https://www.faz.net/-gtm-8aslo

Eichlers Eurogoals : Das einsamste Fußball-Team der Welt

Manchmal mangelt es im Fußball nur an Zuschauern, manchmal aber auch an Gegnern. Bild: Picture-Alliance

Robert Lewandowski steht mit seinen fünf Toren in neun Minuten nun im Guinness-Buch der Rekorde. Der Fußball bietet aber noch viele andere Bestmarken. Besonders kurios ist der Weltrekord der FC Tristan da Cunha.

          Robert Lewandowski hatte am Montag Besuch: vom Guinness-Buch der Rekorde. In dem fand er offiziell seinen verdienten Eintrag. Das dürfte noch Bestand haben, wenn der Bayern-Torjäger dereinst vielleicht seinen Enkeln davon erzählen wird, wer Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo waren. Denn die haben das nicht geschafft: fünf Tore in neun Minuten.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Rekorde haben ja etwas Anrüchiges erhalten im Sport. Wenn etwa im Eisschnelllauf im Augenblick schon zu Saisonbeginn vier Weltrekorde purzeln, oder, wie im Gewichtheben, bei der Weltmeisterschaft vergangene Woche in Houston gleich neun Weltrekorde aufgestellt werden, macht man sich so seine Gedanken. Im Fußball wiederum sah es noch vor weniger als zehn Jahren aus, als wären Rekorde, vor allem Torrekorde, eine Sache von gestern, ein Relikt des 20. Jahrhunderts, fast wie die dort stehengebliebenen ewigen Rekorde der DDR-Leichtathletinnen, wenngleich aus völlig anderen Gründen. Wer sollte schon einen Pelé oder Gerd Müller übertreffen?

          Einer macht sie alle: Robert Lewandowski verewigt sich in den Rekordbüchern.

          Dann kamen Spieler wie Messi und Ronaldo, und es kam eine neue Ära des offensiven Fußballs. Die Zeit, in der man seit den 90er Jahren zunehmend den „Erstickungstod“ des Fußballs durch immer klügere Spielzerstörungs-Strategien befürchtete, endete mit Trainern wie Guardiola und Klopp, mit Klubs wie Barcelona, Real Madrid, Bayern oder Dortmund, bei denen eine neue Art von Offensivfußball entstand.

          Solche Teams haben vor allem das „Umschalten“ nach vorn in einer Weise perfektioniert, dass sie einen wankenden Gegner geradezu filetieren können. Deshalb hat man in den vergangenen Jahren Resultate auch in Top-Spielen erlebt, die früher fast undenkbar schienen: ein 5:2 im Pokalfinale (Dortmund gegen Bayern 2012), ein 7:0 im Champions-League-Halbfinale (Bayern gegen Barcelona 2013, addiert über zwei Spiele), ein 5:0 ein Jahr später (Real gegen Bayern), ein 7:1 im WM-Halbfinale (Deutschland gegen Brasilien 2014). Oder zuletzt 5:1-Siege der Bayern über Wolfsburg, Dortmund und Arsenal.

          Für die neue Torflut im Fußball sorgen auch Suarez, Neymar und Messi (von links) beim FC Barcelona.

          Teil dieser Entwicklung ist auch ein Wandel der Einstellung. Es überwiegt bei den besten Teams heute nicht mehr das ökonomische Haushalten der eigenen Kunst, das Verwalten von Vorsprüngen, sondern die Lust daran, das, was man kann, immer weiter zu wiederholen. Es ist natürlich ein Luxus, den sich nur wenige Großklubs mit ihren handverlesenen Kadern leisten können – aber auch eine ursprüngliche Lust auf Fußball, sozusagen ein Amateurgeist unter Super-Profis. Nüchternes Ergebnisdenken ließ es früher normal erscheinen, bei einem 2:0 oder 3:0 das Tempo rauszunehmen und den Gegner „kommen zu lassen“. Heute sind gute Teams in der Lage, 90 Minuten Vollgas zu spielen. Ja, sie definieren sich geradezu darüber.

          Auch deshalb erlebt der Fußball ein Rekordzeitalter. Aber nicht nur. Die inzwischen viel erzählte Story von Jamie Vardy, der erst mit 25 Profi wurde und nun, mit seinem Tor beim 1:1 von Leicester City gegen Manchester United, in elf Spielen in der Premier League hintereinander getroffen hat, hat nichts mit den durchgeplanten personellen und taktischen Feuerwerken von Europas Megaklubs zu tun, sondern mit der immer noch unverwüstlichen Fähigkeit des Fußballs, unglaubliche Geschichten zu erfinden.

          Weitere Themen

          Copa ohne Fixstern Neymar

          Fußball-Star fällt aus : Copa ohne Fixstern Neymar

          Bei der Südamerika-Meisterschaft steht für die brasilianische Nationalmannschaft einiges auf dem Spiel. In Abwesenheit von Superstar Neymar werden die Machtverhältnisse neu sortiert. Doch es geht noch um viel mehr.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.