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Eintracht Frankfurt : „Mit Bobic kommt frischer Wind rein“

Cenk Tosun spielt für die Türkei derzeit bei der EM, war aber auch schon für die Eintracht am Ball. Bild: AFP

Eintracht Frankfurt will in der Bundesliga wieder eine größere Rolle spielen. Wie das gelingt erklärt Armin Kraaz, Leiter des Leistungszentrums, im Gespräch über Erwartungen an den künftigen Sportvorstand – und alte Fehler im Umgang mit Talenten.

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          Haben Sie bei der EM schon Spieler entdeckt, die für die Eintracht in Frage kommen könnten?

          Derjenige, der bei so einem Turnier positiv auffällt, ist aus finanziellen Gesichtspunkten für die Eintracht sicherlich nur schwer zu stemmen. Den zieht es dann, wenn er nicht sowieso schon dort unter Vertrag steht, eher nach England oder Spanien. Da kann man heutzutage wirtschaftlich kaum noch mithalten. Und deswegen muss man sich auf andere Märkte konzentrieren: Polen, Tschechien, Rumänien.

          Bei der EM sind mit Emre Can, dem deutschen Verteidiger, und Cenk Tosun, dem türkischen Stürmer, zwei von der Eintracht ausgebildete Spieler dabei. Sind Sie zufrieden mit dieser Quote?

          Wir hätten gerne mehr. Unsere allererste Benchmark ist das Bundesligageschäft. Dafür bilden wir aus. Wenn noch mehr rauskommt, ist das die Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Wer weiß, möglicherweise wäre Sebastian Jung auch dabei, wenn er in Wolfsburg seine Entwicklung beibehalten hätte, die ihn in Frankfurt so groß rausgebracht hat. Er wurde ja schon mal von Löw nominiert, und auf dem Posten rechts hinten in der Abwehr ist die Nationalelf nicht üppig besetzt. Durch seinen Kreuzbandriss wird er es aber bis auf weiteres nicht schaffen.

          Dass die Eintracht das Eigengewächs Tosun, der heute bei Besiktas Istanbul zu den besten Stürmern seines Heimatlandes zählt, 2011 ziehen ließ, gehört zu den unverständlichen Transferentscheidungen der jüngeren Vergangenheit, oder?

          Cenk bekam bei Michael Skibbe einmal die Gelegenheit, in einem Profispiel zu zeigen, was er kann. Er wurde für zwölf Minuten eingetauscht - und anschließend hieß es, er würde es nicht packen. Er wurde für kleines Geld an Gaziantepspor abgegeben. Nun spielt er mit Mario Gomez bei einem europäischen Top-Klub zusammen. Er hat es für sich gut getroffen.

          Armin Kraaz

          Als Leiter des Leistungszentrums muss Sie eine solche Geschichte, bei der die Eintracht am Ende schlecht dasteht, doch ärgern.

          Man muss es akzeptieren. Doch bei Cenk Tosun fiel es sehr schwer. Als er ging, war er mehr als zwölf Jahre bei uns, er hatte das Fußballspielen von klein auf von uns beigebracht bekommen. Er war in allen U-Nationalmannschaften des DFB ein Leistungsträger. Und wenn man sich seine Scoring-Werte bis heute anschaut, stellt man schnell fest, was für ein außergewöhnlicher Spielertyp er ist. Im Schnitt schießt er seit Jahren in jedem zweiten Spiel mindestens ein Tor. Egal wo. Seine Quote ist super. Und wenn man sich vergegenwärtigt, wer im Sturm der Eintracht seitdem so aufgelaufen ist: Lakic, Hoffer, Occean oder Kadlec, um nur ein paar Namen zu nennen, denke ich mir, das hätte Cenk Tosun auch hinbekommen.

          Fredi Bobic ist seit zwei Wochen Sportvorstand der Eintracht. Einer seiner Antrittsbesuche führte an den Riederwald. Wie ist Ihr Eindruck?

          Es gab Treffen mit ihm, und da habe ich das Gefühl gewonnen, dass er sich wirklich für unsere Arbeit interessiert. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Bobic und dass mit ihm frischer Wind reinkommt. Wir sind daran interessiert, dass sich die Zusammenarbeit mit der Profiabteilung weiter verbessert.

          Das Gesicht der Eintracht, so lautete Bobics Ankündigung, werde sich verändern. Haben Sie schon eine Idee, was er vorhat?

          Er will das Leistungszentrum enger anbinden an die AG. Auch wenn wir räumlich getrennt sind. Inhaltlich geht das sehr wohl, wenn man mehr aufeinander zugeht. Zum Beispiel durch ein gemeinsames Scouting für die relevanten Jahrgänge. Die Trainer - Alexander Schur, der die U19 betreut, und Niko Kovac - sollten sich regelmäßig abstimmen.

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