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Eichlers Eurogoals : Der doppelte Punktverlust des Jürgen K.

Zieht es Jürgen Klopp tatsächlich in die Premier League? Bild: dpa

Wird aus Jürgen Klopp bald Jurgen Klopp? Der scheidende BVB-Coach und der britische Fußball scheinen wie für einander gemacht. Auf der Insel ist man verrückt nach ihm – und einige Top-Trainer sehen sich schon gezwungen, ihr Revier zu markieren.

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          Am vergangenen Mittwoch ereignete sich, von Dortmund ausgehend, ein geologisches Phänomen: „Jürgen Klopp zündete eine seismische Bombe, die Schockwellen durch den europäischen Fußball schickte.“ So zumindest empfingen das jenseits des Atlantiks die Messinstrumente der Sportzeitschrift „Bleacher Report“. Die Ausläufer des Klopp-Bebens, das sie beschrieb, erreichten auch Spanien und Italien, ließen aber vor allem die britischen Inseln erzittern.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Dort wirkten in den vergangenen Tagen englische Sportjournalisten mitunter wie Headhunter, Sportteile wie Stellenmärkte, und immer ging es nur um eine Person. Der „Klopp-Zirkus“ – er ging Arsène Wenger, der als Arsenal-Trainer einen der Top-Posten hat, mit denen der Deutsche nun in Verbindung gebracht wird, gehörig auf die Nerven. Er fand ihn „lächerlich“. Als man ihn zu Klopps Zukunft befragte, sagte Wenger nur: „Ich bin keine Vermittlungsagentur für Trainer“.

          „Guter Typ“

          Fast alle anderen Branchenkenner, die dazu, ob gefragt oder nicht, ihre Meinung abgegeben haben, feiern den baldigen freien Mann Klopp dagegen in einer Weise als prädestiniert für die Premier League, als wäre der flotte Schwarzwälder schon längst ein Engländer im Geiste. „Seine Leidenschaft würde hierher passen“, sagt Arsenals Weltmeister Per Mertesacker.

          Auch Thomas Hitzlsperger und Dietmar Hamann, zwei weitere Deutsche, die in England spielten, erwarten ihn bald dort. Der Engländer und Deutschland-Kenner Gary Lineker („Fußball ist, wenn 22 Mann spielen und am Ende gewinnt Deutschland“) findet: „Wäre toll, ihn hier zu sehen. Guter Typ.“ Und der Schotte Paul Lambert, der mit Dortmund die Champions League 1997 gewann, erklärt, warum Klopp perfekt in die Premier League passe: „Er hat die Mentalität eines britischen Coaches“.

          Klopp selber bezeichnete im November England als einziges Land, „in dem ich neben Deutschland arbeiten sollte, weil es das einzige ist, bei dem ich die Sprache ein wenig spreche, und die brauche ich für meine Arbeit“. Er hat schon als Zweitligatrainer in Mainz seinen privaten Weihnachtsurlaub auf der Insel verbracht, um dort, mit selbst gekauften Tickets, Premier League zu gucken. Und dabei einmal sogar ein Spiel verpasst, für das er Karten hatte, weil er mit den vielen Anstoßterminen zwischen Weihnachten und Neujahr durcheinander gekommen war. 

          Aber das, was er dann doch sah, begeisterte ihn, wie er in einem Vortrag schilderte: „Zweiundzwanzig Millionäre, die neunzig Minuten laufen, als gäbe es kein Morgen mehr.“ Es war von Beginn an eine Seelenverwandtschaft da mit dem englischen Fußball - mit seiner Leidenschaft, dem Tempo, der Power und jenem Rest an alter proletarischer Romantik, den auch die Milliardengeschäfte der Top-Liga nicht völlig kaputt kriegen.

          Hält die Diskussionen um Jürgen Klopp für „Zirkus“: Arsenal-Trainer Wenger

          All dieses immer noch Echte und Ungehobelte des hochpolierten Premier-League-Fußballs scheint auch heute noch perfekt zum Trainer Klopp und seinem fußballerischen Robin-Hood-Image zu passen. Oder zumindest zu dem Trainer Klopp, den die Welt bisher kennt. Denn wer weiß, vielleicht würde Klopp ja auch zu einem Team passen, das nicht mit „Pfeil und Bogen“ unterwegs ist, wie er einmal über die Rollenverteilung zwischen Borussia Dortmund und Bayern München scherzte, sondern „mit der Bazooka“? Ottmar Hitzfeld, der mit beiden Klubs die Champions League gewann, findet, Klopp sei auch imstande, die Bayern „mit großem Erfolg“ zu übernehmen – falls Pep Guardiola in diesem Sommer genug von München haben sollte.

          Aber das würde man ihm in Dortmund kaum verzeihen, und der Empfang wäre kaum so überschwänglich wie in England. Seit er 2013 mit der Borussia die Champions League rockte und das Finale in Wembley erreichte, begeistern sich die Briten für seine Sprüche und seinen Fußball und wünschen sich einen solch volksnahen Typen in der oft abgehoben wirkenden Welt der kühlen Kicker-Millionäre.

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