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Eurogoals : Was sind schon 37 Jahre?

Gladbach spielt endlich Champions League: Zeit für Erinnerungen an Netzer und Co. Bild: obs

Mit wehenden Haaren stürmten die Gladbacher in den 70er Jahren durch den Europapokal der Landesmeister. Sie gewannen nichts - außer die Herzen. Jetzt spielen sie endlich wieder in der Champions League.

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          Fußballfans aus ganz Europa, die in den 70er Jahren mit dem damals aufstrebenden einstigen Arbeitersport sozialisiert wurden, werden begeistert sein. Dank glanzvoller Erinnerung an gestern können sie Vorfreude für morgen hegen: Borussia Mönchengladbach ist wieder da. Die Mannschaft mit dem schwierigen Namen und dem berauschenden Stil sicherte sich am Samstag durch einen 2:0-Sieg bei Werder Bremen den Platz in der ersten europäischen Liga.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Wer sich in jenen Tagen des Aufbruchs nicht nur für das schnöde Siegen, sondern für das schöne Spiel entschied; wer sein Fähnchen nicht in den bayrischen Wind hielt, und mit dem FCB aus München Titel zählte, sondern sein Herz an die Ästhetik des Augenblicks verlor, der hat nach den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in zähen dreieinhalb Jahrzehnten freilich mehr Leid als Freud erlebt. Aber er konnte dies wenigstens mit dem Bewusstsein tun, auf der richtigen Seite zu stehen.

          Letzter Auftritt: Anfield Road

          Und nun, kaum mehr als 37 Jahre nach dem letzten Auftritt der Borussia im Europapokal der Landesmeister, - es war am 12. April 1978 im Halbfinale an der Anfield Road und endete mit einer 0:3-Niederlage gegen den damaligen Titelverteidiger FC Liverpool - haben sich die Gladbacher wieder für die höchste europäische Klasse qualifiziert - die Champions League. Zwar nur als Tabellendritter (vielleicht auch als Zweiter, das entscheidet sich am Pfingstsamstag (15.30 Uhr / Live bei Sky und im Bundesligaticker auf FAZ.NET), dafür aber schon jetzt mit der besten Rückrundenbilanz aller Zeiten: 39 Punkte. Umgerechnet auf die Weisweiler-Zeitrechnung sind das 27:5 – so gut sind selbst Netzer, Heynckes und Co. nie gewesen.

          Doch was erwartet das Team des Schweizer Trainer-Taktikers Lucien Favre in der kommenden Saison in der Königsklasse? Auf alle Fälle ein schweres Los. Denn mit einem Klub-Koeffizient von 33,883 rangiert die Elf vom Niederrhein aller Wahrscheinlichkeit nach am Ende der Liste jener 32 Mannschaften, die in der Gruppenphase mitwirken dürfen. Topf 4 - da sind dicke Brocken als Gegner programmiert.

          Endliche wieder Champions League: die Borussia feiert mit ihren Fans den Einzug in die Königsklasse
          Endliche wieder Champions League: die Borussia feiert mit ihren Fans den Einzug in die Königsklasse : Bild: Reuters

          Kurz vor dem Saisonfinale in den europäischen Ligen steht die Hälfte der qualifizierten Teams schon fest, ein weiteres Viertel muss sich noch auf nationaler Ebene durchsetzen, der Rest wird seinen Weg über die Qualifikationsrunden in die Königsklasse finden. Der erste Los-Topf ist schon prall gefüllt, in ihm finden sich der Titelverteidiger sowie die Meister der sieben besten Verbände der Uefa-Fünfjahreswertung. Allen voran der FC Barcelona und Juventus Turin, die beiden Finalteilnehmer, die zudem schon als Landesmeister in Spanien und Italien feststehen. Außerdem dürfen sich der FC Chelsea, Bayern München, Benfica Lissabon, Paris St. Germain, Zenit St. Petersburg und der PSV Eindhoven zu der „Bel étage“ zählen.

          Bittere Erinnerungen an Inter Mailand

          Auffällig ist, dass - außer den Bayern - jene Mannschaften in den Top-Acht fehlen, an die die Gladbacher die schlechtesten Erinnerungen an ihre eigenen Glanzzeiten haben.

          Es fehlt vor allem Inter Mailand, jenes Team, gegen das die Gladbacher am 20. Oktober 1971 „Fußball in höchster Perfektion“ zeigten, wie Experten den 7:1-Sieg in der zweiten Runde des Europapokals der Landesmeister beschrieben. Jupp Heynckes, Günter Netzer und Ulrik Le Fevre schossen jeweils zwei Tore, Klaus-Dieter Sieloff setzte mit einem Elfmetertor scheinbar den Schlusspunkt. Dummerweise ging das 7:1 aber nicht als „perfektes Spiel“, sondern als „Büchsenwurfspiel“ in die Fußballgeschichte ein. Die Uefa annullierte jenes rauschhafte Ereignis vom Bökelberg, weil der italienische Stürmer Roberto Boninsegna (der vorher das 1:1 erzielt hatte) in der 28. Minute beim Stand von 2:1 von einer leeren Büchse getroffen worden war und sich vom Platz tragen ließ.

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