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Fan-Randale im DFB-Pokal : Eintracht Frankfurts absoluter Tiefpunkt

  • -Aktualisiert am

Auf den Barrikaden: Beim Pokalspiel in Magdeburg kommt es zu Ausschreitungen Bild: dpa

Zündelnde Eintracht-Hooligans schüren in Magdeburg Angst. Sanktionen bis hin zu Geisterspielen oder gar dem Ausschluss aus dem DFB-Pokal sind möglich.

          Die Frankfurter Eintracht ist schon in ihrem ersten Saisonspiel von den Problemen heimgesucht worden, die sie in der vergangenen Spielzeit quälten. Ein 4:3 im Elfmeterschießen über den Drittligaklub FC Magdeburg führte den hessischen Bundesligaklub zwar doch noch in die zweite Hauptrunde des DFB-Pokals, doch die spielerische Vorstellung war von der selben Armseligkeit geprägt, die in der vergangenen Saison fast zum Abstieg geführt hatte. Erst in der Relegation gegen Nürnberg sicherte sich die Eintracht den Verbleib in der Erstklassigkeit. Schlimmer aber noch wird den Verein das Verhalten einiger Hooligans treffen, die sich in Magdeburg unter ihre organisierten Fans mischten. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat die Ermittlungen aufgenommen. Sanktionen bis hin zu Geisterspielen oder gar dem Ausschluss aus dem DFB-Pokal sind möglich.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Die Pokalbegegnung musste kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit wegen Zuschauerausschreitungen für elf Minuten unterbrochen werden. Im Frankfurter Fanblock wurden zunächst Rauchtöpfe und Böller gezündet und dann zwei Leuchtraketen in den Magdeburger Familienblock geschossen. Für einige Augenblicke drohte ein Chaos, denn einige Dutzend Magdeburger wollten sich diese Provokation nicht gefallen lassen. Sie übersprangen die Barrieren ihres Blocks und machten sich auf den Weg, um über das Spielfeld zum Frankfurter Block zu gelangen. Erst als eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei mit Hilfe von Schlagstöcken und Pfefferspray die Ordner unterstützte, zogen sich die Magdeburger wieder zurück. Es gingen Werbebanden und Umrandungen entzwei.

          „Ich hatte für einen Moment richtig Angst“, sagte Eintracht-Torwart Hradecky. „Ich fragte mich, wie geht das weiter?“ Eine berechtigte Frage. Ohne das massive Eingreifen der Sicherheitskräfte hätte eine Schlacht mit mehreren hundert Teilnehmern im Stadion entstehen können. Die Begegnung war zuvor von der Polizei als Hochsicherheitsspiel kategorisiert worden. Beide Vereine spielen wegen Fanvergehen unter Bewährung. Die Eintracht wurde wegen insgesamt neun Vorfällen in der vergangenen Saison unter anderem mit zwei Zuschauer-Teilausschlüssen bestraft, und auch am kommenden Samstag zum Bundesliga-Start gegen Schalke 04 wird der Fanblock leer bleiben, weil das der DFB als weitere Strafe festgelegt hat. Als Wiederholungstäter muss die Eintracht nach Magdeburg mit dem generellen Fanausschluss bei Heim- und/oder Auswärtsspielen rechnen.

          Vorstandsmitglied Axel Hellmann sagte am Montag: „Wir haben eine absoluten Tiefpunkt erreicht, was unsere Wahrnehmung als Klub und Fanszene anbetrifft. Das Abfeuern von Pyrotechnik in von Menschen besetzte Zuschauerblocks ist als kriminell zu bezeichnen.“ Hellmann hofft, dass der oder die Täter ermittelt werden können, ansonsten sieht er eine Kollektivstrafe durch den DFB als unabwendbar an. Da vor dem Abschießen der Pyrotechnik vier Rauchtöpfe gezündet wurden, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass Bilder der Videokameras die Täter überführen können. Hellmann fordert deshalb Zeugen auf, sich zu melden. „Das hat mit Denunziation nichts zu tun. Pyrotechnik ist als Waffe eingesetzt worden. Wir haben eine bunte Fankultur, auf die wir stolz sind, aber die in Gefahr ist, wenn sich so etwas wiederholt.“

          Für den hessischen Traditionsklub sind seine organisierten Fans mittlerweile mehr Fluch als Segen. Denn zur Fankultur bei der Eintracht gehören nicht nur Choreographien und andere Identifikation stiftende Aktionen mit dem Verein und der Mannschaft. Zum Selbstverständnis einiger in der Ultraszene und anderen Gruppierungen, die sich im Eintracht-Fanblock sammeln, gehören auch Machtdemonstrationen beziehungsweise Provokationen und Einschüchterungsversuche gegenüber gegnerischen Zuschauern.

          Bilderstrecke

          Auch bei der aufsehenerregenden und von der Uefa prämierten Auswärtsfahrt zum Europa-League-Spiel nach Bordeaux 2013 mit über 12.000 Teilnehmern kam es vereinzelt zu hässlichen Szenen. Ein Beispiel für die Auftritte der Ultras und anderer Gruppen: Vor einem Testspiel in Genua im Sommer 2014 marschierten gut hundert von ihnen straff organisiert vom Bahnhof ins Stadion und skandierten dabei ihre Rufe – teilweise in abschreckender Weise. Es war wie der Marsch einer Besetzertruppe durch eine eroberte Stadt.

          Zum Pokalspiel in Magdeburg wurde von einer Ultra-Gruppe eine Kleiderordnung ausgegeben: Alle in schwarz. Mindestens drei Viertel der 2300 Zuschauer im Block hielten sich daran, viele schminkten ihre Gesichter weiß und versahen sie mit einem schwarzen Kreuz. Bei gegnerischen Fans lösen solche Provokationen den Reflex der Revierverteidigung aus. In Magdeburg hätte das Hochschaukeln der Emotionen fast zur Explosion geführt. Die Polizei verhinderte das noch einmal.

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