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4:1 gegen Lazio Rom : Frankfurter Fußballfest

Hände hoch: Frankfurter Jubelkette nach dem Schlusspfiff Bild: Reuters

Die Frankfurter Eintracht zeigt in der Europa League ihr bislang bestes Spiel dieser Saison und schlägt Lazio Rom 4:1. Die Italiener beenden die Partie nur mit neun Spielern.

          Welch ein Spektakel! Angetrieben von einer unglaublich anmutenden Stimmung in der Frankfurter Arena hat die Eintracht am Donnerstagabend mit einer beeindruckenden Leistung Lazio Rom im zweiten Gruppenspiel der Europa League 4:1 besiegt. Es war ein Fußballfest, das die 47.000 Zuschauer in der ausverkauften Spielstätte geboten bekamen.

          Der Tabellenelfte der Bundesliga zeigte gegen den Rangsechsten der italienischen Serie A das mit Abstand beste Spiel dieser Saison und siegte nach Toren von Danny da Costa (4. und 90.+4), Filip Kostic (28.) und Luka Jovic (52.) bei einem Gegentreffer von Marco Parolo (23.) hochverdient. Mit jetzt zwei Erfolgen in zwei Spielen – zum Auftakt glückte der 2:1-Coup beim vorjährigen Europa-League-Finalisten Olympique Marseille – führt die Mannschaft von Trainer Adi Hütter zugleich ihre Gruppe an und hat beste Chancen, auch im nächsten Jahr europäisch spielen zu dürfen.

          Europa League
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          Noch bevor der Ball ins Rollen kam, wurde es zum ersten Mal richtig laut in der Arena. So laut, dass Kevin-Prince Boateng zunächst keine Chance hatte, sich Gehör zu verschaffen. „Ihr seid die geilsten Fans, für die ich je gespielt habe“, sagte der einstige Eintracht-Profi, der als Antreiber und Kopf der Mannschaft maßgeblichen Anteil am Pokalsieg hatte. „Du wirst immer ein großer Teil der Eintracht-Familie sein“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic bei Boatengs offizieller Verabschiedung, zu der die Fans immer wieder skandierten: „Deutscher Pokalsieger – SGE.“

          Das ganze Stadion – eine einzige Partyzone. Tagelang hatten sich die Fans darauf vorbereitet, und kurz vor dem Anpfiff war es dann soweit: Die riesige Choreographie, komplett über die Gegentribüne und die Nordwesttribüne gespannt, kam nach und nach zum Vorschein. „Frankfurt 1980. Hier holten wir den Pokal – auf ihr schwarz-weißen Helden, holt ihn noch einmal.“ Eine in silber gehaltene Hommage an den Uefa-Pokalsieg 1980.

          Europa-League-Sieger 2019? Die Eintracht wäre schon froh, wenn sie die Gruppenphase gegen starke Gegner überstehen und in die K.o.-Runde einziehen würden. Und, ja, es sieht gut dafür aus. Schon nach vier Minuten ging Hütters Mannschaft in Führung. Nach einer Ecke von Jonathan de Guzman drückte der aufgerückte Verteidiger da Costa die Kugel unter den Jubelstürmen des Publikums ins Tor der Römer. 1:0 gegen den Favoriten – das gefiel den Frankfurtern, die in der Folge aber fahrlässig das Spiel aus der Hand gaben.

          Fortan war Lazio am Drücker, und es dauerte auch nur bis zur 23. Minute, in der der Ausgleich fiel. Die Eintracht reklamierte in der Vorbereitung des Konters zwar ein Handspiel. Doch Schiedsrichter Serdar Gözübüyk ließ das Spiel laufen – und Lazio schlug durch Kapitän Parolo eiskalt zu.

          Türöffner und Schlussmacher: Doppeltorschütze Danny da Costa Bilderstrecke

          Angetrieben von den nimmermüden Fans, die für eine famose Stimmung in der prallgefüllten Arena sorgten, ließ sich die Eintracht vom Ausgleich nicht aus der Ruhe bringen. Nur fünf Minuten später ging sie wieder in Führung. Diesmal war es der stark aufspielende Kostic, der nach einer Doppelvorbereitung von Sébastien Haller und Mijat Gacinovic den Ball aus kurzer Distanz zum 2:1 unter die Latte drosch.

          Sollte Hütter tatsächlich recht behalten? Zur Einstimmung auf das erste Europapokal-Heimspiel seit fünf Jahren hatte der Eintracht-Trainer angekündigt, „mit Emotion und Euphorie“ kontrolliert auftreten zu wollen. Ein Plan, der vor allem auch deshalb aufging, weil sich die Frankfurter auf die phantastische Unterstützung ihrer Anhänger verlassen konnten. Kapitän Marco Russ, der erwartungsgemäß den verletzten Amtsinhaber David Abraham vertrat, lag gleichfalls richtig, denn dieses Spiel gegen Lazio war in vielerlei Hinsicht ein „Highlight“. Russ hatte rückblickend auf die vergangenen Europapokalspiele von „Bildern fürs Leben“ gesprochen. Gegen Lazio kamen neue hinzu.

          Auch nach dem Seitenwechsel setzte sich das muntere Spiel fort, das unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff einen Vorteil für die Eintracht brachte. Für Dusan Basta war tatsächlich basta – er sah zum zweiten Mal Gelb und wurde mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen. Schon in der 49. Minute hätte der überaus agile und einsatzfreudige Jovic sogar auf 3:1 erhöhen können, doch sein Schuss strich knapp am linken Pfosten vorbei. Drei Minuten später: Haller erkämpfte sich in der eigenen Hälfte den Ball, trieb ihn bis an den gegnerischen Strafraum, passte zum freistehenden Jovic – und rannte kurz danach zum stürmischen Kollegen, der mit einem sensationellen Heber Lazio-Keeper Silvio Proto überwand. Jetzt stand es wirklich 3:1 – und die Arena scheinbar Kopf. Und Lazio bröckelte immer mehr in sich zusammen, denn nach einer Grätsche gegen de Guzman sah Joaquin Correa Rot (58.).

          Der Rest war Formsache. Hütter nahm Jovic in der 67. Minute unter dem stürmischen Applaus des Publikums aus der Partie, brachte Ante Rebic, kurz vor Schluss sogar noch Marc Stendera für de Guzman – und konnte sich später am Ende eines großartigen Fußballabends, zu dem da Costa in der Nachspielzeit noch das 4:1 beisteuerte, unter den immer wieder aufbrandenden Jubelstürmen und stehend dargebrachten Ovationen gemeinsam mit seiner Mannschaft als neuer Tabellenführer feiern lassen.

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