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Eichlers Eurogoals : Chelsea-Monopoly ohne Meistertitel

Erste Heimniederlage in der Premier League: José Mourinho und Chelsea müssen nach dem 1:2 gegen Sunderland den Meistertitel abschreiben Bild: AFP

José Mourinho verliert erstmals ein Heimspiel in der Premier League und rettet sich und sein Team anschließend in die Opferrolle. Nach drei Pleiten gegen Kellerkinder ist der Titel verloren, weil der Klub nach Worten seines Trainers keinen Stürmer hat.

          4 Min.

          Der große Unterschied zwischen Wladimir Putin und José Mourinho? Bei Mourinho braucht man sich beim kostbaren Schauspiel einer Pressekonferenz mit dem Alleinherrscher erst gar keine Fragen zu überlegen. Man bekommt die vorgestanzten Antworten ungefragt.
          77 Heimspiele hatte Mourinho in der Premier League bis zum Ostersamstag in seinen zwei Amtszeiten als Trainer des FC Chelsea erlebt (2004 bis 2007 und 2013 bis heute). Keins dieser 77 hat er verloren. Es war ein einsamer Rekord im internationalen Fußball, den er einmal mit der lapidaren Ankündigung abtat, er werde ihn feiern, wenn er vorbei sei.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Dann aber kam es ganz anders, als der Rekord im 78. Spiel sein Ende fand, und das ausgerechnet gegen den Tabellenletzten Sunderland. Chelsea verlor dabei nicht nur das Spiel, sondern wohl auch die Rolle als Titelkandidat. Der FC Liverpool zog mit dem 3:2 in Norwich, dem elften Sieg in Serie, bis auf fünf Punkte davon. Chelsea muss nun am kommenden Sonntag in Liverpool gewinnen, um wenigstens eine klitzekleine Chance auf den Meistertitel in die beiden letzten Spieltage zu retten.

          Nur „Er“ redet

          Und was tat Mourinho? Er feierte natürlich nicht. Sondern bot wieder mal einen Auftritt ganz eigener Art. Seinen Assistenten Rui Faria, der dem Schiedsrichter nach dem 2:1-Siegtreffer von Sunderland durch einen umstrittenen Elfmeter acht Minuten vor Schluss an die Wäsche wollte und von drei Chelsea-Kollegen sowie dem vierten Offiziellen festgehalten werden musste, hatte Mourinho an den Haaren vom Geschehen weggezogen. Genauso kontrolliert zynisch trat er dann vor das Mikrophon, um zu erklären, dass während der Pressekonferenz nur einer reden würde. Er. 

          Ein passender Assistent: Mourinho bremst Rui Faria vor einer Attacke gegen den Schiedsrichter Bilderstrecke
          Ein passender Assistent: Mourinho bremst Rui Faria vor einer Attacke gegen den Schiedsrichter :

          „Ich werde keine Zeit damit verschwenden, auf eure Fragen zu antworten, sondern vier Punkte ansprechen, weil ich nur das sagen werde, egal was ihr mich fragt“, so begann er seinen Vortrag. Zwei Minuten und zwanzig Sekunden lang gratulierte er dann mit triefendem Sarkasmus seinem Team (für den Einsatz), dem Gegner (für die drei Punkte), dem Schiedsrichter (für die „unglaubliche Leistung“) und dem Chef der Schiedsrichter (für die „absolut phantastische“ Arbeit).

          Ab in die Opferrolle

          Fünftens hätte er sich bestimmt gern selber gratuliert, weil sein spektakuläres Solo erfolgreich von der kläglichen Leistung seiner Star-Truppe abgelenkt hat. Wie schon öfter in solchen Fällen stellt Mourinho sich selber und sein Team nach peinlichen Pleiten und vor wichtigen Spielen (dem Champions-League-Halbfinale bei Atlético Madrid am Dienstag, live in Sky und F.A.Z.-Liveticker) in einer etwas lächerlichen Opferrolle dar.

          Natürlich stimmte es, dass der von Fabio Borini (einer Leihgabe aus Liverpool) verwandelte Elfmeter für Sunderland auf ein Foul zurückging, das nur der Linienrichter gesehen hatte. Dafür war Chelsea-Profi Ramires schon vor der Pause einer fälligen Roten Karte entkommen, weil der hinterhältige Ellbogenschlag des Brasilianers ins Gesicht eines Gegenspielers hinter dem Rücken des Schiedsrichters stattgefunden hatte.

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