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Eichlers Eurogoals : Sonnenkönig ohne Sonnenbrand

Es läuft derzeit rund für Kevin Trapp in Paris. Bild: Reuters

Kevin Trapp hat es auf die Sonnenseite des Fußballs geschafft – und das ohne Probleme trotz der hohen Erwartungen in Paris. Dabei hat der Torwart den Kollegen Neuer und ter Stegen nun sogar etwas voraus.

          4 Min.

          Torhüter brauchen Timing. Vor allem beim Herauslaufen. Kevin Trapp hat es, anders als sein Nachfolger Lukas Hradecky am Samstag in Mönchengladbach. Wäre Trapp nicht rechtzeitig rausgelaufen aus dem Frankfurter Schlamassel, letzten Sommer, noch bevor man ihn kommen sehen konnte, er säße jetzt wohl mitten im Abstiegssumpf fest. So aber spielt er mit Weltstars wie Zlatan Ibrahimovic, verdient viel Geld in der Weltstadt Paris, hat eine gute Chance auf den Sprung in den deutschen EM-Kader – und ist seit Sonntag französischer Meister.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Dabei ist er mit Paris St-Germain sogar den Bayern und dem großen Kollegen Manuel Neuer gleich mehrfach voraus. Nicht nur, dass PSG durch das 2:1 bei Chelsea schon das Viertelfinale der Champions League erreicht hat, während die Bayern gegen Juventus am Mittwoch (20.45 Uhr / Live im ZDF, bei Sky und im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) noch nachlegen müssen. Der Qatar-Klub hat die Bayern auch in Sachen Jahresumsatz überholt und den vierten Titel in Serie, den man in München erstmalig in Deutschland anstrebt, schon sicher. Und so früh haben das auch die Bayern noch nie geschafft – schon vor Frühlingsbeginn Meister zu sein.

          Trapp musste beim 9:0-Erfolg beim Tabellenletzten Troyes nicht viel dazu beitragen, dass PSG acht Spieltage vor Schluss mit 25 Punkten Vorsprung vor AS Monaco bereits uneinholbar ist. Das meiste dafür tat Ibrahimovic, der vier Tore schoss, mit 27 Treffern zu Europas Top-Torjäger Cristiano Ronaldo aufschloss – und, umworben aus der Premier League, all das zum Abschiedsgeschenk erklärte. Was man in Paris tun müsse, um ihn doch noch zum Bleiben zu bewegen? Antwort: „Den Eiffelturm durch eine Statue von mir ersetzen“.

          Ob mit oder „Ibra“ – Trainer Laurent Blanc findet, dass PSG „längst in einer eigenen Liga spielt". Man kann ihm kaum widersprechen, denn durch die meisten europäischen Ligen verläuft eine unsichtbare und doch unübersehbare Trennlinie – die zwischen den Chancenlosen und denen, die ganz von allein, nur durch die Physik des Geldes, immer oben schwimmen. Sie manifestiert sich im Doppelpass von Jahresumsatz und Abschlusstabelle.

          Deshalb ein Glückwunsch an Kevin Trapp, er hat den Sprung zu den Sonnenkönigen des Fußballs geschafft, so wie vorher die Torwart-Kollegen Manuel Neuer beim FC Bayern und Marc-André ter Stegen beim FC Barcelona. Und das bisher ohne Sonnenbrand und Atemnot, trotz der Höhenluft und der Höhe der Erwartungen.

          Trapp ist erst 25, ihm steht als Torwart noch eine lange Karriere offen. Edwin van der Sar zum Beispiel gewann die Champions League mit 24 (mit Ajax Amsterdam) und mit 37 (mit Manchester United) noch einmal. Als Vierzigjähriger stand er abermals im Finale, der bis heute älteste Spieler, dem das gelang. Es war, 2011 mit United, das letzte Spiel seiner Karriere und ging 1:3 gegen den FC Barcelona verloren. Aber mit einer Niederlage wollte der große Holländer wohl nicht abtreten.

          Ist das der neue Eiffelturm? Zlatan Ibrahimovic hätte nichts dagegen.
          Ist das der neue Eiffelturm? Zlatan Ibrahimovic hätte nichts dagegen. : Bild: dpa

          Am Wochenende hat er eine Zugabe gewährt – in der vierten niederländischen Liga, wo sein Jugendverein VV Noordwijk nach dem Ausfall aller Torhüter einen Hilferuf an den berühmtesten früheren Spieler ausgesandt hatte. Van der Sar sprang ein und zeigte, dass er nichts verlernt hat. Mit einem gehaltenen Elfmeter rettete der 130-malige Nationalspieler seinem Team das 1:1 gegen die Jodan Boys und wurde frenetisch gefeiert.

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