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Eichlers Eurogoals : Ein englisches Fußballmärchen

„Ich muss mich jeden Morgen immer noch zwicken, wenn ich zum Training fahre“: Jamie Vardy. Bild: Picture-Alliance

Messi verletzt, Ronaldo sucht die Form: Nur einer stört den Angriff von Lewandowski und Aubameyang auf den Goldenen Schuh für Europas besten Torjäger. Es ist ausgerechnet ein Engländer – mit einer Aschenputtel-Geschichte.

          Wem der goldene Schuh passt, der kriegt den schönen Prinzen. So ist das im Märchen, bei Aschenputtel. Im Fußball sind es die schönen Prinzen, die sich den Schuh selber anziehen. Wie Cristiano Ronaldo und Lionel Messi, die den „Goldenen Schuh“ für Europas besten Torschützen in den vergangenen sechs Jahren unter sich aufteilten.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          In diesem goldenen Jahrzehnt, in dem Deutschland Weltmeister wurde, zwei Bundesligavereine ein Champions-League-Finale bestritten und der FC Bayern das Triple gewann, ist es die einzige Kategorie, in der der deutsche Fußball stets weit weg von der Spitze blieb – die Torjäger. Die Besten der Bundesliga schossen kaum mehr als die Hälfte der Tore, die die Besten von Barca und Real schossen.

          Der einzige Deutsche und einzige Bundesliga-Spieler, der den Goldenen Schuh je bekam, war Gerd Müller 1970, als er in der Bundesliga auf 38 Tore kam; und 1972, als er 40 Mal traf. An diesem Dienstag wird Müller 70. Und als kleines Geburtstagsgeschenk, ihm zu Ehren, hat die Bundesliga im Augenblick zum ersten Mal seit Jahrzehnten die besten Torjäger Europas.

          Gleich zwei Spieler, Robert Lewandowski und Pierre-Emerick Aubameyang, mit 13 Toren nach 11 Spielen, also einem Toreschnitt von über 1, das gab’s in Deutschland seit Müllers Zeiten nicht. Selbst dessen Namensvetter Thomas liegt mit 10 Toren noch vor allen Stars aus Spanien oder Italien.

          Bayern-Stürmer Robert Lewandowski ging an diesem Spieltag leer aus.

          Im Augenblick haben Lewandowski und Aubameyang in der „Golden-Shoe“-Wertung aller europäischen Ligen nur den Brasilianer Alex Teixeira vor sich. Dessen 18 Tore in 12 Spielen für den ukrainischen Serienmeister Schachtjor Donezk werden allerdings in der Punktwertung der europäischen Torschützen nur mit dem Faktor 1,5 multipliziert, die in der Bundesliga und den anderen Top-Ligen dagegen mit Faktor 2 – während die in den kleinen Ländern erzielten gar nicht multipliziert werden, beziehungsweise nur mit Faktor 1, so wie die 28 Treffer des Litauers Tomas Radzinevicius (dessen Saison überdies bereits im November zu Ende geht).

          Messi ist verletzt, Ronaldo sucht noch die Form. So stört nur einer im Augenblick den deutschen Angriff auf den Goldenen Schuh. Ausgerechnet ein Engländer: Jamie Vardy, 28 Jahre alt. Und einer mit Aschenputtel-Geschichte. Mit 23 Jahren spielte er noch in der achten Liga in England, mit 25 noch in der fünften.

          Der Brasilianer Alex Teixeira aus Donezk ist ähnlich erfolgreich wie die großen Namen.

          Beim 3:2-Sieg von Leicester City bei West Bromwich Albion hat Vardy im achten Spiel hintereinander getroffen. Mit elf Toren in elf Spielen führt er die Torjägerliste der Premier League an – vor seinem algerischen Sturmpartner Riyad Mahrez, sieben Tore. Die beiden „No Names“ aus Leicester sind derzeit neben Lewandowski/Müller und Aubameyang/Reus das torgefährlichste Sturmduo Europas.

          Auch die Geschichte ihres Klubs hat etwas Aschenputtelhaftes. Leicester City, 2014 nach zehn Jahren in die Premier League zurückgekehrt, stand Anfang April noch abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz. Dann erlebte man dank sieben Siegen an den letzten acht Spieltagen eine wundersame Rettung – auch weil Vardy nach anfänglicher Ladehemmung in der Top-Liga endlich zu treffen begann. In der neuen Saison steht Leicester auf Platz drei, vor Klubs wie ManUnited, Liverpool und Chelsea, und hat als einziges Team nur einmal verloren (2:5 gegen Arsenal).

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