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2:4 in Lissabon : Zehn Frankfurter wahren ihre Chance

Ein Treffer, der Hoffnungen weckt: Der eingewechselte Goncalo Paciencia hat das 2:4 erzielt. Bild: Reuters

Ein früher Platzverweis kostet die Eintracht im Viertelfinal-Hinspiel der Europa-League bei Benfica viel Kraft. Dennoch erkämpfen sich zehn Frankfurter ein achtbares Ergebnis – mit Möglichkeiten fürs Rückspiel.

          Gelson Fernandes wusste ein bisschen besser als die meisten seiner Mitspieler, was sie erwarten würde. Der Routinier hat im Laufe seiner Globetrotter-Karriere auch in Portugals Hauptstadt schon Station gemacht und dabei für eine Saison das Sporting-Trikot getragen. Vom Derby im Estadio da Luz ist ihm besonders die außergewöhnliche Atmosphäre auf den Rängen in Erinnerung geblieben. Es war deswegen für ihn und die Eintracht im Europa-League-Duell mit Benfica Lissabon von entscheidender Bedeutung, „dass wir die Stimmung aus dem Stadion herausnehmen“, so lautete die Ansage des 32-Jährigen vor der Viertelbegegnung.

          Diesen Plan konnten Fernandes und Kollegen allerdings nicht wie gewünscht umsetzen, sie stießen vielmehr an die Grenzen des Machbaren: Die Frankfurter unterlagen 2:4. Es war ihre erste Niederlage nach zuvor 15 Partien, in denen sie in diesem Jahr unbesiegt geblieben waren. Die Erfolgsaussichten, den Höhenflug in diesem Frühling durch den Einzug ins Halbfinale des Europapokals zu veredeln, blieben dank der beiden Auswärtstore durch Luka Jovic und den starken Einwechselspieler Goncalo Paciencia aber gewahrt.  "Das Ergebnis spiegelt nicht ganz das Spiel wider. Wir haben trotzdem ein gutes Spiel gemacht", sagte Torhüter Kevin Trapp, der die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat. "Benfica muss auch erst einmal nach Frankfurt kommen, da haben wir schon viel gezeigt", sagte der 28-Jährige bei DAZN.  Vorstandschef Freddi Bobic zeigte sich ebenfalls optimistisch: „Wir sind immer wieder zurückgekommen, die Mannschaft hat sich immer wieder aufgerafft. Ich bin sehr zuversichtlich fürs Rückspiel.“

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          Adi Hütter wählte im Gegensatz zu den vergangenen Auftritten in der Liga für den Abend in Lissabon eine ungewohnt defensive Aufstellung: Der Eintracht-Trainer verzichtete auf einen dritten Angreifer und wollte dadurch die Abwehrkraft stärken. Bei Sebastien Haller, der seit der Ankunft am Mittwoch auch vor Ort von den Ärzten und Physiotherapeuten intensiv behandelt worden war, um seine Bauchmuskelbeschwerden noch in den Griff zu bekommen, hatte der Wettlauf gegen die Zeit nicht den erwünschten Fortschritt gebracht; der französische Stürmer stand gar nicht im Aufgebot und saß in Freizeitkleidung auf der Tribüne. Es begannen Ante Rebic und Luka Jovic in vorderster Reihe. Auch bei Benfica ging es überraschend los: Torjäger und Frankfurt-Kenner Haris Seferovic sah zunächst von der Bank aus zu.

          Um Benfica das Vordringen zu erschweren, verdichtete Hütter die Reihen im Mittelfeld. Sebastian Rode, den zuletzt Wadenprobleme behindert hatten, meldete sich rechtzeitig wieder fit. Zusammen mit Makoto Hasebe und Gelson Fernandes bildete er anfangs in der Zentrale ein Trio, das vor der eigentlichen Dreierkette als Balleroberer vorgesehen war. Der Japaner gab dafür seinen Libero-Posten preis. „Makoto ist spielerisch stark, er kann das Spiel gut lesen“, begründete Hütter unmittelbar vor Anstoß den Rollentausch, deshalb habe er den Japaner als Sechser aufgeboten. Nach zwanzig Minuten hatte sich die Idee – notgedrungen – erübrigt. Nach einem Schubser in höchster Not von Evan Ndicka an Gedson entschied der Unparteiische Taylor auf Strafstoß. Er verwies zudem den Frankfurter Linksverteidiger wegen der Notbremse mit der Roten Karte des Feldes. Joao Felix verwandelte den Elfmeter zur Führung.

          Nur kurze Frankfurter Freude

          In Unterzahl wurde Hasebe wieder als Mittelmann nach ganz hinten beordert. Über Arbeit konnten die dezimierten Hessen, die anfangs durch Luka Jovic zwei Möglichkeiten nicht nutzen konnten (5. und 6.), fortan nicht klagen. Auch Martin Hinteregger musste wiederholt eingreifen. Der Österreicher war dank einer Schutzschiene trotz des Handbruchs, der er sich „auf“ Schalke zugezogen hatte, mit dabei. Es dauerte, bis sich die Frankfurter soweit gesammelt hatten, dass sie einen mit schnellen Flankenwechseln attackierenden Gegner hin und wieder zurückdrängen konnten. Rode initiierte mit einem gewonnenen Zweikampf gegen Fejsa einen Konter, der Hoffnung auslöste: Rebic leitete die Kugel an Jovic weiter, der in gewohnter Manier aus wenigen Metern nicht lange zögerte und mit seinem achten Europa-League-Treffer den Ausgleich erzielte (41.).

          Evan Ndicka sieht in Lissabon Rot, was die Eintracht gegen Benfica auf die schiefe Bahn brachte. Bilderstrecke

          Die Freude über den Glücksmoment währte jedoch nur kurz: Felix stellte mit einem Fernschuss, bei dem Trapp freie Sicht besaß, aber zögerlich reagierte, den alten Vorsprung wieder her (43.). In einer kurzweiligen ersten Hälfte traf danach noch Filip Kostic zum vermeintlichen 2:2, doch das Schiedsrichtergespann verweigerte zurecht die Anerkennung, weil Hinteregger im Abseits gestanden hatte (45.+2).

          Nach dem Seitenwechsel legte Benfica im Schnelldurchgang nach und profitierte von einer weiteren Unachtsamkeit Trapps. Der Torhüter zögerte nach einer Ecke mit dem Herauslaufen und war chancenlos, als Dias aus kurzer Distanz zur Stelle war (50.). Es kam aus Frankfurter Perspektive noch ärgerlicher: Felix, der im Strafraum unbewacht abziehen konnte, düpierte Trapp mit seinem dritten Streich (54).

          Für Jovic und Rebic war anschließend die Vorstellung vorzeitig beendet, Hütter brachte für sie Jonathan de Guzman sowie Goncalo Paciencia – und die personelle Veränderung zahlte sich aus: Der Holländer schlug einen Eckstoß auf den Portugiesen, der mit dem seinem Kopfball zum 4:2 dafür sorgte (72.), dass die Eintracht vor dem Rückspiel in einer Woche nicht schwarz sehen muss. Endgültig abgerechnet wird am kommenden Donnerstag, wenn es zum Rückspiel in Frankfurt kommt.

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