Und in Kevin Trapp hatte die Eintracht auch einen starken Torhüter, der sie in brenzligen Situationen mit Paraden im Spiel hielt. Und als die Frankfurter von Chelsea müde gespielt schienen, bekamen sie in der Schlussphase doch noch die zweite Luft. Die größte Chance zum Siegtreffer vergab Kapitän David Abraham, dessen Kopfball am Chelsea-Tor vorbeiging. „Wir mussten viel leiden und hinter laufen, aber hinten raus haben wir Leidenschaft gezeigt“, äußerte sich Hütter über den Spielverlauf.

          „Wir haben ein Gegentor bekommen, das ist ein bisschen bitter“, sagte Hasebe. „Okay, es ist eine schwere Aufgabe in London, aber wir schaffen das.“ Das sagte der Japaner am Donnerstagabend gleich mehrmals – so, als wolle er es sich selbst einreden. Mut macht Hasebe neben dem Aufschwung am Ende auch die ordentliche erste Halbzeit. Zwar brauchte die Eintracht eine gewisse Eingewöhnungszeit, aber das 1:0 nach 23 Minuten durch Luka Jovic stärkte sie in ihrer Bereitschaft, Chelsea einen bedingungslosen Kampf zu liefern. „Wir können stolz auf uns sein, sagte Fernandes. „Ich weiß nicht, wie viele Tore wir vor ein paar Jahren gegen solch einen Gegner kassiert hätten.“

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