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Eintracht 0:0 gegen Inter : „Das ist ein bisschen lächerlich“

  • -Aktualisiert am

Die Frankfurter sind mit einigen Entscheidungen von Schiedsrichter William Collum nicht einverstanden. Bild: Reuters

Trotz gewaltiger Unterstützung der Fans reicht es für Frankfurt im Hinspiel gegen Inter nur zu einem 0:0. Im Mittelpunkt stehen der Schiedsrichter und Eintracht-Trainer Hütter.

          Das Beweismittel wurde gleich sichergestellt. Die kaputte Trinkflasche mit dem Europa-League-Logo, die der Frankfurter Trainer Adi Hütter aus Ärger weg geschossen hatte, wurde am Donnerstagabend durch die Katakomben der Arena getragen, um sie ins Klub-Museum zu bringen. Schließlich spielte das Gefäß eine nicht unbedeutende Rolle beim Achtelfinal-Hinspiel gegen Inter Mailand, das 0:0 endete. Nach einem gezielten Tritt gegen die Flasche, die am Spielfeldrand stand, musste Hütter seine Coachingzone auf Geheiß des schottischen Schiedsrichters verlassen.

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Der sonst so kontrollierte Hütter hatte sich mächtig echauffiert, nachdem Stürmer Sebastién Haller im Duell mit Inters Danilo D’Ambrosio gefallen war. Der Unparteiische William Collum sah darin kein elfmeterwürdiges Foul. Und der Österreicher Hütter kickte mit voller Wucht die Plastikflasche weg. Das Wasser spritzte in Richtung des vierten Offiziellen, der den Vorfall sofort seinem Chef meldete. Collum wollte nicht diskutieren: In der 54. Minute musste Hütter den Innenraum verlassen. Fortan beobachtet er das Spiel aus der Loge von Eintracht Frankfurt – nach kurzer Verwirrung dort.

          Denn Hütter, dessen Arbeitsbereich in der Regel direkt am Spielfeldrand ist, wurde zunächst nicht eingelassen. Schließlich stand er nicht auf der Gästeliste, wie Vorstandsmitglied Axel Hellmann mit einem Schmunzeln berichtete. Die Situation konnte schnell geklärt werden, und Hütter verfolgte schließlich an der Seite von Sportvorstand Fredi Bobic den Rest der emotionalen Partie. Hütter bat später um Entschuldigung für seinen Ausraster. „Da sind die Emotionen mit mir durchgegangen, weil es für mich ein klarer Elfmeter war“, sagte er. „Für dieses Verhalten muss ich mich entschuldigen. Das gehört sich nicht. Die Bilder gefallen mir auch nicht. Es hat mich aufgeregt, sonst hätte ich es nicht gemacht.“

          Die Aufregung entstand auch als Folge aus einer Szene der ersten Halbzeit. Nach einer Berührung des Frankfurters Gelson Fernandes, der später eine Gelbe Karte sah und im Rückspiel am kommenden Donnerstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League, bei Nitro und DAZN) fehlen wird, mit Lautaro Martínez gab es sehr wohl Strafstoß – eine harte Entscheidung. Torwart Kevin Trapp parierte den Elfmeter des kroatischen WM-Zweiten Marcelo Brozovic allerdings bravourös (22.).

          Trainer auf Tribüne: Hütter (l.) neben Bobic

          Mit der harten Sanktion im Hinterkopf war Hütter später nicht mehr zu halten, als die Eintracht nicht auch mit einem Strafstoß belohnt wurde. „Wenn er den in der ersten Halbzeit pfeift, muss er auch den in der zweiten geben“, sagte Sebastian Rode. „Dass dazu gleich der Trainer auf die Tribüne muss, ist ein bisschen lächerlich.“ Ähnlich äußerten sich der wieder starke Routinier Makoto Hasebe und „Täter“ Fernandes, der bekannte, dass es einen Kontakt mit dem Gegenspieler gab. Immerhin hatte Hütter später seinen Humor mit Blick auf den Tritt gegen die Flasche wiedergefunden: „Man hat gesehen, dass ich als Spieler einen guten rechten Fuß hatte.“

          Den haben auch viele seiner Spieler, doch gegen eine clevere Mannschaft von Inter reichte das nicht zu einem Tor. Bisher hatten die Frankfurt in der Europa League fast nach Belieben getroffen: 23 Tore in acht Spielen. Doch die Italiener verstanden es, geschickt zu verteidigen. Vor allem in der ersten Halbzeit waren sie klar überlegen, wie auch Hütter erkannte: „Wir waren zu mutlos.“ Er rüttelte seine Mannschaft in der Pause auf und stellte taktisch um. Das wirkte. Die größte Chance vergab der starke Abwehrspieler Martin Hinteregger mit einem Kopfball (70.). Inter hatte bei einem Kopfball von Milan Skriniar (83.) den einzigen Ballkontakt im gegnerischen Strafraum überhaupt in der zweiten Halbzeit.

          „Kein Gegentor zu kassieren, das haben wir erreicht“, sagte Hütter. Nach dem Eindruck der wieder bemerkenswerten Fan-Unterstützung inklusive einer sehenswerten Choreografie im ganzen Stadion vor der Partie bezifferten die Eintracht-Spieler ihre Chancen auf den Einzug ins Viertelfinale positiv. Kapitän Makoto Hasebe sprach von 51 Prozent pro Frankfurt. Auch Rode gab sich optimistisch: „13.000 Fans werden eine geile Unterstützung sein, da haben wir fast ein Heimspiel.“ Und Fredi Bobic sieht ebenfalls gute Chancen: „Inter muss jetzt gewinnen. Uns reicht ein Unentschieden mit einem Tor oder ein Sieg.“

          Bevor es in Mailand im ehrwürdigen San Siro um das Weiterkommen geht, haben die Gestalter des Bundesliga-Spielplans allerdings das Auswärtsspiel bei Fortuna Düsseldorf gesetzt – erst am Montag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Eurosport). Die Frankfurter haben sich mit dieser unglücklichen Terminierung nach eigener Aussage abgefunden. Nach der Partie kehren sie erst in der Nacht zu Dienstag zurück. Schon am Mittwoch geht es nach Italien. Dann steht auch Adi Hütter wieder am Spielfeldrand. Und hofft, dass seine Spieler ihre Füße besser einsetzen als er.

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