https://www.faz.net/-gtm-89z0c

Eichlers Eurogoals : Der Businessplan des Zeugwarts

Erstaunlich dünnhäutig? José Mourinho war am Wochenende nur als Pappfigur im Stadion zugegen Bild: AFP

Für den Fall, dass José Mourinho beim FC Chelsea gefeuert wird, muss er sich um seine Finanzen keine Sorgen machen. Bei den englischen Rugby-Spielern ist das anders: Sie hörten auf den Tipp eines nicht ganz kompetenten Beraters.

          3 Min.

          Als die Rugby-Weltmeisterschaft Mitte September begann, war José Mourinho noch guter Dinge. Der FC Chelsea hatte Arsenal 2:0 besiegt, und die Debatten über die Raufeinlagen seines Stürmers Diego Costa beendete Mourinho mit der Ankündigung, am Abend Rugby zu schauen: „Das sind noch wahre Männer“. Vor einer Woche, als Mourinhos Aktien schon stark gesunken waren, verabschiedete sich der Chelsea-Trainer nach dem 1:3 gegen Liverpool mit dem Satz, er gehe nun zu seiner „traurigen Familie“, um daheim das WM-Finale Neuseeland gegen Australien schauen.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Am Samstag nun gab es leider kein Rugby mehr im Fernsehen. Mourinho musste sein eigenes Team anschauen. Es verlor durch einen Seitfallzieher des früheren Bremers Marko Arnautovic 0:1 in Stoke. Es war die siebte Niederlage im zwölften Spiel, die dritte hintereinander. Platz 16, drei Punkte vor einem Abstiegsplatz. Und er musste sich selber sehen, hundertfach. Denn Fans hatten sich mit Pappmasken ausgestattet und viele falsche Mourinhos ins Stadion gebracht, das der echte Mourinho nicht betreten durfte. Als zweiter Trainer der Premier-League-Geschichte nach Alan Pardew (Kopfstoß gegen einen Spieler) war er, wegen seiner verbalen Attacken auf den Schiedsrichter nach dem 1:2 bei West Ham United, mit einem Stadionverbot belegt worden.

          Mit List und Tücke

          So saß er da im Hotelzimmer vor dem Fernseher „allein mit seiner Minibar und seiner Hosenpresse“, wie sich der „Telegraph“ die triste Endzeit-Szene einer großen Karriere ausmalte. Auch das präparierte Klemmbrett des Assistenztrainers, das per Funk die Anweisungen des Hotelgastes empfing, half nicht. Der Mythos des „Special One“, der mit List und Tücke die feindliche Welt da draußen immer wieder an der Nase herumführte – so wie in der gern kolportierten Geschichte, in der er das Stadionverbot im Münchner Olympiastadion im Champions-League-Viertelfinale 2005 bei den Bayern in einem Wäschekorb versteckt umgangen habe – dieser Mythos ist von gestern. Vermutlich wird Mourinho sich bald einen neuen Job suchen müssen. Vielleicht im Rugby?

          Aber auch da ist nicht alles Gold. Dieser Sport, in dem man Respekt vor Schiedsrichter und Gegner zeigt, nicht schauspielert und reklamiert und bei zarten Berührungen schreiend zusammenbricht, hat während der WM als Gegenentwurf zum Fußball viele neue Freunde und eine gute Presse bekommen. Allerdings legt nun eine Geschichte aus England nahe, dass Edelmut und Intelligenz im Rugby auch nicht zwingend großflächiger verteilt sein müssen als im Fußball. „Selbst gemäß den hohen Standards englischer Dämlichkeit im Sport“, findet der „Guardian“, sei es schwierig, sich an “etwa noch Lächerlicheres zu erinnern”.

          Weitere Themen

          Rule Britannia

          FAZ Plus Artikel: Schwimmen bei Olympia : Rule Britannia

          Adam Peaty macht die Schotten hoch: Tom Dean gewinnt als erster Brite seit Henry Taylor 1908 Freistil-Gold. Und Duncan Scott legt noch Silber dazu. Team GB surft auf einer Erfolgswelle.

          Topmeldungen

          Impfgegner demonstrieren im Mai diesen Jahres in Concord im Bundesstaat New Hampshire.

          Delta-Variante : Amerikas Konservative bekommen Angst

          In den Vereinigten Staaten haben viele konservative Politiker und Moderatoren eine Corona-Impfung für unnötig erklärt. Die rapide steigenden Infektionszahlen durch die Delta-Variante scheinen zu einem Umdenken zu führen.
          Medaillen bitte, wir sind Briten: Adam Peaty stürzt sich in die Fluten

          Schwimmen bei Olympia : Rule Britannia

          Adam Peaty macht die Schotten hoch: Tom Dean gewinnt als erster Brite seit Henry Taylor 1908 Freistil-Gold. Und Duncan Scott legt noch Silber dazu. Team GB surft auf einer Erfolgswelle.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.