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Ärger bei Eintracht : Der Fall Rebic verdirbt Frankfurt die Laune

  • -Aktualisiert am

Ante Rebic spielte 45 Minuten lustlos – und musste dann runter. Bild: Picture-Alliance

Nach dem 0:1 in Straßburg muss die Eintracht um den Einzug in die Gruppenphase der Europa League bangen. Doch das Ergebnis ist bei weitem nicht das einzige Problem, das die Frankfurter belastet.

          Als vor wenigen Wochen die Kaderplanung aus heiterem Himmel über den Haufen geworfen wurde, reagierte Adi Hütter auf die veränderte Tatsache mit einer Feststellung, bei der in erster Linie der Wunsch Vater seines Gedankens war. „Ruhe und Geduld“, so formulierte es der Trainer der Eintracht, seien entscheidende Voraussetzungen, um die richtigen Schlüsse ziehen und trotz allem gestärkt in die Saison gehen zu können. Die Gelassenheit des 49-Jährigen wird in diesem Sommer, in dem für die Frankfurter die Geschäfte auf dem Transfermarkt alles andere als glücklich laufen, auf eine harte Probe gestellt. Dass es für Hütter und sein Team im Play-off-Hinspiel bei Racing Straßburg eine 0:1-Niederlage gab, die schlimmstenfalls das Verpassen der Gruppenphase in der Europa League zur Folge haben kann, sorgte im Lager der Hessen für zusätzlichen Druck, der sich als nicht förderlich für die Stimmung erwies.

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          Hütter sprach davon, dass ihm dieses Resultat „weh getan“ habe. Er kritisierte mitunter „stümperhaftes“ Verhalten, das die Aufgabe bei der zweiten Auflage des Duells am kommenden Donnerstag vor eigenem Publikum „schwieriger“ mache. Lucien Zohi gelang das einzige Tor des Abends (33. Minute), mit dem die Frankfurter vor der Pause gut bedient waren. Erst nach dem Seitenwechsel gelang es ihnen besser, durch personelle Umstellungen und längere Ballbesitzphasen, dagegenzuhalten, wobei Daichi Kamada (46. und 50.) sowie Filip Kostic (61.) Chancen besaßen, der Partie eine Wendung zu geben; sie blieben ungenutzt.

          Im Elsass zeigte sich wieder einmal, dass die Eintracht auf den unerwarteten Abgang von Sébastien Haller zu West Ham United in die Premier League nicht adäquat vorbereitet war. Der Wechsel spülte im Juli zwar weitere vierzig Millionen Euro in die Kassen – zusätzlich zu den sechzig, die Real Madrid zuvor für Luka Jovic gezahlt hatte – doch der Verlust an Offensivpower wiegt seitdem schwer.

          Das Duo schoss in der vorigen Runde zusammen 47 Pflichtspieltreffer, und die Suche nach Ersatz, der im Stande ist, in ihre großen Fußstapfen zu treten, gestaltet sich schwierig. Die Verhandlungen mit Bas Dost, dem jüngsten Spitzenkandidaten, ziehen sich seit einigen Tagen, weil der Niederländer von seinem bisherigen Arbeitgeber Sporting Lissabon noch finanzielle Zusagen erfüllt haben möchte, ehe er Portugal verlässt. Sportvorstand Fredi Bobic bezeichnete das Hickhack um den Mittelstürmer als „nervige Geschichte“, deren Ausgang offen sei: „Ich bin sehr geduldig, aber irgendwann ist dann Schluss.“

          Zur aktuellen Sturmwarnung über Frankfurt trägt zudem Ante Rebic bei, der von Hütter in Straßburg nach dem Abpfiff öffentlich angezählt wurde. Dass der Kroate, als letzter verbliebener Protagonist der einstigen Büffelherde, sich ebenfalls mit Abschiedsgedanken trägt, ist dem Verein seit langem bekannt. Durch seine lustlose Vorstellung gegen Racing nährte er den Verdacht, gedanklich nicht mehr zu hundert Prozent bei der Sache zu sein. Er stand lediglich 45 Minuten auf dem Platz, und das Geschehen lief dabei nahezu vollständig an ihm vorbei, seine Körpersprache signalisierte Unlust. „Ante hat in der Pause um eine Auswechslung gebeten. Ich hätte ihn aber so oder so erlöst“, sagte Hütter. „Die Leistung war nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Wenn es um die Play-offs geht, dann möchte ich sehen, dass man sich zerreißt. Das habe ich bei ihm nicht gesehen.“

          Auf ebenfalls vierzig Millionen Euro taxierten die Verantwortlichen unlängst die Schmerzgrenze, bei der sie Rebic ziehen lassen würden, sollte eine offizielle Anfrage eintreffen. Gegenwärtig ist kein Klub zu sehen, der diese Summe auch nur annähernd zu zahlen bereit wäre. Lose Anfragen gab es von AC und Inter Mailand sowie dem FC Sevilla. Die ursprüngliche Absicht von Rebics Berater, seinen Klienten mit Ziehvater Niko Kovac in München wieder zusammenzubringen, erübrigte sich endgültig, als der FC Bayern vergangene Woche Landsmann Ivan Perisic verpflichtete. Hütter ließ Rebics Zukunft bei der Frankfurter Eintracht, wo er noch einen Vertrag bis Mitte 2022 besitzt, offen: „Wenn er hierbleiben möchte, dann soll er das zeigen – und wenn nicht, dann müssen wir eine Lösung finden.“

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