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2:1 in Hannover : Hradecky ist Frankfurts Held in Minute 96

Torwart Hradecky ist der entscheidende Mann für Frankfurt in Hannover. Bild: EPA

Was für ein Drama in der Nachspielzeit in Hannover! Frankfurt führt 2:1 nach einem Doppelschlag in der zweiten Halbzeit. Doch in der 96. Minute darf 96 doch noch zum Elfmeter antreten.

          3 Min.

          Die Eintracht hat sich einen weiteren Achtungserfolg verdient. Für die Frankfurter, die in dieser Saison schon so oft positiv von sich reden machten, nahm auch das Pokal-Achtelfinale in Hannover ein gutes Ende. Sie setzten sich am Mittwoch 2:1 gegen die Zweitliga-Mannschaft von Hannover 96 durch und erreichten die Runde der letzten acht Klubs. Ausgespielt wird das Viertelfinale am 28. Februar und 1. März. Zuletzt kamen die Hessen vor drei Jahren in dem Wettbewerb so weit, den sie bis heute viermal gewannen.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Mann des Tages war Keeper Lukas Hradecky, der in der letzten Sekunde den Sieg bei einem parierten Elfmeter festhielt. „Ich wollte nicht mehr so lange spielen“, flachste Hradecky und erklärte sein Erfolgsrezept: „Ich habe mir vor dem Spiel Videos angeschaut, wo Sané hinschießt.“ Die Erleichterung war auch Frankfurts Sport-Vorstand Fredi Bobic anzumerken: „Wir sind natürlich happy mit dem gehaltenen Elfmeter“, sagte er. „Aber das Ganze hätte nicht sein müssen. In der Schlussphase war unnötige Hektik im Spiel.“

          Das Weiterkommen musste sich das Team von Trainer Niko Kovac hart erarbeiten. Sie trafen an diesem Abend auf einen Gegner, der sich viel vorgenommen hatte: Um ihre Ambitionen zu unterstreichen, hatten sich die Hannoveraner dazu entschieden, in einem Outfit aufzulaufen, das dem Trikot nachempfunden war, in dem der Verein vor einem Vierteljahrhundert Pokalsieger geworden war.

          Von der ersten Minute an, machte der Außenseiter, unterstützt von der Mehrzahl der 31000 Besucher, deutlich, dass er nicht gewillt war, gegen den höherklassigen Konkurrenten klein bei zu geben. Nicht einmal 120 Sekunden waren absolviert, da bekamen die Hessen eine Vorstellung davon, dass sie nicht im Schongang über die Runden kommen würden. Martin Harnik prüfte aus spitzem Winkel Hradecky. Auf der gegenüberliegenden Seite verpassten Ante Rebic, dessen Schuss die Latte touchierte (6. Minute), und Bastian Oczipka, der das Außennetz traf (7.) und kurz darauf knapp am Pfosten vorbei zielte, einen Start nach Maß für die auf drei Positionen umformierte Frankfurter Elf.

          Eintracht-Torwart Hradecky hält in der Nachspielzeit einen Elfmeter. Bilderstrecke
          Eintracht-Torwart Hradecky hält in der Nachspielzeit einen Elfmeter. :

          Kovac gönnte Innenverteidiger Jesus Vallejo eine Erholungspause, dazu setzte er Branimir Hrgota und Mijat Gacinovic, die gegen Darmstadt noch in der Startaufstellung standen, auf die Ersatzbank; anstelle des Trios kamen in der Offensive Haris Seferovic und Max Besuschkow sowie in der Innenverteidigung Michael Hector zum Einsatz. Für den 19 Jahre alten Besuschkow, der im Winter aus der U23 des VfB Stuttgart abgeworben wurde, war er sein Debüt von Beginn an. Mit mehr Ruhe und Übersicht im Abschluss hätte er in der 33. Minute, als er kurz hinter dem Elfmeterpunkt frei zum Zug kam, auf Anhieb für einen Knalleffekt sorgen können. Insbesondere der laufstarke Sarenren Bazee verwickelte Besuschkow in Laufduelle, bei der er sich der Neuling clever aus der Affäre zog.

          Im Mittelfeld der 96er gehörte mit Marvin Bakalorz ein in Frankfurt aus Zweitligazeiten bekanntes Gesicht zu den Antreibern; auch Edgar Prib, sorgte für Beschäftigung der Leute vor Hradecky, er schloss einen Alleingang aber zu hektisch ab (36.). Die Auswahl von Kovac, der im vergangenen Frühjahr die Frankfurter Rettungsmission mit einem Sieg gegen die 96er eingeleitet hatte, konnte sich nach einer halben Stunde bei ihrem aufmerksamen Torhüter bedanken, dass sie nicht in Rückstand geriet: Hradecky machte sich ganz breit und lenkte so die von Kenan Karaman getretene Kugel noch ab.

          Nach dem Seitenwechsel verschoben sich die Spielanteile zugunsten der Eintracht. Kovac hatte reagiert und für den am Oberschenkel verletzten David Abraham mit Taleb Tawatha einen frischen Mann für die Abwehr gebracht. Der Israeli stand unmittelbar nach seiner Hereinnahme dreifach im Fokus, als er erst im Laufschritt das Mittelfeld überwand, seine Bewacher abschüttelte und den günstiger postierten Seferovic bediente – doch der Schweizer Angreifer rutschte an der flachen Hereingabe vorbei (50.).

          Dass zwischen gut gemeint und gut gemacht ein kleiner, feiner Unterschied besteht, erlebte Tawatha anschließend gleich noch einmal, als er klären wollte, das Spielgerät dabei aber unbeabsichtigt an Harnik weiterleitete, der aus elf Metern zum 1:0 abzog (57.). Seinen Lapsus machte er nur fünf Minuten später selbst wett: Nach einem Konter über Timothy Chandler drückte Tawatha den Ball mit dem Kopf unhaltbar zum Ausgleich ins Netz.

          Und es kam aus Sicht der Eintracht noch besser: Eine verunglückte Rückgabe Pribs landete im Lauf von Seferovic, der auf und davon sprintete und diesmal eiskalt vollendete (66.). Spannend blieb es jedoch bis zum Schluss und ein Foul von Omar Mascarell hätte für die Eintracht beinahe alles zunichte gemacht. Er trat in der Nachspielzeit Artur Sobiech im Strafraum um (93.). Den fälligen Strafstoß, geschossen von Salif Sané, fischte aber Hradecky aus dem Eck. „Er hat überragend gehalten und uns den Sieg gerettet“, sagte Besuschkow. Hannovers Waldemar Anton trauerte der vergebenen Ausgleichschance in der sechsten Minute der Nachspielzeit nach: „Das kann passieren, daraus lernt man.“

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