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3:0 gegen Straßburg : Die Europa-Tournee der Eintracht geht weiter

Die Torschützen vom 2:0 und 3:0: Vorne Danny da Costa, hinten Filip Kostic Bild: dpa

Rote Karten, Rebic und drei Tore: Die Eintracht steht nach einem eindrucksvollen Sieg in der Gruppenphase der Europa League. Und träumt wieder von einer langen Tour durch den alten Kontinent.

          3 Min.

          Welch eine magische Fußballnacht in der Frankfurter Arena. 47.000 Zuschauer bekamen am Donnerstag ein zauberhaftes Spätsommer-Highlight geboten, denn der Eintracht ist es gelungen, sich abermals für die Gruppenphase der Europa League zu qualifizieren. Nach der 0:1-Hinspielniederlage bei Racing Straßburg vor einer Woche stand die Mannschaft von Trainer Adi Hütter unter Druck – doch sie hielt ihm stand. In einem furiosen Fußballspiel besiegte die Eintracht die Franzosen 3:0. Die Tore zum 2:0 und 3:0 erzielten Filip Kostic (60.) und Danny da Costa (66.). Beim ersten Treffer, als Ante Rebic den Ausgangspunkt bildete, lenkte Racing-Verteidiger Stefan Mitrovic den Ball ins eigene Tor (26.).

          Als das wichtigste Spiel des Jahres begann, war David Abraham, der verletzte Kapitän, nicht dabei. Taleb Tawatha sowieso nicht – und auch in Zukunft nicht, denn wenige Stunden vor dem Anpfiff gab die Eintracht die vorzeitige Trennung „in beiderseitigem Vernehmen“ bekannt. Der Vertrag des 27 Jahre alten Israeli, ursprünglich noch bis einschließlich 30. Juni 2020 laufend, wurde aufgelöst.

          Am sportlichen Ziel in diesem auch meteorologisch heißen Fußballspiel änderte dies nichts: Der Einzug in die Gruppenphase war das große Sehnsuchtsziel der Eintracht. Dies war vom Anpfiff an zu erkennen, denn es waren die Frankfurter, die sofort am Drücker waren. Angeführt von Ersatzkapitän Makoto Hasebe, der anstelle von Abraham den Franzosen Almamy Touré an seiner Seite wusste. Und von Rebic. Der kroatische WM-Zweite, in der Bundesliga in Leipzig verletzungsbedingt nicht dabei, war wieder fit – und vor allem: Rebic wollte es wissen. Immer wieder wurde er von seinen Mitspielern auf links gesucht.

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          Die optischen Vorteile lagen klar auf Seiten der Hessen. In der 17. Minute war es Martin Hinteregger, der aus 20 Metern abzog, aber sein Ziel knapp verpasste. Racing machte erstmals in der 20. Minute auf sich aufmerksam, als Ajorque mit dem Kopf verzog. Sechs Minuten später wurde die Arena zum Tollhaus. Hasebe setzte Rebic in Szene, der Stürmer flankte – und Mitrovic lenkte die Kugel entscheidend an seinem Keeper Matz Seis vorbei ins eigene Tor. 1:0 für die Eintracht – das Hinspielergebnis war egalisiert, die Reset-Taste gedrückt. Alles ging wieder von null los.

          Dann kam Schiedsrichter Orel Grinfeld eine entscheidende Bedeutung zu. Übersah der Israeli noch die Szene, als Eintracht-Angreifer Goncalo Paciencia in Höhe der Mittellinie den Ellbogen zu Hilfe nahm, wofür der Portugiese im Bundesligageschäft nach Videobeweis wohl Rot gesehen hätte, zückte Referee Grinfeld später tatsächlich seine Rote Karte – gegen Rebic (44.). Im Kampf um den Ball war der Kroate hart gegen Racing-Torhüter Seis eingestiegen und hatte ihn mit dem Fuß getroffen. Gelb wäre gerechtfertigt gewesen. Doch weil sich der Unparteiische für einen Platzverweis entschied, brach sich ein lautstarker Sturm der Entrüstung in der ausverkauften Arena Bahn. Hasebe protestierte – und sah Gelb. Und auch Trainer Hütter wurde in seiner Coaching-Zone verwarnt.

          Zehn Frankfurter gegen elf Straßburger. Nach dem Seitenwechsel – und offenbar vorher auch im Kabinengang in der Pause – wurde die Partie zunehmend hitziger und emotionsgeladener. Dem Schiedsrichter unterliefen gleich in der hektischen Phase des Wiederbeginns ein, zwei Fehler, die das Publikum mit Pfiffen und Protesten quittierte. Als in der 53. Minute der Franzose Dimitri Liénard und Eintracht-Mittelfeldspieler Dominik Kohr aneinandergerieten, griff Grinfeld abermals zu seinem Kartensortiment. Kohr, der zunächst Liénard getreten hatte, sah Gelb. Der Franzose, der Kohr als Revanche ins Gesicht griff, bekam die Rote Karte gezeigt und wurde des Feldes verwiesen.

          Personell war das Spiel, in dem es um so viel ging, also wieder ausgeglichen, das Resultat nicht mehr lange. Nach einer Stunde bekam die Eintracht einen Freistoß zugesprochen. Kostic nahm aus 20 Metern Maß, und über die Mauer der Franzosen hinweg flog der Ball, der noch die Unterkante der Latte touchierte, sehenswert zum 2:0 ins Netz. Das 0:1 aus dem Hinspiel war zu diesem Zeitpunkt perdu, die Eintracht hatte den Sprung in die Gruppenphase vor Augen.

          Es war längst ein Fußballspiel wie nach bester Hollywood-Vorlage, dessen Reiz sich niemand in der Arena entziehen konnte. Schon gar nicht in der 66. Minute, als die Play-off-Runde gegen Racing endgültig entschieden wurde. Die wie entfesselt aufspielende Eintracht kam wieder einmal über links in die Gefahrenzone der Franzosen, und als Daichi Kamada den Überblick behielt und den besser postierten Danny da Costa bediente, hatte der rechte Außenmann keine Mühe, zum 3:0 einzuschießen. Sogar ein viertes Tor wäre noch möglich gewesen. Doch diesmal hatte Kostic Pech, dass sein wuchtiger Linksschuss von der Latte zurück ins Feld prallte (70.). Eintracht-Torhüter Kevin Trapp hatte vorab ein „Spektakel“ gegen Racing versprochen. Er hielt Wort. Der magische Fußballabend war ein großes Spektakel.

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