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Nach Sieg im Elfmeterschießen : „Die Eintracht ist jetzt da, wo sie hingehört“

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„Heute gibt es nur Bier“: Eintracht Frankfurt startet nach dem Zittersieg über Gladbach in die Party-Nacht. Bild: EPA

Nach dem glücklichen Ende im Drama gegen Gladbach jubelt Frankfurt über den Einzug ins DFB-Pokalfinale: Der Elfmeterheld gibt den Party-Befehl, Trainer Kovac gibt sich generös – nur Fredi Bobic hadert mit einem kleinen Detail.

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          Als alles überstanden war, zeigten sich die Fußballprofis der Frankfurter Eintracht passend gekleidet. Plötzlich trug jeder ein T-Shirt, dessen Aufdruck wie ein Wegweiser in die deutsche Hauptstadt wirkte. „Berlin – Adler im Anflug.“ Sollte das Berliner Finale um den DFB-Vereinspokal im Elfmeterschießen entschieden werden, wäre Eintracht Frankfurt jedenfalls gewappnet. Zumindest haben die Hessen in dieser Saison Übung darin, Pokalspiele auf diese Art für sich zu entscheiden.

          Als sie am späten Dienstagabend gegen Borussia Mönchengladbach das Endspiel erreichten, gewannen sie zum dritten Mal im laufenden Wettbewerb ein Elfmeterschießen – dieses Mal 8:7. Schon in den ersten beiden Runden waren die Frankfurter auf diese Art eine Runde weitergekommen, beim 1. FC Magdeburg und später gegen den FC Ingolstadt. „Das ist schon merkwürdig, wir verschießen vier Strafstöße in der Saison, und beim Elfmeterschießen im Pokal sind wir gut drauf“, sagte Einracht-Trainer Niko Kovac.

          Auch Elfmeterschießen geht in Verlängerung

          Im ersten Halbfinale – an diesem Mittwoch treffen noch der FC Bayern und Borussia Dortmund (20.45 Uhr / live in der ARD, bei Sky und im Pokalticker auf FAZ.NET) aufeinander – zeigten sich beide Mannschaften nach hundertzwanzig Minuten noch immer hochkonzentriert. Nachdem die ersten fünf Schützen beider Parteien allesamt getroffen hatten, ging auch das Elfmeterschießen in die Verlängerung. Beim insgesamt sechzehnten Schuss spitzte sich das Geschehen vor der Nordkurve des Borussia-Parks zu: Einwechselspieler Djibril Sow hatte verschossen, und Frankfurt bot sich der „Matchball“, nachdem zuvor schon Gladbachs Christensen und der Frankfurter Varela einmal in direkter Folge am gegnerischen Torhüter scheiterten.

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          Das Zittern hat ein Ende: Frankfurter Jubellauf nach dem Siegtor :

          Branimir Hrgota war an der Reihe; ein Mann, der aus verschiedenen Gründen wie gemalt schien für eine Hauptrolle in diesem Fußball-Drama. Der Stürmer hatte einige Jahre lang bei Gladbach vergeblich versucht, den Durchbruch zu schaffen. Vor knapp sechzehn Monaten war er während der Winterpause nach Frankfurt gewechselt, hatte dort viele Sympathien gewonnen, aber es mangelte ihm oft an Fortune, wenn es darum ging, Tore zu schießen. So war es auch in jüngster Zeit. Also habe mancher wohl gedacht, „um Gottes willen, jetzt wieder der, der sich in den letzten Wochen den Hintern aufgerissen hat, die Bälle aber nicht ins Tor bekommen hat“, sagte der Frankfurter Sportvorstand Fredi Bobic. Aber die Sorgen der Skeptiker erwiesen sich als unbegründet.

          In dem einen entscheidenden Augenblick war Hrgota voll da. Er beförderte den Ball sicher ins linke Eck und beendete ein Spiel, das nach der fulminanten Frankfurter Anfangsphase keine große Klasse mehr besaß, dafür aber viel Spannung bot, die sich in einem qualitativ herausragenden Elfmeterschießen verselbständigte. „Die Jungs haben die Bälle da sensationell reingezimmert, in alle Richtungen und in allen Höhen“, befand Bobic.

          Aus dem kampfbetonten Spiel heraus, bei dem sich sowohl der Gladbacher Oscar Wendt (Ellbogenbruch), als auch Eintracht-Spieler Marius Wolf (Verdacht auf Schlüsselbeinbruch) schwer verletzten, hatten sich beide Mannschaften über die komplette Partie hinweg kaum Torchancen erarbeitet – beinahe, als hätten sie sich alles Spektakuläre für den Showdown aufgespart. Hrgota habe nicht unter den ersten fünf Schützen sein wollen, auch weil er lange für Gladbach gespielt habe, sagte Trainer Kovac. „Das habe ich verstanden, aber für ihn freut es mich sehr, dass er uns ins Endspiel gebracht hat, Diese Verpflichtung mit diesem Tor hat sich absolut gelohnt.“

          Zu den Hauptfiguren des Abends gehörte aber nicht nur Hrgota: Auch Eintracht-Torhüter Lukas Hradecky stand im Blickpunkt. Obwohl er gegen die wuchtigen wie plazierten Schüsse der Gladbacher zunächst machtlos war, ließ er sich nicht entmutigen, sondern wartete auf seine Chance, einen Ball abzuwehren. Zweimal nutzte er sie und unterstrich damit „die Willensleistung“, die Kovac später als Schlüssel zum Erfolg bezeichnete.

          Bobic hat das alles ein wenig ungeduldig gemacht, wie er später zum Ausdruck brachte. „Ich habe zu Lukas gesagt, das hat aber lange gedauert, bis du den ersten Ball gehalten hast, das hättest du auch ein bisschen früher machen können“, berichtet er. „Natürlich haben wir beide drüber gelacht.“ Hradecky räumte ein, seine beiden Paraden seien spät gekommen, aber er sei froh darüber, „dass sie überhaupt gekommen sind“. Dann gab er den Befehl zum Start der Party-Nacht: „Heute essen wir sicher keine glutenfreie Pasta. Heute trinken wir nur Bier.“

          Unentbehrlich in der Abwehrschlacht

          Gegen Gladbach gab es herausragende Frankfurter, die sich nicht in ihrem Anteil am Erfolg voneinander unterschieden, sondern eher vor dem Hintergrund ihrer Geschichten. Insofern führte auch kein Weg an Marco Russ vorbei. Nach knapp einer Stunde eingewechselt, machte er sich in der Abwehrschlacht während des zweiten Durchgangs unentbehrlich, geriet aber auch nochmals aufgrund der Krankheit, die sein Leben bedrohte, in den Mittelpunkt des Interesses. Vom Krebs herausgefordert kämpfte sich Russ mit viel Energie in den (sportlichen) Alltag zurück und wird nun vielleicht sogar mit der Teilnahme am Pokalfinale belohnt.

          Nach Varelas Fehlschuss hatte es so ausgesehen, als könnte der Traum vom Endspiel für Frankfurt beendet sein. Russ musste treffen, um die Eintracht im Spiel zu halten. Und er hat getroffen. Also konnte Trainer Kovac ein Fazit ziehen, das zumindest an diesem Abend ein wenig über den aktuellen Erfolg hinausging. „Man kann das Haar in der Suppe suchen, aber das möchte ich nicht“, sagte er. „Wir sind zufrieden, wir haben endlich mal den Riesen Eintracht Frankfurt dort hingebracht, wo er hingehört, ins Pokalfinale. Damit haben wir nicht gerechnet, aber wir nehmen es gerne mit.“

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