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2:2 in Europa League : Ärger bei der Eintracht nach spätem Jubel

Das Ziel ist noch nicht erreicht: Frankfurt und sein Trainer Oliver Glasner kämpfen weiter um das Weiterkommen. Bild: Reuters

In der vergangenen Saison war er noch ein Verkaufskandidat, nun rettet Paciencia Frankfurt in der Europa League ganz spät einen Punkt. Mit dem Remis ist bei der Eintracht trotzdem niemand so richtig glücklich.

          3 Min.

          Dass Filip Kostic am Frankfurter Ausgleichstreffer zum 2:2 gegen Antwerpen beteiligt war, war keine Besonderheit. Torvorlagen von der linken Seite gehören zum Spezialgebiet des serbischen Nationalspielers. Auch Goncalo Paciencia tat am Donnerstagabend in der Europa League in der vierten Minute der Nachspielzeit das, was er besonders gut zu leisten imstande ist: Der Portugiese war in der WM-Arena in seiner Paraderolle mit einem sehenswerten Kopfball buchstäblich auf den letzten Drücker erfolgreich.

          Europa League
          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion

          Doch der Zeitpunkt  war durchaus bemerkenswert. Nicht nur, weil der Stürmer erst kurz davor für Daichi Kamada eingewechselt worden war. Paciencia hatte außerdem knapp vier Wochen aus Verletzungsgründen aussetzen müssen. Vor dem fünften Spiel in der Gruppe D konnte er deshalb nur dreimal mit der Mannschaft trainieren. Trotzdem war der Portugiese mit seiner Sprungkraft zur Stelle, als vieles darauf hindeutete, dass die Eintracht ausgerechnet vor eigenem Publikum  – im Stadion befanden sich 30.000 Zuschauer – ihre erste Niederlage im Wettbewerb hinnehmen muss.

          Trainer Oliver Glasner erklärte den umjubelten Torschützen hinterher zum „Antwerpen-Spezialisten“. Schon im Hinspiel Ende September in Belgien hatte Paciencia mit einem Foulelfmeter in der Nachspielzeit zum 1:0-Endstand getroffen. Auch damals war der Angreifer erst kurz davor ins Spiel gekommen.  Der 27-Jährige braucht nicht lange, um auf dem Platz auf Betriebstemperatur zu kommen. Im Vergleich anspruchsvoller war sein Treffer gegen Antwerpen mit dem Kopf.

          Paciencia als „Antwerpen-Spezialist“

          „Das war richtig schwierig. Phantastisch, wie Goncalo den Ball gesetzt hat“, sagte  Glasner anerkennend über das Glanzstück seines Schützlings. Auch Frankfurts Sportvorstand Markus Krösche bescheinigte Paciencia „in der Box“ eine „sehr gute Abschlussqualität“. Der Hochgelobte selbst teilte nach dem Abpfiff mit, dass er sich „gut gefühlt“ habe – „besser, als vor der Verletzung“. Paciencia freute sich darüber, dass die Frankfurter abermals ihre „Mentalität bewiesen“ hätten. „Wir haben bis zur letzten Sekunde gekämpft“, sagte er.

           Ihr Etappenziel im europäischen Wettbewerb erreichten die Hessen am Donnerstag dennoch nicht. Durch den späten 1:0-Erfolg von Olympiakos Piräus über Fenerbahce Istanbul schaffte es die Eintracht im ersten Anlauf nicht wie gewünscht, sich als Gruppensieger auf direktem Weg für das Achtelfinale zu qualifizieren. „Dann brauchen wir eben einen Punkt in Istanbul“, meinte  Glasner trotzig. Er kündigte an, dass die Frankfurter am 9. Dezember in Istanbul aber „auf Sieg spielen“ werden. „Wir fahren dorthin, um zu gewinnen.“

          Lob von allen Seiten: Goncalo Paciencia rettet der Eintracht einen Punkt.
          Lob von allen Seiten: Goncalo Paciencia rettet der Eintracht einen Punkt. : Bild: EPA

          Die bisherige Auswärtsbilanz spricht für die Eintracht, die beide Begegnungen gegen  Antwerpen und Olympiakos Piräus für sich entscheiden konnte. „Daher bin ich nicht beunruhigt“, sagte der Österreicher. Zu Hause hingegen spielten die Frankfurter zweimal remis und waren nur im Aufeinandertreffen mit Piräus (3:1) erfolgreich. „Es ist schon ärgerlich“, ordnete Krösche die verpasste Chance ein. „Aber wir haben eine sehr gute Ausgangsposition.“ Die Eintracht liegt aktuell zwei Punkte vor Piräus.

          Davon, „alles weiterhin in eigener Hand zu haben“, sprach auch Mittelfeldspieler Djibril Sow. „Aber es wird sehr schwer in Istanbul.“ Der direkte Einzug ins Achtelfinale würde den Hessen  als Gruppenerster weitere Einnahmen in Höhe von 2,3 Millionen Euro bescheren. Zudem würden sie die lästige Zwischenrunde überspringen und erst am 10. März  wieder eingreifen. Glasner bliebe so mehr Zeit, mit seiner Mannschaft im Training am Feinschliff zu arbeiten.

          Schwächerer zweiter Abschnitt

          Hätte die Eintracht gegen Antwerpen mehr Konstanz und Konsequenz gezeigt, hätte sie  den ersten Matchball verwandelt. Einer ansehnlichen ersten Halbzeit folgte ein schwächerer zweiter Abschnitt. Dementsprechend „zweigeteilt“ war die Stimmung bei Glasner. Einer seiner Auffassung nach „sehr guten ersten Halbzeit“, in der Kamada das 1:0 (13. Minute) gelang, bevor der Antwerpener Radja Nainggolan mit ein bisschen Glück und der Unterstützung von Evan Ndicka, der den Schuss abfälschte, das 1:1 (33.) erzielte, schloss sich eine zweite Spielhälfte an, in der die Frankfurter „nicht ganz so flüssig“ gewesen seien. „Wir wurden ungeduldig, hatten ein paar einfache Ballverluste, es wurde wild“, beschrieb Glasner die Defizite. „Manche Situationen müssen wir besser ausspielen. In ein, zwei Situationen wurden wir dann ausgekontert.“

          Eine davon nutzte Mbwana Samatta nach 88 Spielminuten zum 1:2. „Wir dürfen nicht im heimischen Stadion in der 88. Minute einen Konter bekommen, zumal im Wissen, dass es in Piräus unentschieden steht“, ärgerte sich der eingewechselte Kapitän Sebastian Rode. Gleichwohl habe sich das Team „wieder zurückgekämpft. Das zeigt unsere Qualität und Mentalität“, sagte er. Krösche lobte die „unfassbare Moral und Mentalität“ der Mannschaft, wies jedoch darauf hin, dass diese ihr gutes Spiel „über 90 Minuten durchhalten“ müsse. Die fehlende Konstanz im Frankfurter Spiel beanstandete der Sportvorstand zum wiederholten Mal.

          Der eine Punkt könne in der Endabrechnung „ein ganz wichtiger Punkt sein“, sagte Glasner. Diesen hatte die Eintracht vor allem Paciencia zu verdanken. Mit bemerkenswerter Kopfballtechnik war der Portugiese abermals auf den Punkt da. Und das, obwohl der Stürmer im zurückliegenden Sommer ein Verkaufskandidat war. Gewiss zählt er aber zu den kopfballstärksten Spielern im Kader.

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