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Eintracht-Profi im Nationalteam : Zuber bezaubert die Schweiz

Torgefährlicher Eidgenosse: Steven Zuber Bild: Picture-Alliance

Der Eintracht-Ersatzmann Steven Zuber trifft in der Qualifikation für die WM 2022 gegen Bulgarien und bereitet ein Tor vor. Auch Djbril Sow kommt zu einem Kurzeinsatz.

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          Das erste Tor fiel in der siebten Minute. 2:0 stand es 180 Sekunden später. Auf 3:0 erhöhten die Eidgenossen in der 13. Minute. Bevor es so richtig begonnen hatte, war das Spiel gewonnen. Alles gelang, herrlich waren die Kombinationen. Es war vielleicht die beste erste Viertelstunde in der bisherigen Geschichte der Schweizer Nationalmannschaft.

          Jürg Altwegg
          Freier Autor im Feuilleton.

          Vor dem Fernseher erzeugte das Geisterspiel gegen Bulgarien den Eindruck eines lockeren Trainings auf dem Sportplatz. Gegen die Färöer, San Marino und Luxemburg lagen die Schweizer auch schon mal 3:0 in Führung. Aber nicht nach 13 Minuten. Gleichwohl hinterlässt der Traumstart in die WM-Qualifikation ein zwiespältiges Gefühl, denn in der zweiten Halbzeit spielten die Eidgenossen ziemlich dürftig und mussten ein Gegentor zum 3:1-Endstand hinnehmen.

          Der wirkungsvollste Schweizer

          Für Steven Zuber verlief der Abend jedoch ganz ohne Einschränkung positiv. Der 29 Jahre alte Offensivspieler der Frankfurter Eintracht, der in seiner Anfangszeit als Ersatz für den verletzten Filip Kostic agierte und nach dessen glanzvoller Rückkehr so gut wie gar nicht mehr mitspielen darf, holte sich eine Menge Selbstvertrauen in Sofia. Ein Tor und ein Assist machten Zuber zum wirkungsvollsten Schweizer der ersten Halbzeit.

          Wie im Lehrbuch leiteten die Schweizer in der eigenen Hälfte einen Gegenangriff ein, schnell und schnörkellos, von Torhüter Sommer bis zum Schützen Seferovic verlief der Konter über ganz wenige Stationen, wobei Zuber den schwierigsten Part übernahm – mit einem herrlichen Steilpass auf Shaqiri. Dieses Tor, schwärmt die Zeitung Tribune de Genève, „illustriert das Ideal von Coach Vladimir Petkovic und den Seinen“.

          Zudem gelang Zuber der dritte Treffer, zu dem wiederum Shaqiri die Vorarbeit leistete: Ein klassischer Abstauber – der Frankfurter stand im richtigen Moment am richtigen Ort, um den Ball aus einem Meter Entfernung über die Torlinie zu schieben. Das Boulevardblatt Blick gab Zuber die Note vier (Bestnote: 6), ganz erstaunlich sei sein Auftritt angesichts seiner „fehlenden Spielpraxis“ bei der Eintracht.

          Keine Benotung erhielt der zweite Eintracht-Profi, der in Sofia zum Einsatz kam. Mittelfeldspieler Djibril Sow wurde von Trainer Petkovic nur für ein paar Minuten auf das Feld geschickt, was ihn einer Bewertung entzog. Sein Kurzauftritt wurde von den Experten als Überraschung angesehen, denn dass der Frankfurter derzeit besonders gut in Form ist, hat sich bis in die Schweiz herumgesprochen. Wieso Sow vorerst draußen blieb? Vielleicht weil der Frankfurter im Vergleich zu manchen Stützen der eidgenössischen Nationalmannschaft keine mentale Aufrüstung benötigt.

          Petrovic scheint mittelfristig sehr wohl an ein Mittelfeld mit Xhaka, Denis Zakaria – der in der 75. Minute Zuber ersetzte – und Sow zu denken. Schon in Zeiten, in denen Sow bei der Eintracht nur die Ersatzbank drückte, verhalf ihm Petkovic zu viel Spielpraxis im Nationaltrikot. Im WM-Qualifikationsspiel am Sonntag gegen Litauen und im Testspiel am nächsten Mittwoch gegen Finnland wird der Frankfurter Aufsteiger des Jahres sicher mehr Zeit erhalten, sein Können in der „Nati“ zu präsentieren.

          Nicht nur durch Sow und Zuber ist die Eintracht der derzeit wohl populärste Bundesligaklub in der Schweiz. Sie spielen in einer Mannschaft, die begeisternden Fußball zeigt und die mit Adi Hütter einen Trainer hat, der in der Schweiz geliebt wird, obwohl er Österreicher ist. Seine – durchaus langfristigen – Verdienste um Young Boys Bern sind unvergessen. Hier trainierte er Sow, der mit ihm in Frankfurt weitere Fortschritte machte. Wenn die Eintracht am Karsamstag im direkten Duell um die Champions-League-Plätze bei Borussia Dortmund antritt, dann drücken ihr die meisten Schweizer die Daumen. Seit der demütigenden Entlassung von Trainer Lucien Favre tun sich die eidgenössischen Fans schwer mit dem BVB.

          Eintracht erfolgreich auf Reisen

          Nicht nur die Schweizer Profis der Eintracht haben zum Auftakt ihrer Länderspielreisen positive Erfahrungen gemacht. Nachdem Filip Kostic und Luka Jovic mit Teilzeiteinsätzen am 3:2 Serbiens über Irland beteiligt waren und Andre Silva 75 Minuten lang am 1:0 Portugals über Aserbaidschan mitwirken durfte, gewann Daichi Kamada am Donnerstag mit Japan 3:0 gegen die Republik Korea. Der Frankfurter erzielte nach knapp einer halben Stunde den Treffer zum 2:0 und durfte sich in der zweiten Halbzeit von den Reisestrapazen erholen. Stefan Ilsanker konnte das 2:2 mit Österreich in Schottland auch als Erfolg verbuchen. Der Innenverteidiger spielte 90 Minuten durch. Martin Hinteregger wurde wegen seiner Oberschenkelverletzung lediglich behandelt und meldete: „Mir geht es gut.“ Wann er wieder einsatzbereit ist, ließ er offen.

          Für Amin Younes waren die knapp zehn Minuten, die er mit der deutschen Nationalmannschaft gegen Island (3:0) mitwirken durfte, schon erfreulich, angesichts der großen Konkurrenz. Immerhin gelang ihm in dieser knappen Zeit ein spektakulärer Ballgewinn, zudem beging er keinen Fehler. (peh.)

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