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Frankfurt im Halbfinale : „Wahnsinnig geil und einfach unglaublich“

  • -Aktualisiert am

Erschöpft, aber unheimlich glücklich: Eintracht Frankfurt steht im Hablfinale der Europa League. Bild: EPA

Beim emotionalen Einzug ins Halbfinale der Europa League erlebt die Eintracht einen Feiertag vor dem Feiertag. Die Begeisterung ist riesig. Vor allem zwei Spieler ragen heraus beim Sieg über Benfica.

          Adi Hütter wusste als guter Chef ganz genau, was zu tun war. Um kurz nach Mitternacht verkündete der Trainer von Eintracht Frankfurt, dass seine Belegschaft am Karfreitag komplett frei haben würde. Was für einen Großteil der arbeitenden Bevölkerung normal ist, ist für Fußballprofis beileibe keine Selbstverständlichkeit. Die kleine Auszeit am Feiertag kommt den Spielern mehr als gelegen, um die nerven- und kraftraubende Spätschicht am Gründonnerstag zu verarbeiten und „den Sieg auch vom Kopf her zu genießen“, wie es Hütter ausdrückte: Seine Frankfurter stehen nach dem extrem hart erkämpften 2:0 im Duell mit Benfica Lissabon im Halbfinale der Europa League.

          Europa League
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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Es war ein höchst emotionaler Feiertag vor dem Feiertag, den die Eintracht erlebte. Nach dem 2:4 im Hinspiel vor einer Woche in Portugal mussten die Frankfurter den Rückstand aufholen. Das taten sie auf dramatische Weise. Filip Kostic brachte den Bundesliga-Klub in Führung (36. Minute), Sebastian Rode erzielte das 2:0 (67.). Der Rest war aufopferungsvolles Verteidigen des Ergebnisses, das die Frankfurter letztlich aufgrund der mehr erzielten Auswärtstore triumphieren ließ. „Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft“, sagte Hütter, der seine Emotionen vor allem direkt nach dem Ende der Partie gezeigt hatte. „Heute habe ich mich am meisten über den Schlusspfiff gefreut.“

          Schiedsrichter Daniele Orsato beendete nach insgesamt fast 100 Minuten Spielzeit eine Partie, die für Jubel auf der einen und Ärger auf der anderen Seite sorgte. Denn Kostics 1:0 war irregulär. Beim Schuss von Mijat Gacinovic, der an den Pfosten prallte, stand der Torschütze deutlich im Abseits. Der Assistent von Orsato erkannte die Regelwidrigkeit nicht. Die Portugiesen tobten und forderten die Überprüfung durch die Videobilder. Doch diese Option gibt es in der Europa League erst im Endspiel. Trainer Bruno Lage echauffierte sich gar so sehr, dass ihn der Schiedsrichter auf die Tribüne verwies.

          Die tüchtigen Frankfurter leugneten nicht, dass sie hier Glück hatten. „Ich finde, der Schiedsrichter hat heute einen guten Job gemacht“, sagte Kevin Trapp. „Dass wie vor dem 1:0 für das Gespann mal alles zu schnell gehen kann, kommt vor.“ Der Torwart hatte leicht reden, schließlich profitierte seine Mannschaft von der eklatanten Fehlentscheidung. Auch Hütter erkannte: „Beim 1:0 hatten wir das notwenige Glück.“ Doch damit wollte sich im Lager der Frankfurter verständlicherweise niemand allzu lange aufhalten in dieser magischen Nacht. „In der Summe haben wir heute verdient gewonnen“, sagte Hütter. „Es war ein perfektes Spiel und ein perfekter Abend.“

          Nach Schachtar Donezk und Inter Mailand schaltete die Eintracht nun die dritte Mannschaft aus, die aus der Champions League kam. Und mit 27 Toren erzielte sie schon jetzt mehr als je ein deutsches Team im zweitklassigen europäischen Wettbewerb. Von elementarer Bedeutung für den Einzug in die Runde der besten vier Mannschaften aber war die Defensive. „Wir haben heute ein überragendes Spiel gemacht und nichts zugelassen“, sagte Danny Da Costa. So ganz stimmte das nicht, schließlich traf Benfica durch den eingewechselten Eduardo Salvio in der Schlussphase den Pfosten.

          Der Österreicher Hütter, der zur nüchternen Analyse neigt, hob zwei Spieler hervor: Ante Rebic und Simon Falette. Der Kroate ackerte in vorderster Front unermüdlich. Während sein Sturmpartner Luka Jovic einen unglücklichen Tag erwischte und ausgewechselt wurde, hatte Rebic bei beiden Toren seine Füße in der Vorbereitung im Spiel. Der Franzose Falette indes war der unwahrscheinlichste Fußball-Held dieses Abends. Der Abwehrspieler hatte am 26. Januar in Bremen letztmals gespielt. Weil aber Martin Hinteregger verletzt ausfiel, schlug die Stunde für Falette. Seine fußballerischen Schwächen machte er mit enormem Einsatz wett, die er mit Krämpfen in beiden Beinen bezahlte. „Ich war ein bisschen müde“, sagte er später und lachte – es war die Untertreibung des Abends.

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