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Frankfurt feiert in Berlin : „Dieses Spiel kostet mich zwei Jahre meines Lebens“

Nach der abermaligen Führung, erzielt durch einen weiteren Treffer des Kroaten Rebic, brechen alle Dämme. Jetzt wird allen klar, was eigentlich bei aller Zuversicht dann doch unmöglich zu sein schien: Der Pokalsieg dreißig Jahre nach dem letzten Triumph ist tatsächlich zum Greifen nach.  Als es dann so weit ist, wird nur noch gefeiert. Einzelne Spielernamen werden skandiert, jener von „Alex Meier Fußballgott“, von Kapitän David Abraham, vom Spieler des Tages Ante Rebic. „Dem Rebic müsste man auf dem Römer ein Denkmal bauen“, sagt der Mann mit dem weißen Hut. Selbst die enttäuschte Liebe zwischen dem zum Rivalen Bayern München wechselnden Trainer Niko Kovac und den über diesen Abschied verärgerten Eintracht-Fans endet zumindest mit einem versöhnlichen Applaus, mit Sprechchören für Kovac und mit Tränen des Trainers, die die Anhänger auf den Videoleinwänden wohlwollend wahrnehmen.

Als Peter Fischer das Megaphon in die Hände bekommt, lässt der Präsident der Frankfurter Eintracht nochmal seinen Gefühlen freien Lauf. Das weite Rund des Olympiastadions ist knapp eine Stunde nach dem Abpfiff des Finales fast leer, die Anhänger des Deutschen Meisters bereits auf dem Heimweg, nur die Ostkurve ist noch voll. Niemand will etwas verpassen an diesem historischen Abend. Die Eintracht-Fans warten auf die Ansage des Präsidenten. Fischer fordert „Gebt mir ein H“, dann will er ein „U“, „ein M“, „ein beschissenes B“ und ein „arschgeiles A“. Die Menschen in der Kurve haben sich hingesetzt, zum ersten Mal an diesem Tag im Stadion. Dann springen sie auf und singen „Humba tätärä“. Erst zehn Minuten nach dem Spiel wird David klar, dass der Pokalsieg nun auch die Qualifikation für Europa bedeutet, schon erklingt aus Tausenden Fan-Kehlen „Europacup in diesem Jahr“.

Später, das Stadion ist leer, verteilen sich die Fans in der Hauptstadt. In der U-Bahn erklingt immer wieder „Deutscher Pokalsieger – SGE“. Nach Mitternacht zeigt sich die Mannschaft nochmal am Brandenburger Tor. Viele bekommen das gar nicht mit, anderen ist der Weg zu weit, aber rund 2000 Anhänger kommen dann doch. Die Spieler recken auf einem Balkon, der ganz in Rot erstrahlt, den Pokal in die Höhe und winken stolz in die Menge. Kovac sagt zu den Fans, er wünsche sich, Teil der Geschichte dieses Klubs zu sein. Er kann sich sicher sein, dass die Anhänger ihm diesen Abschiedswunsch erfüllen. In der Nacht, als in der Kellerbar namens „Silberfisch“ das Lied „Tage wie diese läuft“, macht sich die Reisegruppe aus Frankfurt kurz vor dem Morgengrauen auf den Weg zurück ins Hotel. Müde, aber glücklich werden nochmal die Heldentaten von Rebic, Abraham und Co. erzählt. Von dem Tippgewinn ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr viel übrig geblieben.

Berliner Polizei zieht positives Final-Fazit

Die Berliner Polizei hat ein positives Fazit vom Finale im DFB-Pokal zwischen Bayern München und Eintracht Frankfurt gezogen. Größere Ausschreitungen seien ausgeblieben, teilte die Polizei am Sonntagmorgen mit. Niemand wurde verletzt, lediglich 43 freiheitsentziehende Maßnahmen wurden ausgesprochen. Im Olympiastadion wurden während des Spiels in beiden Fanlagern Pyrotechnik abgebrannt, genau wie beim Fanmarsch der Eintracht zur Arena. Nach dem Schlusspfiff sprangen rund 50 Frankfurter Anhänger über den Reportergraben in den Innenraum des Stadions, sie konnten aber durch die Ordner und Polizei zurück auf ihre Plätze gebracht werden. (sid)

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