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Eintracht Frankfurt : Willkommen in Europa

Alexander Meier leitete mit seinem Tor den Sieg ein Bild: Wonge Bergmann

Die Eintracht steht in der Gruppenphase der Europa League: Das 2:1 gegen Qarabag Agdam ist nicht glanzvoll, aber bei weitem solide genug für das Erreichen des großen Ziels.

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          Der letzte Schritt ist gemacht. Sollte es tatsächlich noch irgendwelche Restzweifel am Weiterkommen der Eintracht gegeben haben, so wurden diese am Donnerstag Abend von den Frankfurter Fußballprofis zerstreut. Dem 2:0 im Play-off-Hinspiel gegen den FK Qarabag Agdam ließen die Hessen im zweiten Vergleich ein 2:1 folgen; die Qualifikation für die Gruppenphase der Europa League ist endgültig perfekt. Schütze des ersten Frankfurter Tores in der 10. Minute war Alexander Meier. Schon beim ersten Aufeinandertreffen mit dem Tabellenführer der aserbaidschanischen Liga zeichnete der älteste Eintracht-Profi für beide Treffer verantwortlich. Den Ausgleich im Rückspiel erzielte Reynaldo (58.). Reynaldo war es auch, der sogar das mögliche 2:1 für Qarabag auf dem Fuß hatte (75.). Doch im Gegenzug sorgte Takashi Inui mit seinem Kopfballtreffer zum finalen 2:1 für kollektive Erleichterung.

          Nun also ist die Eintracht auch „richtig“ in der Europa League angekommen. Der Einzug in die Gruppenphase ist geschafft, und schon beim 2:1 gegen Qarabag war in der mit 47000 Zuschauern ausverkauften Arena vieles von dem zu hören, zu sehen und zu spüren, was das Frankfurter Sehnsuchtswort Europapokal auszeichnet. Sieben Jahre lang haben die Hessen darauf warten müssen. Nun ist es wieder soweit, und die Blicke der Fans werden sich an diesem Freitag nach Monaco richten. Dort findet von 13 Uhr an die Auslosung der Europa League-Gruppen statt. Die Eintracht wird mit vier Vertretern im Fürstentum sein, um schon vor Ort mit den Abgesandten der kommenden Gruppengegner die Rahmenbedingungen abzusprechen. Verlockend dabei: Aus einem der Töpfe wird die Eintracht einen lukrativen Gegner zugelost bekommen. So kommt es nach derzeitigem Kenntnisstand zu einem Hin- und Rückspiel mit einem der vier möglichen Gegner: FC Sevilla, Lazio Rom, PSV Eindhoven und Olympique Lyon. Bei der Zulosung weiterer Gegner, mit denen sich die Frankfurter vom 19. September an auseinanderzusetzen haben, könnte es wieder zu einer Abenteuerreise kommen. So signalisierte Vorstandsmitglied Axel Hellmann noch vor dem Rückspiel gegen Qarabag: „Wir müssen bestimmt nach Kasachstan. Das ist noch weiter als nach Baku.“

          Der kleine Takashi Inui trifft mit dem Kopf Bilderstrecke

          Beim Wiedersehen mit den Kickern aus Qarabag wurden die Frankfurter bestens eingestimmt. Zum Anpfiff hin gab es auf den Rängen gleich drei riesige Choreographien zu sehen. Im Mittelpunkt, auf der gesamten Gegentribüne silbern glänzend: das Wort „Europacup“. Derartig stimuliert, übernahmen die Hessen von Beginn an das Kommando und zeigten engagierten Offensivfußball. Ganz vorne, überraschenderweise neben Meier dabei: Sebastian Rode. Der flinke Abräumer vor der Abwehr wurde von Trainer Armin Veh in die rechte Sturmspitze geschickt. Ein cleverer Schachzug, denn der flinke Rode störte die Aserbaidschaner schon an deren Strafraum. Der Lohn ließ auch nicht lange auf sich warten. Es war Rode, der mit einer Maßflanke Meier bediente. Ein Blick, ein Schuss - das 1:0, erzielt mit links, war perfekt (10.) Perfekt aus Eintracht-Sicht war auch, dass Pirmin Schwegler wieder dabei war. Der Kapitän stand wie angekündigt in der Startelf. Von seinen Fitnessproblemen, die Veh als Grund für seine vorherigen Ruhepausen angeführt hatte, war nichts zu sehen. Dies lag freilich auch an der Qualität des Gegners. Der Schweizer konnte lange nach Belieben schalten und walten.

          Erst nach dem Seitenwechsel änderte sich dies ein wenig. Im Gefühl des scheinbar sicheren Sieges ließen es die Frankfurter ein wenig schleifen - und prompt fiel der Ausgleich. Der eingewechselte Reynaldo überlistete Kevin Trapp zum 1:1 (58.). Vier Minuten später nahm Veh einen Doppelwechsel vor. Jan Rosenthal und Marco Russ kamen für Rode und Schwegler. Die Aserbaidschaner ließen sich davon nicht beeindrucken. Nach Frankfurt mit der Empfehlung eines 1:0-Ligaerfolgs beim FK Qäbälä gekommen, bei dem Trainer Gurban Gurbanov alle elf Spieler schonte, die drei Tage zuvor gegen die Eintracht aufgelaufen waren, wollten sie sich nicht früh geschlagen geben. Und trotzdem: Zu diesem Zeitpunkt lag die Eintracht in der Addition beider Spiele 3:1 in Führung. Was konnte, was sollte da noch passieren? Als Inui auf Vorlage von Rosenthal mit dem Kopf dann doch noch den allseits erwarteten Sieg (75.) sicherte, durfte sich auch Uli Stein zum Großteil bestätigt sehen. Einst die unumstrittene Nummer eins im Eintracht-Tor und inzwischen Torwarttrainer der Nationalmannschaft von Aserbaidschan, war Stein von einem deutlichen Sieg der Eintracht überzeugt: „Du kannst zu Hause nicht gegen Qarabag verlieren. Das ist nicht möglich.“ Gesagt, getan. Wenn auch mit einigen Mühen.

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