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Eichlers Eurogoals : Die Uhr tickt für Europa

Auch José Mourinho dürfte bald wieder in England auftauchen auf der Trainerbank. Bild: Picture-Alliance

Noch denkt Fußball-Europa, die Engländer hätten zwar viel Geld, aber wenig Ahnung von modernem Fußball. Das wird sich ändern. Denn die Premier League zieht nicht nur die besten Spieler an.

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          Es gibt ein Leben nach dem Scheitern als Nationaltrainer. Und was für eines! Die großen Blamierten der Qualifikation für die Europameisterschaft erleben eine erstaunliche Spätkarriere in England. Das gilt nicht nur für den bereits hinlänglich gefeierten Claudio Ranieri, der im November 2014 nach einer Niederlage gegen Färöer als griechischer Nationaltrainer entlassen wurde – und nun mit dem Sensationsteam Leicester City die Premier League anführt.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Er gilt ebenfalls für Guus Hiddink, der den beispiellosen Absturz der Niederlande von WM-Dritten zum EM-Sitzenbleiber zu verantworten hatte. Nach weniger als einem Jahr als „Bondscoach“ entlassen, hat er nun den FC Chelsea wiederbelebt.

          Der gestrauchelte Meister, unter José Mourinho nach neun Niederlagen in sechzehn Spielen kurz vor Weihnachten nur noch einen Punkt von einem Abstiegsplatz entfernt, hat seitdem unter Hiddink von zehn Spielen in der Premier League keins mehr verloren und alle drei Pokalspiele gewonnen. Die einzige Niederlage ist das 1:2 im Achtelfinale der Champions League bei Paris St-Germain, das im Rückspiel in zwei Wochen noch korrigiert werden kann. Am Sonntag gewann Hiddinks Elf im Pokal 5:1 gegen Manchester City, das allerdings mit einem besseren Jugendteam angetreten war.

          City-Trainer Manuel Pellegrini, nur noch Platzhalter für den im Sommer kommenden Pep Guardiola und in dieser Rolle zum schleichenden Autoritätsverlust verdammt, hatte angekündigt, nur eine B-Auswahl aufzubieten, sollte die Ansetzung des Spiels in London erst für den späten Sonntagnachmittag erfolgen – kurz vor Abreise in die Ukraine, zum Champions-League-Spiel gegen Dynamo Kiew. Er hielt Wort. Statt arrivierter Stars standen fünf Teenager namens Tosin Adarabioyo, Manu Garcia, Aleix Garcia, Bersant Celina und David Faupala in der Startelf.

          Hiddink: „Ich muss mich zurückziehen“

          Das war kein Gegner für Hiddinks Team, in dem auch zuvor lustlose Künstler wie Eden Hazard und Cesc Fabregas nun wieder munter aufspielen. Die Spieler wollen den Trainer, der schon 2009 nach der Entlassung von Luis Felipe Scolari erfolgreich als Interims-Chef ausgeholfen und mit Chelsea den Pokal gewonnen hatte, diesmal am liebsten behalten. Er tut ihnen den Gefallen nicht: „Ich muss mich zurückziehen“, kündigt er für das Saisonende an. Hiddink wird dieses Jahr 70. Er weiß, wann man besser aufhört.

          Anders als der Landsmann Louis van Gaal. Der erfüllte sich den letzten großen Traum, den er schon als Bayern-Trainer hatte: einmal bei einer WM dabei zu sein. In Brasilien führte er mit schlauer Taktik die Niederlande zu einem unvergesslichen 5:1-Sieg über Titelverteidiger Spanien und verpasste das Finale erst im Elfmeterschießen. Er hätte als strahlender Held abtreten können – und entschied sich, es noch einmal, ein letztes Mal, als Klubtrainer zu versuchen.

          Die Zeit von Louis van Gaal bei Manchester United dürfte bald abgelaufen sein.

          Einmal zu viel. Am Donnerstag blamierte er sich mit Manchester United in der Europa League mit einem 1:2 beim dänischen Klub FC Midtjylland – einem Team, das seit zweieinhalb Monaten in der Winterpause ist. Van Gaal erklärte es mit „Murphys Gesetz“, demzufolge alles schiefgeht, was schiefgehen kann. Aber braucht, wer an die Unvermeidlichkeit des Schicksals glaubt, überhaupt einen Trainer? Ein Wahrsager täte es auch.

          Als „Gespött Europas“ bezeichnete die „Manchester Evening News“ den Rekordmeister. Das Blatt forderte: „Manchester United muss Louis van Gaal entlassen – JETZT". In der Liga ist United mit ödem Fußball sechs Punkte vom Mindestziel Platz vier entfernt, in der Champions League an Wolfsburg und Eindhoven gescheitert, im Ligapokal am Zweitligaklub Middlesbrough. Die Gesamtbilanz ist die kläglichste, die ein Trainer für so viel Geld (285 Millionen Pfund für neue Spieler in 18 Monaten) je zu bieten hatte.

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