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Eichlers Eurogoals : Zwischen Gier und Geilheit

  • Aktualisiert am

Mon dieú! Die schlechten Nachrichten um Karim Benzema reißen nicht ab. Bild: AP

Ob Benzema, Rooney oder Neymar: Prominente Fußballer füllen neben Sportberichten gerne auch mal Gerichtsakten. Bei vielen geht es um Geld, bei manchen gar um Mord. Andere Straftaten sind hingegen nichts anderes als ein Hilferuf.

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          Fußball ist ein Krimi, leider nicht immer ein so guter wie Bayern gegen Juventus. Prominente Fußballer füllen neben Sportberichten auch Gerichtsakten. Früher taten sie das, weil sie nicht genug Geld hatten – oder es ihnen jedenfalls so vorkam. Heute, weil sie zu viel haben – und trotzdem immer mehr von allem wollen. Hier die neuesten Ergänzungen der großen Kriminalakte Fußball.

          Erstens: Neymar ist wegen Steuerhinterziehung in seiner brasilianischen Heimat zur Zahlung von rund 45 Millionen Euro (Steuernachzahlung, Zinsen und Strafe) verurteilt worden. Währenddessen wird wegen Steuervergehen gegen ihn, ebenso wie gegen Barca-Mitspieler Lionel Messi, vor der spanischen Justiz noch prozessiert.

          Aneignen von unziemlichen Lebensmitteln

          Zweitens: Karim Benzema hat nach dem Skandal um Mathieu Valbuena, seinen Mitspieler im französischen Nationalteam, in dessen Erpressung mit Sex-Aufnahmen er verwickelt gewesen sein soll, ein weiteres Problem. Laut der Zeitung „Liberation“ musste der Stürmer von Real Madrid nun auch als Zeuge in einem Prozess wegen Geldwäsche und Drogenhandel aussagen. Seit Beginn der staatsanwaltlichen Ermittlungen wegen der „Sextape“-Affäre ist Benzema aus der „Équipe Tricolore“ ausgeschlossen. Aber vielleicht braucht die Nation ihn ja doch noch. Nationaltrainer Didier Deschamps erklärt, er könne nicht auf seinen besten Torjäger für die Heim-EM verzichten.

          Drittens: Der „Sunday Mirror“ hat ein Video veröffentlicht, das Wayne Rooney als Dieb zeigen soll. Der bestbezahlte Fußballer Englands hat demnach im Mai 2014 in der „Hospitality Box“ des Sportartikel-Riesen Nike im Wembley-Stadion aus einem Regal diverse Dinge entwendet, darunter Süßigkeiten. Sowohl der Spieler als auch sein Klub Manchester United haben dem ungeheuerlichen Verdacht des Aneignens unziemlicher Lebensmittel sofort energisch widersprochen. Auch Nike reagierte umgehend, überprüfte seine Nahrungsbestände und erklärte offiziell, „dass nichts aus der Nike Box genommen wurde“.  

          Früher Fußfessel, heute Fußballartist: Jamie Vardy hat seine Vergangenheit hinter sich gelassen.
          Früher Fußfessel, heute Fußballartist: Jamie Vardy hat seine Vergangenheit hinter sich gelassen. : Bild: AP

          Egal wie diese drei sehr unterschiedlich gewichtigen Kriminalfälle ausgehen, sie zeigen die drei Hauptneigungen, die den bestens versorgten Profifußballer des 21. Jahrhunderts immer noch manchmal mit dem Gesetz in Konflikt bringen: Gier, Geilheit und gemeingefährliche Dummheit. Natürlich gibt es noch andere Motive und Neigungen, die aus Fußballern schon prominente Justizfälle gemacht machen. Etwa der Hang zu Gewalt, den man auf dem Fußballplatz wegen zu vieler Zeugen nun mal nicht ganz so ungehemmt ausleben kann. Der Däne Stig Tøfting, einst auch beim Hamburger SV, tat das stattdessen lieber an intimeren Orten, etwa im Kopenhagener Restaurant „Café Ketchup“, wo er den Küchenchef niederschlug. Zur Strafe gab es vier Monate Verpflegung in der Gefängniskantine.

          Ebenfalls ein beliebter Wegweiser auf die schiefe Bahn: falsche Freunde. So beteiligten sich 2011 die beiden Deutsch-Türken Suleyman Koç und Guido Koçer an einer Bande, die ein Berliner Spielkasino überfiel. Koç bekam eine Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten, konnte aber im offenen Vollzug wieder als Profi spielen. Mit dem SC Paderborn stieg er 2014 in die Bundesliga auf und wieder ab. Koçer kam mit Bewährung davon und behielt vorbestraft den Zweitliga-Job bei Erzgebirge Aue, ehe er in die Türkei wechselte.

          Das ist aber alles nichts gegen die Panzerknacker der Sechziger Jahre, als ein Gehalt als Fußballprofi noch nicht ganz ausreichte, sich einen wirklich glamourösen Lebenswandel zu leisten. Man musste noch ein bisschen zuverdienen. So wie Wolfgang „Sully“ Peters, zweimaliger deutscher Meister mit Borussia Dortmund, der im Nebenjob erwischt wurde, als er 1962 in Kassel ein Sportgeschäft überfiel. Der Stürmer wurde vom Klub entlassen und musste kurz vor Gründung der Bundesliga seine Karriere beenden.

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