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Frankfurter Europapokal-Gala : Die Eintracht im Herzen Europas

Nicht nur Frankfurts Torwart Kevin Trapp ließ seine Freude heraus. Bild: dpa

Trotz des Ärgers vor dem Spiel trägt die elektrisierende Stimmung die Frankfurter in die nächste Runde der Europa League. Kevin Trapp hat noch „nie so etwas Lautes gehört“. Besonders beeindruckend wird es im Stadion nach der Partie.

  • -Aktualisiert am

          Als das Werk vollbracht war, gab es zur Belohnung ein beeindruckendes Ständchen. 45.000 Fans von Eintracht Frankfurt blieben nach dem Schlusspfiff der Europa-League-Partie gegen Schachtar Donezk auf ihren Plätzen und sangen für die erfolgreiche Mannschaft a capella die Vereinshymne „Im Herzen von Europa“. Tatsächlich fühlte sich in diesen Gänsehautmomenten nach dem famosen 4:1-Sieg über die Ukrainer, der nach dem 2:2 im Hinspiel vor einer Woche den Einzug ins Achtelfinale bedeutete, wohl jeder, der live dabei war, ein wenig im Zentrum des großen europäischen Fußballs.

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass das Lied im Original vom Polizeichor Frankfurt gesungen wurde. Vor der Partie hatte es große Aufregung gegeben. Die Polizei durchsuchte Teile der Arena auf der Suche nach Pyrotechnik und beschlagnahmte ein großes Banner, das sich gegen den hessischen Innenminister Peter Beuth richtete. Daraufhin kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Polizisten. Die Fans sagten ihre aufwendig geplante Choreografie, die das ganze Stadion einbeziehen sollte, kurzfristig wieder ab.

          Der knisternden Stimmung taten die Ereignisse vor der Partie allerdings keinen Abbruch. Der Spielverlauf tat sein Übriges, dass in der Arena eine Lautstärke erreicht wurde, die selten zu hören ist. Luka Jovic (23. Minute) und Sebastien Haller mit einem Handelfmeter (27.) sorgten für das 2:0. Nach dem Anschlusstor durch Junior Moraes (63.) gegen ein starkes Schachtar machte Haller (80.) das Weiterkommen letztlich klar. „Ich habe noch nie so etwas Lautes gehört wie beim 3:1“, sagte Torwart Kevin Trapp. „Eine sensationelle Stimmung war das.“ Der eingewechselte Ante Rebic (88.) sorgte gar noch für das 4:1.

          „Der Europacup beflügelt die Mannschaft“, sagte Trainer Adi Hütter, der vor der Saison nach Frankfurt kam und aus achte internationalen Spielen sieben Siege und ein Remis vorweisen kann. „Wenn man eine solche Unterstützung wie heute erfährt, möchte man das auf dem Platz zurückgeben. Das ist uns heute gelungen.“ Alles in allem sei das ein „Riesenspektakel“ gewesen, sagte der ansonsten so zurückhaltende Österreicher. Sportvorstand Fredi Bobic sprach von einem „magischen Moment. Wir haben einen tollen Abend gehabt.“ Und Danny da Costa fand: „Man hatte das Gefühl, dass das Stadion zusammenbricht. Was unsere Fans leisten, ist weltweit einmalig.“

          Donezk war dicht dran

          Das klare Endergebnis soll aber nicht hinwegtäuschen über die ausgeglichenen Kräfteverhältnisse. Schon beim 2:2 im Hinspiel, als die Eintracht trotz 80 Minuten in Überzahl nicht gewinnen konnte, zeigte sich die Klasse von Donezk. Nach dem 2:1 waren die Ukrainer am Donnerstagabend dicht dran am Ausgleich. Während die Frankfurter Kräfte schwanden, hatte Schachtar einige gefährliche Szenen. „Zwischen der 60. und 80. Minute hatten wir Probleme und etwas Glück“, gab Hütter zu. Doch das Team hörte auf seinen Trainer, der noch in der Halbzeit gesagt hatte, jeder müsse über seine Grenzen gehen. „Dann nehme ich auch jeden Spieler und trage ihn vom Platz.“

          Soweit kam es nicht. Die beflügelten Adler-Träger verließen den Rasen allesamt auf eigenen Beinen, auch wenn ihnen die Strapaze anzusehen war. „Es war ein intensives Spiel“, sagte da Costa. „Das geht nicht spurlos an uns vorbei.“ Der Dauerläufer auf der rechten Seite war in der ersten Halbzeit umgeknickt und musste behandelt werden. Dennoch spielte er weiter und legte das 1:0 mustergültig auf. „Als ich das Tor vorbereitet habe, dachte ich, ich könnte keinen Schritt mehr machen“, sagte da Costa. Er konnte doch. Und hielt bis zum Ende durch.

          Schon am späten Donnerstag wurde in den Katakomben mancher Wunschgegner genannt. Makoto Hasebe etwa präferiert Arsenal oder Chelsea. Das würde auch da Costa freuen, der auf Arsenal-Torwart Bernd Leno treffen möchte, den er aus Leverkusener Zeiten kennt. Präsident Peter Fischer indes wäre damit gar nicht glücklich. „Ich würde nicht gerne nach England reisen, weil das sehr, sehr schwer werden würde.“ Der serbische Torschütze Jovic würde gerne Zagreb ziehen. „Dort habe ich ein paar Freunde.“ Letztlich gilt aber, was Sportvorstand Bobic sagte: „Du musst es nehmen, wie es kommt.“ Das werden die Frankfurter. Und es muss noch nicht die Endstation auf dieser bisher so traumhaften Reise durch Europa sein, auch wenn am Freitagmittag mit Inter Mailand ein attraktives wie schwieriges Los gezogen wurde. Das Hinspiel am 7. März (18.55 Uhr) findet in Frankfurt statt, die Entscheidung fällt eine Woche später am 14. März (21.00 Uhr) in Italien.

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