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Frankfurt besiegt Lazio 4:1 : „Wahnsinn! Das ist nicht normal“

  • -Aktualisiert am

Die Adler aus Frankfurt zeigten gegen Lazio Rom ziemlich viel Biss. Bild: dpa

Die Bundesliga kann doch Europa League. Eintracht Frankfurt zeigt beim 4:1-Sieg über Lazio Rom eindrucksvoll, was möglich ist – auf und neben dem Rasen. Die Freude ist wegen eines Todesfalls aber getrübt.

          Das Beste kommt zum Schluss. Nach dem holprigen deutschen Start in diese Europapokal-Woche mit dem Remis der Bayern gegen Amsterdam und der späten Niederlage Hoffenheims gegen Manchester City am Dienstag in der Champions League machten es Dortmund gegen Monaco und Schalke in Moskau in der Königsklasse einen Tag später mit ihren Siegen schon besser. Die gute Bilanz der Bundesligaklubs rundeten die drei Starter in der Europa League am Donnerstagabend mit drei mal drei Punkten ab. Nach den Siegen von Leverkusen über Larnaka und Leipzig in Trondheim setzte Eintracht Frankfurt zum Schluss ein bemerkenswertes Ausrufezeichen.

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Laut war es in der mit 47.000 Zuschauern ausverkauften Arena schon vor dem Spiel gegen das italienische Topteam von Lazio Rom. Nach dem 4:1-Sieg sangen die Frankfurter Fans gar so inbrünstig, als hätten sie schon wieder den DFB-Pokal gewonnen wie im Mai in Berlin gegen den FC Bayern. Der unerwartete Triumph hatte seinerzeit erst den Eintritt in den Europapokal gewährt nach viereinhalb Jahren Pause. Und es scheint, als wollte die Eintracht die Teilnahme zu einem Langzeit-Projekt machen. Nach dem Sieg in Marseille im ersten Spiel führen die Hessen die Tabelle ihrer Gruppe an und haben gute Aussichten, die K.o.-Runde zu erreichen.

          Danny da Costa (4. Minute) brachte Frankfurt früh nach einer Ecke in Führung. Marco Parolo (23.) glich zwar für Lazio aus. Doch Filip Kostic konterte prompt mit dem 2:1 (28.). Danach dezimierten sich die Römer selbst. Dusan Basta sah kurz vor der Pause die Gelb-Rote Karte (45.+3), Joaquin Correa (58.) sogar eine glatte Rote Karte. Luka Jovic hatte davor schon das 3:1 für die Eintracht besorgt, wieder da Costa setzte in der Nachspielzeit den krönenden Schlusspunkt (90.+4).

          Wer sich in Frankfurt am Donnerstag umschaute, konnte kaum glauben, dass der deutsche Fußball im internationalen Wettbewerb in der Krise stecken soll. In der vergangenen Saison noch hatten sich Hertha BSC, Hoffenheim und Köln mit einem Aus nach der Gruppenphase blamiert. Die Europa League schien nur eine lästige Pflicht. Die Trainer schonten manche Spieler, die bisweilen auch nicht die größte Motivation erkennen ließen. Und das auch noch vor halbleeren Rängen. Frankfurt zeigte nun, dass es auch ganz anders geht. Für Trainer Adi Hütter war es gar „eine Nacht, die ich nicht vergessen werde“.

          Nach dem „Geisterspiel“ von Marseille ohne Zuschauer aufgrund einer Strafe für die Franzosen konnten die Eintracht-Fans die Rückkehr auf die internationale Bühne kaum erwarten. Die Fans hatten eine großflächige Choreografie vorbereitet, die an den Europapokal-Triumph von 1980 erinnerte. Das frühe Führungstor fachte die Begeisterung noch an. „Es war sensationell“, sagte Torwart Kevin Trapp. Auch Marco Russ war begeistert: „Es war ein Spektakel, was unsere Fans angeht“, sagte der Kapitän. „Für solche Abende spielst du Fußball.“ Mijat Gacinovic nannte die Unterstützung „Wahnsinn! Das ist nicht normal.“ Alleine die Pyrotechnik zu Beginn der zweiten Halbzeit hätten sich einige Anhänger sparen sollen.

          Schiedsrichter Gözübüyük schickte gleich zwei Römer vom Platz. Immobile (l) und Parolo durften weiter spielen Bilderstrecke

          Nicht nur atmosphärisch, auch sportlich hatte Frankfurt einiges zu bieten. Bis auf eine Phase nach der Führung dominierte die Eintracht Lazio, immerhin in der vergangenen Saison Fünfter der Serie A und Viertelfinal-Teilnehmer der Europa League. „Ich hatte eine unheimliche Gänsehaut“, sagte Trainer Hütter. Sein Kollege Simone Inzaghi indes haderte mit der Roten Karte für Correa. „Der Schiedsrichter hat das Spiel am Ende entschieden“, sagte der Lazio-Trainer. „Ich habe mir die Bilder nochmal angeschaut. Gelb für Correa hätte gereicht.“ Zu neunt sei gegen diese Eintracht und das Publikum dann nichts mehr möglich gewesen. „Die Fans waren einfach grandios.“

          Der Erfolg der Eintracht fußte auf mehreren Säulen. Torwart Trapp strahlte eine enorme Ruhe aus. Der zentrale Abwehrmann Makoto Hasebe machte  überhaupt keinen Fehler. Außenverteidiger da Costa beeindruckte nicht nur als doppelter Torschütze. Auffällig waren auch der robuste wie spielstarke Mittelstürmer Sébastien Haller sowie die flankierenden Offensivkräfte Kostic und Jovic, der einen Lupfer im Tor versenkte, den auch ein Lionel Messi nicht besser aus dem Fuß hätte zaubern können.

          Eine ganz besondere Leistung zeigte aber der zentrale Mittelfeldspieler Lucas Torró. In der Nacht zum Spieltag war der Bruder des Spaniers völlig überraschend gestorben, wie Hütter nach dem Spiel mitteilte. Die Mitspieler ahnten nicht, in welchem emotionalen Zustand sich der 24-Jährige befand. Das Trainerteam war eingeweiht und überließ Torró, der nach der Partie Tränen vergoss, die Entscheidung, ob er spielen wollte. Er wollte. „Das ist eine traurige Nachricht, die unsere Feierfreude nach dem Spiel getrübt hat“, sagte Hütter. Nun reist der trauernde Torró in seine Heimat. Beim Bundesligaduell mit Hoffenheim am Sonntag wird er sicher fehlen.

          Für die Frankfurter gilt es, nach diesem sportlichen Feiertag zu regenerieren. Nach Hoffenheim folgt eine Pause wegen der Länderspiele der Nations League. Danach geht es dicht gedrängt im Spielplan weiter, auch in der Europa League. Den Eindrücken vom Donnerstag nach zu urteilen, dürfen sich die Fans wieder auf besondere Abende freuen. „Frankfurt 1980“, war in der Choreografie der Fans vor der Partie gegen Lazio zu lesen. „Hier holten wir den Pokal – Auf geht’s, ihr Schwarz-Weißen, holt ihn noch einmal.“ Vor 38 Jahren gewann die Eintracht den Uefa-Pokal im eigenen Stadion. Damit der Wunsch der Fans in Erfüllung geht, ist es aber noch ein sehr weiter Weg. Ein hoffnungsvoller Anfang ist gemacht. Nicht nur für Frankfurt, sondern auch für den deutschen Fußball in dieser Europapokal-Kampagne.

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