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Eintracht Braunschweig : Der Chaos-Klub hat wieder Zukunft

Torsten Lieberknecht: Mit einfachen Mitteln eine Siegermannschaft aufgebaut Bild: picture alliance / dpa

Eintracht Braunschweig stand am Abgrund. Nun präsentiert sich der Altmeister in neuem Gewand und sorgt in der dritten Liga für Furore. An Selbstbewusstsein mangelt es nicht. Sogar von der Bundesliga ist schon die Rede.

          Die schönste und erfolgreichste Phase der Braunschweiger Fußballgeschichte war für diesen Klub lange wie ein Fluch. Aufgrund der miserablen sportlichen Realität erschien es irgendwann gar angebracht, die wichtigste Trophäe des Vereins verschwinden zu lassen, als wäre die Vergangenheit eine zu große Hypothek. Noch heute liegt das Replikat der Meisterschale von 1967 im Tresor der Geschäftsstelle, was aber mittlerweile damit zu tun hat, dass es an einem repräsentativen Platz für die Trophäe fehlt. Denn eigentlich hat Eintracht Braunschweig und die vielen Anhänger des Traditionsvereins ein Gefühl des Aufbruchs erfasst, das an die guten alten Zeiten erinnert.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Blau-Gelb zieht wieder in dieser Stadt. „Wir haben das Vertrauen der Menschen zurückgewonnen“, sagt Soeren Oliver Voigt. Er ist Geschäftsführer der Kapitalgesellschaft von Eintracht Braunschweig und hat die schlimmsten Stunden miterlebt, als der Verein vor dem Ruin stand. In seinem kleinen Büro im Parterre der Haupttribüne liegen die Pläne für die Zukunft.

          Bald soll das ehrwürdige, aber renovierungsbedürftige Stadion an der Hamburger Straße fit gemacht werden für die Ansprüche des modernen Fußball-Geschäfts. Voigt erzählt vom Bürgerentscheid im Februar, als sich die Mehrheit dafür aussprach, dass für die Baumaßnahmen städtische Mittel in Höhe von 14,5 Millionen Euro aufgebracht werden. Es ist nicht lange her, da hätte ein solches Steuergeld-Sponsoring die Menschen in der Stadt auf die Barrikaden gebracht, weil kaum jemand noch einen Cent auf den Chaos-Klub setzen mochte.

          Der Bürger will es so: Das Stadion der Eintracht wird renoviert

          „Die Stadt lebt zu hundert Prozent Fußball“

          Nun ist die Lust am Fußball-Meister von 1967 wiedererwacht. Fast 16.000 Zuschauer kommen im Schnitt zu den Heimspielen des Drittliga-Spitzenreiters, mehrere tausend begleiten den Verein bei den Auswärtstouren. Es ist einer dieser Fußball-Standorte im Lande, der die Massen bewegt - wie Dortmund oder Schalke, Essen oder Dresden. „Die Stadt lebt zu hundert Prozent Fußball“, sagt Voigt.

          Getrieben werden die Braunschweiger Hoffnungen von einer jungen Mannschaft, die auf ihrem Niveau noch dominanter auftritt als Borussia Dortmund in der Bundesliga. 17 Mal in Folge hat die Elf in der dritten Liga nicht verloren. Eintracht Braunschweig hat in bisher 27 Partien die meisten Tore erzielt (63) und die mit Abstand wenigsten Gegentore (11) erhalten. An diesem Samstag (14.00 Uhr / FAZ.NET-3.-Liga-Liveticker) geht es zum Spiel nach Erfurt.

          In einer Saison fünf Trainer verschlissen

          Das Comeback des 1985 aus der ersten Liga abgestiegenen Traditionsklubs hat viel mit der Besinnung auf die einfachen Lösungen zu tun. Die wirtschaftliche Not, in die der Verein durch Jahre der Verschwendungssucht geraten war, zwang die neuen Verantwortlichen zum „absoluten Konsolidierungskurs“, den Voigt mit aller Konsequenz vorantreibt. Der Verein ist quasi schuldenfrei. Rückendeckung erhält Voigt vom Vereinspräsidenten Sebastian Ebel, einem aus Braunschweig stammenden Finanzmanager, zukünftig Geschäftsführer bei Vodafone Deutschland.

          Man stand vor der Entscheidung, entweder als Marke zugrunde zu gehen oder einen Rettungsversuch auf niedriger Stufe zu starten. Die Eintracht genoss in der 245.000-Einwohner-Stadt einen schlechten Ruf. Längst war man von den Nachbarn Hannover 96 und VfL Wolfsburg abgehängt worden, wo der moderne Fußballbetrieb des neuen Jahrtausends Einzug hielt. Eine Umkehr war dringend geboten: In der Saison 2006/2007 verschliss die damals hochverschuldete Eintracht fünf Trainer, einmalig im deutschen Profifußball. 2008 rutschte der arrivierte Trainer Benno Möhlmann mit der Elf fast in die vierte Liga ab.

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