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Eintracht besiegt Piräus : Ein Hauch der alten Europapokal-Nächte

  • -Aktualisiert am

Die Eintracht siegt im Europapokal: Das 3:1 gegen Piräus erinnerte ein wenig an alte Zeiten. Bild: dpa

Auf das schlechteste Spiel dieser Saison folgt das beste der Eintracht. Frankfurt besiegt Piräus in der Europa League. Vorher gibt Trainer Oliver Glasner eine ziemlich simple Anweisung ans Team.

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          Nach der schlimmen Vorstellung im Bundesliga-Heimspiel gegen Hertha am vergangenen Samstag sinnierte Oliver Glasner, ob er sich am Abend aus Frust „einen hinter die Binde kippen“ solle. Nur fünf Tage später hätte der Trainer von Eintracht Frankfurt einen besseren Grund gehabt, sich ein Gläschen im Feierabend zu gönnen. Seine Mannschaft ließ auf ihr schlechtestes Spiel in dieser Fußballsaison das bisher beste folgen. Im Gruppenspiel der Europa League besiegte die Eintracht den griechischen Rekordmeister Olympiakos Piräus am Donnerstagabend mit 3:1 Toren.

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          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Und dennoch wollte sich Glasner keine Belohnung in Form eines Getränks zu später Stunde gönnen, sondern nur noch ins Bett, um nach dem aufreibenden Abend ein paar Stunden Schlaf zu finden. Zumal er eine unruhige Nacht vor dem Spiel verlebte, wie er später kundtat. Der Sturm, der über Deutschland zog, wirbelte auch auf Glasners Terrasse einiges durcheinander, sodass der Österreicher nachts raus musste, um alles zu sichern. Der Wind, der tagsüber noch in Frankfurt mächtig gewirbelt hatte, legte sich am Abend. Dafür zeigte die Eintracht eine furiose Partie. Zu erwarten war das nicht unbedingt.

          Rafael Borré brachte die Frankfurter mit einem Elfmeter, den er selbst herausgeholt hatte, sicher in Führung (26. Minute). Weil aber Kristijan Jakić den Ball im eigenen Strafraum mit der Hand spielte, kam Piräus wenig später ebenfalls per Strafstoß zum Ausgleich durch Youssef El-Arabi (30.). Almamy Touré (45.+3) schob in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit zum 2:1 ein, ehe Daichi Kamada einen Torwartfehler nutzte und in der zweiten Hälfte zum Endstand traf (59.). Vor 35.000 Zuschauern war noch nicht das ganz alte Gefühl großer Europapokal-Nächte zurück, ein Hauch davon aber war zu spüren.

          „Der Sieg war hochverdient“

          Das fand auch Kapitän Sebastian Rode, der nach seit dem Aus im DFB-Pokal in Mannheim im August verletzt gefehlt hatte und in der Schlussphase auf den Rasen zurückkehrte. „Europapokal ist immer etwas Besonderes. Da weiß auch jeder neue Spieler, was die Stunde geschlagen hat“, sagte er. Dabei waren nur zwei Neuzugänge in der Startelf: Jakić und Borré. Die Einkäufe Jens Petter Hauge, Jesper Lindstrøm und Sam Lammers, die gegen Hertha die Offensive bildeten und arg enttäuschten, saßen auf der Bank. Nur Hauge wurde später eingewechselt. Es war ein klares Signal von Glasner.

          Und die Spieler, die von Beginn an auf dem Rasen standen, gaben ein deutliches Zeichen an ihren Trainer: Auf uns kannst du setzen! Es war sozusagen die alte Garde der Eintracht, die für eine viel bessere Leistung und den Sieg sorgte. „Ich bin heute sehr zufrieden“, sagte Glasner. „Vor allem die erste Halbzeit war großartig. Der Sieg war hochverdient.“ Anders als zuletzt habe man „mehr Ruhe im Spiel“ gehabt und sei sehr diszipliniert gewesen. „Die Spieler haben all das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben.“ Das sorgte für das wohlige Europapokal-Gefühl. „Ich habe es genossen“, sagte er.

          Explizit lobte Glasner seine offensiven Spieler, denen er, anders als gegen Hertha, nun das Vertrauen schenkte. Borré habe „ein großartiges Spiel gemacht“, Gonçalo Paciência ihm sehr gut gefallen, und Daichi Kamada sei „ein toller Spieler“. Aber waren es nur die personellen Anpassungen, die für eine derartigen Umschwung sorgten? Glasner tat sich damit schwer, gab aber Einblick in die Aufbereitung der Niederlage gegen Berlin. Am Tag danach fielen deutliche Worte, danach sorgte ein freier Tag für einen freien Kopf. Und anschließend gab es letztlich eine simple Anweisung: „Spielt einfach Fußball!“

          Dieses Erfolgsrezept hatte einst die Deutschen unter Franz Beckenbauer bis zum Titel bei der Weltmeisterschaft geführt. Nun steht Glasner vor der Aufgabe zu überlegen, wie es weitergeht. Setzt er weiter auf die Erfolgself oder bekommen die, die gegen Piräus außen vor waren, eine neue Chance? Die Tendenz scheint eher dahin zu gehen, dass der Trainer wenig ändert. Denn er sah auch, dass es gut sei, „dass die jungen Spieler jetzt aus der Schusslinie sind“. Am Sonntag (19.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei DAZN) geht es bei Aufsteiger VfL Bochum weiter. Viel Zeit zur Regeneration bleibt also nicht.

          In Europa hui, in der Bundesliga pfui: Eintracht-Trainer Oliver Glasner
          In Europa hui, in der Bundesliga pfui: Eintracht-Trainer Oliver Glasner : Bild: dpa

          Und in der Bundesliga hat die Eintracht Nachholbedarf. Auf der Habenseite stehen neben dem sensationellen Sieg in München fünf Unentschieden. Das macht acht Punkte und Platz 14. Viel besser sieht es in der Europa League aus. Weil Fenerbahçe Istanbul (2 Punkte) und Royal Antwerp (1 Punkt) remis spielten, ist der Vorsprung von Tabellenführer Frankfurt (7) und Piräus (6) ansehnlich. Doch nicht allein die ersten beiden Plätze sind erstrebenswert zum Weiterkommen. Rang eins ist seit dieser Saison besonders wertvoll. Wer die Gruppe gewinnt, kommt direkt ins Achtelfinale und spart sich die Zwischenrunde.

          Doch der Weg ist gerade zur Hälfte beschritten. In zwei Wochen geht es zum zweiten Duell nach Piräus. Anschließend kommt Antwerp nach Frankfurt, ehe es nach Istanbul geht. „Warum sollten wir nicht vom Gruppensieg sprechen“, fragte Kevin Trapp bei RTL rhetorisch. Doch auch der Torwart weiß: „Wir merken, dass wir step by step gehen müssen. Dass wir uns jedes Mal wieder konzentrieren müssen und die Leistung abrufen, weil wir merken, wenn wir weniger als 100 Prozent spielen, dann geht es nicht.“ Der Europapokal hilft der Eintracht offenbar, diesem Maximum näher zu kommen.

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