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Fifa-Kommentar : Ungehorsam in Afrika

  • -Aktualisiert am

Nicht alle folgen mehr den Empfehlungen von Issa Hayatou. Bild: Reuters

Die Peitsche von Blatters Doppelpartner Hayatou zeigt nicht mehr die alte Wirkung. Das macht Hoffnung, dass sich im Fußball doch eine Winzigkeit zum Besseren ändern kann. Auch wenn niemand weiß, für wie lange.

          Was ist denn los mit Fußball-Afrika? Seltsame Dinge geschehen dort. Lange Jahre war es normal, dass der Kontinentalpräsident Issa Hayatou die Peitsche schwang und alle Nationalverbände ihm folgten. Bei den Kongressen des Weltverbandes taten sie, was ihnen der mächtige Kameruner zu Hause aufgetragen hatte. Murrend vielleicht, aber sie taten es.

          Noch im vergangenen Jahr standen zwar nur zwei von vierundfünfzig Verbandsvertretern auf, als Hayatou versuchte, eine stehende Ovation für den damaligen Präsidenten Joseph Blatter zu organisieren. Aber kurz darauf beim Fifa-Kongress wählten sie ihn trotzdem wieder, wenn auch nicht mehr für lange. Kurz darauf kündigte er seinen Rücktritt an, und später wurde er gesperrt.

          Und jetzt? Hayatou sitzt inzwischen auch noch als Interimspräsident auf dem Welt-Thron, aber seine Macht ist offenbar geschrumpft. Am vergangenen Freitag hat die Exekutive des Kontinentalverbandes getagt und danach Scheich Salman, dem Präsidentschaftskandidaten aus Bahrein, die afrikanischen Stimmen versprochen. Doch diesmal ist es anders als sonst. Nicht alle folgen der Empfehlung. Der Südsudan will Salmans größten Gegenspieler, den Schweizer Gianni Infantino, wählen. Liberia hat sich offen für den jordanischen Prinzen Ali ausgesprochen. Ägypten angeblich auch. Und das sind nur diejenigen, die sich öffentlich positioniert haben.

          Früher hätten solche abtrünnigen Länder nichts mehr zu lachen gehabt. Es hätte passieren können, dass die Fördergelder der Fifa plötzlich aus unerfindlichen Gründen irgendwo hängenblieben. Dass ihre Mannschaften auf seltsame Weise verlören und keine ihrer Bewerbungen für ein Turnier mehr Erfolg hätte. Am meisten Angst aber verbreitete der Paragraph 7 der Fifa-Statuten.

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          Darin steht, dass die Fifa zusammen mit dem Kontinentalverband, also bis vor kurzem Blatter zusammen mit Hayatou, eine nationale Verbandsführung einfach absägen und mit einem Stellvertreter-Komitee ersetzen können. Offensichtlich sind solche Ängste aber kleiner geworden. Was nur bedeuten kann: Seit Blatter weg ist, schwindet der Druck. So dass wir uns an dieser Stelle gerne einen kleinen Augenblick der Hoffnung gestatten würden. Dass sich doch manchmal eine Winzigkeit zum Besseren verändern kann. Selbst im Welt-Fußball-Verrätersystem. Auch wenn niemand weiß, für wie lange.

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