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„Parc des Princes“ versteigert : Wie Fußball dem Künstler die Augen öffnet

„Parc des Princes“ von Nicolas de Stael: Für zwanzig Millionen Euro an einen privaten Sammler versteigert. Bild: AFP

Der Schätzwert des „Prinzenparks“ von Nicolas de Staël beträgt kaum zehn Prozent der Transfersumme für Neymar. Doch dann erzielt das Bild bei einer Auktion den Höchstpreis.

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          Am 26. März 1952 besucht Nicolas de Staël mit seiner Frau Françoise im Pariser Parc des Princes das Länderspiel zwischen Frankreich und Schweden. „Bei anachronistischer Kälte“, wie „L’Equipe“ schreibt, denn es müsste längst Frühling sein, verlieren die Franzosen das Spiel. Enttäuscht verlassen 36.000 Zuschauer den Prinzenpark. Und verzückt geht Nicolas de Staël nach Hause.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Der Maler, der 1914 in Sankt-Petersburg geboren wurde, hat, so das Künstler-Lexikon „Larousse de la peinture“, im Stadion einen „visuellen und emotionalen Schock“ erlitten. „Zwischen Himmel und Erde“, schreibt de Staël dem Dichter René Char, „auf einem Gras, das entweder rot oder blau ist, wirbelt eine Tonne Muskeln in völliger Selbstaufgabe und einer großartigen Präsenz. Was für ein Vergnügen, René! Ich habe sofort begonnen, an beiden Teams zu arbeiten, und schon ist Bewegung in die Sache gekommen.“

          Françoise de Staël hat dem Biographen Laurent Greilsamer den Abend im Prinzenpark geschildert. Es war das erste Mal, dass der Künstler einem Nachtspiel beiwohnte. „Le Parc“ war mit einer neuen Lichtanlage ausgestattet worden. „De Staël hat nicht als Fan reagiert, der die Taktik bewundert. Er sah sich das Spiel als Maler an: den Raum, die Farben, die Tiefe, die Bewegung“, liest man bei Greilsamer. Anlässlich einer Ausstellung beschrieb Michael Althen die Offenbarung im Flutlicht: „So hat der Fußball dem Künstler die Augen geöffnet.“

          Große Dichter haben hervorragende Fußball-Bücher geschrieben. Von der Kunst wird das Motiv weniger verwendet. Die „Joueurs de football“ von Douanier Rousseau spielen den Ball mit den Händen. Im Centre Pompidou wird Robert Delaunays „Football“ gezeigt. Zidanes Kopfstoß gegen Materazzi beim WM-Endspiel wurde mit einer Skulptur verewigt. Das bedeutendste Werk ist de Staëls Gemälde „Parc des Princes (Les Grands Footballeurs)“.

          In seinem Atelier bringt der Maler nach dem Schock Skizzen zu Papier, aus denen 25 kleine, auf Karton gemalte Bilder hervorgehen werden – das Hauptwerk auf Leinwand misst zwei auf drei Meter. „Ein Manifest“, schwärmt ein Kunsthistoriker: „Allein schon wegen seiner Größe, wie Michelangelos ‚David‘.“ Nicolas de Staël gehört zur „Ecole de Paris“ der abstrakten Künstler. Mit den Fußball-Bildern kehrt er zur Gegenständlichkeit zurück – und wird von der „Bande der Abstrakten“, wie er sie nennt, als Verräter betrachtet.

          Den Zuschlag bekommt ein „privater Sammler“

          Bei seiner ersten öffentlichen Präsentation stößt der „Prinzenpark“ auf Ablehnung. Doch schon 1953 wird das Gemälde in New York gezeigt. Die Amerikaner, die den Künstler nicht kennen und von Fußball nichts verstehen, bejubeln ein Meisterwerk, eine Synthese von abstrakter und figurativer Kunst. Nicolas de Staël steht vor einer großen Karriere. Bei René Char lernt er Jeanne Polge kennen. Sie hat ein Verhältnis mit dem Dichter und wird die Geliebte des Künstlers, der sie malt und seine Frau und Kinder verlässt. Es kommt zum Bruch mit Char: „Ich brauche diese Frau, um mich zu zerstören“, schreibt ihm de Staël. Als Jeanne ihn verlässt, springt de Staël am 16. März 1955 aus seinem Atelier in Antibes in den Tod. „Und es war, als sei er in eines jener Bilder eingetreten“, schrieb Michael Althen, wie er sie oft gemalt hatte und in deren „Tiefe der Himmel und das Meer ineinanderflossen“.

          Der „Parc des Princes“ blieb im Besitz der Witwe und Kinder. Nun hatten sich die Erben zum Verkauf bei Christie’s entschlossen. Der höchste Preis für ein Gemälde de Staëls lag bisher bei zehn Millionen Dollar. Der Schätzwert für den „Prinzenpark“ betrug weniger als zehn Prozent der Transfersumme, die Paris Saint-Germain für Neymar bezahlt hatte. Durfte sich PSG wieder einmal um die Fair-Play-Gebote der Fifa foutieren, um das berühmte Bild seines Stadions zu kaufen? Als Prachtstück einer Auktion, auf der Werke von Picasso, Ernst, Klee und Giacometti angeboten wurden, erzielte es den besten Preis. Den Zuschlag für zwanzig Millionen Dollar bekam ein „privater europäischer Sammler“.

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