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Eintracht Braunschweig : Im Zweifel gegen den Trend

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„Das Fachwissen zählt“

Die Ruhe und Beschaulichkeit, die bei Eintracht Braunschweig im Schatten der benachbarten Erstligavereine aus Hannover und Wolfsburg eingekehrt ist, tut allen Beteiligten gut. Angesichts eines überschaubaren Etats von 15 Millionen Euro braucht sich Lieberknecht keine Gedanken über Verstärkungen zu machen, die kurzfristig Erfolg und langfristig Ärger bedeuten könnten. Sie passen ohnehin nicht in sein Beuteschema. Dem Trainer wird ein besonderes Gespür für die richtigen Menschen am richtigen Platz und deren Stimmungen nachgesagt.

Seine Mischung aus Kumpeltyp und akribischem Arbeiter kommt bei den Spielern so gut an, weil sie allen Beteiligten eine Weiterentwicklung ermöglicht. „Das Fachwissen zählt. Ich habe als Spieler auch Trainer erlebt, die mir einfach kompletten Mist erzählt haben. Das merkt man ganz schnell. Vor allem die heutige Generation der Spieler, die in Nachwuchsleistungszentren aufgewachsen ist. Die sind wissbegierig und wissen ganz genau, ob der Trainer vor ihnen Fachkompetenz hat oder nicht“, sagt Lieberknecht.

Eng zusammengerückt: Nicht nur die Mannschaft wirkt in Braunschweig so stabil wie seit langem nicht

Seine Arbeit soll das Bodenständige mit dem Modernen verbinden. Deshalb hält es der gebürtige Pfälzer für elementar, über den Tellerrand hinauszublicken und sich seine Fortbildung der besonderen Art zu verordnen. Beim WM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft in Hannover gegen die Färöer Anfang September hat Lieberknecht als ganz normaler Zuschauer einfach mal ganz genau aufgepasst. Auf das Spielsystem. Und auf die Menschen. Lieberknecht erinnert sich vor allem an den Moment, als die Spieler nach der Ankunft im Stadion den Mannschaftsbus verlassen haben und Thomas Müller vom FC Bayern München der Einzige gewesen sei, der freundlich „Guten Tag“ gesagt habe. Die Welt der großen Kopfhörer und der schicken Rollkoffer, ohne die der moderne Profi heute kaum noch auskommt, ist nicht die des Torsten Lieberknecht. „Du kannst als Trainer nicht jeden Trend aufhalten. Aber es gibt Trends, die ich mit Sicherheit versuche aufzuhalten“, sagt Lieberknecht und meint vor allem die schicken Trolley-Koffer, mit denen junge Berufsfußballer heute auf Dienstreise gehen.

Offensivdrang: Domi Kumbela (im Foto rechts) und sein Team haben bereits sechzehn Tore erzielt

In Braunschweig haben die Rollkoffer keine Chance. Weil die Wege rund um das Stadion voll mit Schotter sind. Und weil der Trainer keine Pomadigkeit mag. Die Mehrheit der Fans steht hinter seinem ehrlichen und geradlinigen Kurs. Pro Heimspiel wollen regelmäßig mehr als 20.000 Zuschauer sehen, wie der Taktik-Fuchs Lieberknecht aus minimalen Möglichkeiten das Maximale herausholt. Der Dauerkartenverkauf musste bei 12.300 abgesetzten Tickets gestoppt werden, was für einen Zweitligaverein eine beachtliche Marke ist. „Wenn du fünf Jahre hier bist, verwächst du mit der Mannschaft, dem Verein und der Stadt“, sagt Arnold, der wie Lieberknecht 2008 als Novize in Braunschweig seine Stelle angetreten hat.

Mittlerweile ist der Verein schuldenfrei und frei von Skandälchen. Die souveräne Mannschaft gewinnt so viele Spiele, dass sich die Konkurrenz wundert. Es gab bereits Versuche, den Trainer abzuwerben. Vom 1. FC Kaiserslautern zum Beispiel, wo seine Karriere als Spieler 1992 begonnen hat. Aber Lieberknecht möchte seinen Weg in Braunschweig fortsetzen und hat seinen Vertrag bis 2015 verlängert. Er findet es nicht verwerflich, ganz bodenständig am Traum festzuhalten, Eintracht Braunschweig eines Tages zurück in die Erste Fußball-Bundesliga zu führen.

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