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Frankfurter 2:2 bei Donezk : „Das ist der Wahnsinn“

Diskussionsbedarf in Charkiw: Eintracht-Spieler Hasebe (links) und Schiedsrichter Taylor. Bild: AP

Die Fans begeistern die Frankfurter, doch sie wissen nicht so recht, was sie mit dem 2:2 im Hinspiel bei Schachtar Donezk anfangen sollen. Zumal nicht nur das Ergebnis eine unschöne Erinnerung weckt.

          So unentschieden wie das Ergebnis waren auch die Reaktionen. Bei Eintracht Frankfurt wussten sie nicht so recht, was sie mit diesem 2:2 im Hinspiel der Zwischenrunde in der Europa League bei Schachtar Donezk anfangen sollten. Einerseits freuten sich Spieler und Verantwortliche über die zwei Auswärtstore und das Remis bei einem starken Gegner, der wegen der politischen Lage nicht im eigenen Stadion, sondern in Charkiw antreten musste. Andererseits waren die sportlichen Umstände der Partie so, dass für die Frankfurter auch noch ein besseres Resultat gut möglich gewesen wäre.

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          „Wir nehmen ein gutes Ergebnis mit, auch wenn mehr drin war“, sagte Adi Hütter nach Mitternacht Ortszeit im Nordosten der Ukraine, 300 Kilometer von der eigentlichen Heimat von Schachtar in Donezk entfernt. „Wir sind hierhergekommen, um uns für das Rückspiel eine gute Ausgangssituation zu erarbeiten. Das ist uns mit zwei Auswärtstoren gelungen“, fasste Hütter die ambivalenten Gefühle zusammen. „Aber ich ärgere mich ein bisschen über das Ergebnis, da wir 80 Minuten in Überzahl agiert und wir zu einfach die zwei Führungen aus der Hand gegeben haben.“ Donezk-Trainer Paulo Fonseca erging es nicht anders als den Frankfurtern: „Wir sind mit dem Remis nicht komplett glücklich. Aber angesichts der Umstände und der frühen Gelb-Roten Karte können wir mit dem Ergebnis leben.“

          Vor der ersten Partie in einer K.o.-Runde in dieser Saison wäre die Eintracht, die in der Gruppenphase mit sechs Siegen in sechs Spielen beeindruckt hatte, mit dem Resultat glücklich gewesen, galt der Tabellenführer der ukrainischen Liga, der auf der Hoffenheim-Gruppe der Champions League als Dritter abgestiegen war in den zweitwichtigsten Europapokal-Wettbewerb, doch als unangenehmster Gegner, der im Lostopf lag. Und das hing nicht nur mit den Bedingungen zusammen. Zwar lag hinter den Toren im Stadion hoch der Schnee, mit minus vier Grad bei Spielbeginn aber war es immerhin nicht ganz so kalt wie von vielen zunächst befürchtet.

          Und die Partie auf dem Rasen brauchte auch nicht lange, um richtig heiß zu laufen. In den ersten zehn Minuten passierte mehr, als in anderen Spielen in neunzig plus Nachspielzeit. Bereits in der siebten Minute Köpfte Neuzugang Martin Hinteregger, der erst vor zwei Wochen aus Augsburg gewechselt war, zum 0:1 ein. Im Gegenzug bekam Donezk einen schmeichelhaften Elfmeter nach Rempler von Evan N’Dicka. Marlos verwandelte zum 1:1 (9. Minute). „Der Elfmeter war unnötig“, sagte Hütter. Wieder nur zwei Minuten später war Donezk schon in Unterzahl. Taras Stepanenko sah nach zwei Fouls die Gelb-Rote Karte.

          Wer jetzt, egal ob auf oder neben dem Spielfeld, noch nicht auf Temperatur war, dem war auch nicht mehr zu helfen. „Schade, dass wir nicht länger 1:0 geführt haben. Dann läuft die Partie anders“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner. So aber übernahmen die Frankfurter ob der numerischen Überlegenheit zwar die Kontrolle über das Spiel, konnten aber erst in der zweiten Halbzeit durch Filip Kostic wieder in Führung gehen (50.). Doch Taison glich abermals aus. „Das 2:2 darf nicht passieren, weil wir da in Überzahl sind. In beiden Situationen müssen wir das besser lösen“, sagte Trainer Hütter. Nicht nur in dieser Szene war zu sehen, dass die Eintracht-Defensive mit den trickreichen und flinken Angreifern der Ukrainer immer wieder ihre Probleme hatte.

          Auf einen Gegner mit ukrainischer Abwehrkraft und brasilianischer Angriffsleichtigkeit werden sich die Frankfurter auch im Rückspiel am nächsten Donnerstag (18.55 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League und bei DAZN) einstellen müssen. „Man hat gesehen, welche Qualität Donezk hat“, sagte Hütter. „Wir werden erst in einer Woche wissen, was das Ergebnis wert ist.“ Torschütze Hinteregger war optimistischer: „Zuhause können wir jeden schlagen.“ Dann werden fast 50.000 Fans in der seit Wochen ausverkauften Arena für ein anderes Ambiente als in Charkiw sorgen.

          Auch dort gaben die 2900 Frankfurter Fans, die den beschwerlichen Weg auf sich genommen hatten, den Ton an. Viele andere Blöcke des EM-Stadions von 2012 blieben aber leer. „Unsere Fans sind fantastisch. Das ist der Wahnsinn. Sie haben uns sehr geholfen“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic. Auch Mijat Gacinovic, der für Stürmer Sebastien Haller in die Startelf gerückt war, wollte ein Lob loswerden: „Ich kann den Fans nur danken für diesen unglaublichen Support. Das war für uns eine große Motivation.“

          Einige der Anhänger werden sich nach dem 2:2 auch an das bisher letzte Europa-Abenteuer erinnern. 2014 gab es im Hinspiel der Zwischenrunde beim FC Porto das gleiche Ergebnis. Nach einem 3:3 im Rückspiel im eigenen Stadion schieden die Frankfurt wegen der Auswärtstorregel unglücklich aus. „Ich hoffe, Geschichte wiederholt sich nicht“, sagte Eintracht-Präsident Peter Fischer. „Ich habe so ein bisschen ein Déjà-vu. Es ist der gleiche Trainer.“ Bei den Portugiesen auf der Bank saß damals – der heutige Donezk-Coach Paulo Fonseca.

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