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Frankfurt ist DFB-Pokalsieger : „Heute ist Geschichte geschrieben worden“

Am Ziel der Frankfurter Träume: Trainer Niko Kovac und die Eintracht holen den DFB-Pokal. Bild: Reuters

Das Abschiedsspiel von Niko Kovac wird zum großen Gefühlskino. Der scheidende Trainer holt mit der Eintracht den DFB-Pokal und weint danach. Auch an emotionalen Worten fehlt es in der langen Nacht von Berlin bei den Frankfurtern nicht.

          Als das große Gefühlskino nach dem Schlusspfiff seinen Anfang nahm, wandelte Niko Kovac ein Stück weit auf den Spuren von Weltmeistermacher Franz Beckenbauer. Doch weil Berlin nicht Rom ist, wo Kaiser Franz als Teamchef die deutsche Fußball-Nationalmannschaft 1990 zum Titel führte, beließ es der scheidende Eintracht-Trainer bei nur wenigen Metern des Alleinseins. Dann überkamen ihn die Emotionen – und er suchte Halt bei Fredi Bobic. In den Armen des gleichfalls glückseligen Sportvorstands ließ Kovac seinen Gefühlen freien Lauf: Er weinte und brauchte sich seiner Tränen nicht zu schämen. Es war sein Abschiedsspiel als Frankfurter Fußballlehrer. Und Kovac sagt als DFB-Pokalsieger Servus. Demnächst wird er sich um Form, Fitness und Vorwärtskommen des FC Bayern kümmern.

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          Es war geradezu herzergreifend, und ein Drehbuchautor hätte die letzten Arbeitsstunden des 46 Jahre alten Kroaten nicht besser schreiben können. Alles richtig gemacht im Spiel seines Lebens. Auf die richtigen Spieler gesetzt – und tatsächlich „das Abschiedsgeschenk bekommen, das ich mir von meiner Mannschaft gewünscht habe“. 3:1 im Finale gegen den Meister und großen Favoriten. Die Frankfurter Leistung war nicht nur aller Ehren wert – sie war formidabel und exzellent. „Es war ein epochaler Moment“, sagte Bobic später in den Katakomben des Berliner Olympiastadions. Lange nachdem sich Mannschaft, Trainerteam, Betreuer und Funktionäre auf dem mit goldenem Lametta bedeckten Rasen zur Ehrenrunde an diesem ganz speziellen Samstagabend des 19. Mai gefunden hatten.

          „Heute ist Geschichte geschrieben worden“, sagte Bobic mit einem Dauergrinsen im Gesicht. Den Spielern der Frankfurter Mannschaft, die zuvor das Kunststück fertig brachte, die Bayern durch die Tore von Ante Rebic (11. und 82. Minute) bei einem Gegentreffer von Robert Lewandowski 53.) eiskalt auszukontern und empfindlich zu treffen, prophezeite der einstige Europameister Bobic Großes. „Dieser Pokalsieg wird euch für die Ewigkeit verbinden. Es werden sich Freundschaften bilden, egal, wo auf der Welt ihr lebt.“

          Verschworene Frankfurter Gemeinschaften – die gibt es schon. 1974 und 1975 sowie 1981 und 1988 feierten Eintracht-Mannschaften Pokalsiege. Und es war kein Zufall, dass die Fußball-Helden von 1988 in großer Zahl dabei waren, als sich die Frankfurter Mannschaft des Jahres 2018 auf den Tag der Tage einstimmte. Anders als noch im Vorjahr waren es diesmal bis zu 1200 Gäste, die sich in der sogenannten „Frankfurter Botschaft“ auf das Pokalfinale einstimmten – mit dem einstigen Trainer Karl-Heinz Feldkamp, mit Uli Stein, mit Norbert Nachtweih, mit Charly Körbel.

          Peter Fischer war da noch nicht Präsident der Eintracht. Doch es war eben dieser Zweimetermann, der auf dem Breitscheidplatz beim Fanfest wenige Stunden vor dem Anpfiff mit tränenerstickter Stimme fast schon prophetisch sagte: „Ich will das Stadion rocken. Ich will euch alle hören. Und gemeinsam wollen wir alle diesen verdammten Pott holen. Diese Stadt Berlin hier ist heute Frankfurt 2.0.“ Fischers Finalwunsch: „Ich will heute Nacht aus dem Ding trinken.“ In der Nähe des Brandenburger Tores, wo die Eintracht-Delegation die Nacht zum Tage machte, konnte Fischer sein Versprechen einlösen. Und er konnte mit ansehen und anhören, wie die Fans schon bei der Ankunft des Mannschaftsbusses Eintracht-Trainer Kovac hochleben ließen und immer wieder seinen Namen skandierten.

          Ein paar Stunden zuvor, bei der Nennung der Mannschaftsaufstellung, war das noch anders. Da gab es Pfiffe für den zukünftigen Bayern-Trainer. Pfiffe, die ihn geschmerzt und getroffen haben dürften. Zu diesem Zeitpunkt konnte keiner der mehr als 74.000 Zuschauer im prallgefüllten Olympiastadion ahnen, dass der famose Ante Rebic das Spiel seines Lebens machen würde. Schon sein erstes Tor, bei dem sich der gleichfalls überragende Kevin-Prince Boateng als kongenialer Vorbereiter empfahl, war eine Klasse für sich. Mit scheinbar brachialer Urgewalt hielt sich Rebic zwei Bayern-Profis vom Leib, schaute kurz auf und schoss den Ball flach in die linke untere Ecke.

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          Was er jedoch gegen Ende der Partie beim 2:1 machte, ließ so manchem fast den Atem stocken. Bobic sagte stellvertretend für so viele begeisterte Fußballfreunde: „Einfach unfassbar. Unglaublich, wie er da durchgegangen ist.“ Im Stile eines 100-Meter-Sprinters kam Rebic fast von der Mittellinie aus startend in Richtung des Bayern-Strafraums, legte sich die Kugel mit dem Kopf vor und spitzelte sie mit rechts an Keeper Sven Ulreich vorbei ins Tor. Eine Aktion wie Donnerhall, ein Tor von einer solchen Wucht und Dynamik, wie man es in der Saison noch nicht gesehen hat. Dass der eingewechselte Mijat Gacinovic den Schlusspunkt setzte und den Ball zum 3:1 in das verwaiste Tor der Münchner schob, setzte der famosen Frankfurter Vorstellung die Krone auf.

          „Wir wollten gewinnen, wir haben gewonnen, und wir haben es verdient.“ Wer sonst als Boateng hätte es treffender auf einen Nenner bringen können. Später dann, zu vorgerückter Stunde an historischer Stätte am Brandenburger Tor, verbeugte sich Bobic noch einmal verbal vor Kovac. „Er musste harte Entscheidungen treffen, aber immer für Eintracht Frankfurt. Ich sage Danke. Respekt und Danke.“ Kovac betonte vor lauter geladenen Gästen, „dass wir verdammt glücklich sind. Ich möchte Euch alle duzen. Ich werde diese zwei wunderbaren Jahre immer in meinem Herzen tragen. Ich bin weg, aber ich werde diesen Klub nie vergessen. Das erste, was ich nach dem Schlusspfiff in München sehe, wird das Ergebnis der Eintracht sein.“

          Was Kovac in der Feiernacht von Berlin auch sehen konnte: einen halbwegs versöhnten Alexander Meier. Den von den Fans gefeierten „Fußball-Gott“ hatte Kovac für das Spiel der Spiele nicht für den 18 Spieler umfassenden Kader nominiert, was dem einstigen Torschützenkönig sehr zusetzte. Doch im Moment des Glücks, als der von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreichte Pokal in die Höhe gereckt wurde, hatte Meier gemeinsam mit Ko-Kapitän David Abraham tatsächlich als Erster die Hand am Goldstück. „Das war eine super Geste“, sagte der große Sportsmann Meier. „Dafür möchte ich David und dem Trainer danken.“

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