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Eichlers Eurogoals : Eine schlimme Zeit für Fußball-Fans

Business as usual: José Mourinho wird mit Chelsea schon wieder Meister Bild: AP

Es ist Mai und in fast allen Fußballligen ist die Meisterfrage geklärt. Die Spannung bleibt auf der Strecke, anders als im amerikanischen Sport. Ein europäisches Land kann da nur mithalten – und wird womöglich mit der besten Party belohnt.

          Nicht nur im deutschen Fußball, fast in ganz Europa ist die Meisterfrage geklärt. Das hat auch Vorteile. Man kann sich im Mai an Wochenenden nun anderes vornehmen als Fußball. Während der Arbeitswochen bietet die Champions League noch Unterhaltung zum Feierabend, doch an Sams- und Sonntagen bleibt zunehmend Zeit für andere Dinge. Die Arbeit im Garten vielleicht oder den Ausflug mit der Familie. Wie konnte es so weit kommen?

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Es sind schlimme Zeiten für Fans des schönen, also spannenden Fußballs. Wir erleben die Ära der Gewohnheitsmeister, und die haben es immer eiliger. Bayern ist schon seit Ende April Meister, zum dritten Mal in Folge, zum dritten Mal, bevor es Mai wurde – und rechtzeitig, um Spieler für den Champions-League-Trip nach Barcelona zu schonen.

          In England hat José Mourinho mit Chelsea bereits seinen achten Meistertitel in 13 Jahren und vier Ländern gewonnen, worauf er eine kleine Spitze in Richtung des Bayern-Trainers und alten Rivalen Pep Guardiola losließ – er ziehe es vor, Teams zu trainieren, mit denen „nicht der Zeugwart Meister werden kann“. Und in Italien sicherte sich Juventus Turin am Samstag Titel Nummer 31, den vierten hintereinander, so dass nun nur noch das Duell mit Real Madrid interessant ist.

          Weil die Katalanen sich trotz der Unterstützung des Separatisten Guardiola noch nicht vom Rest Spaniens lösen konnten, haben die beiden spanischen Favoriten es nicht ganz so leicht wie die Konkurrenz aus München und Turin, denn dort gibt es nur einen Meistertitel für zwei. So kämpfen sie, große Ausnahme in den großen Ligen, auch im Mai im Fern-Duell noch um den nationalen Titel. Barcelona tat es mit voller Kapelle beim 8:0 in Cordoba (drei Tore Suárez, zwei Messi), Real ebenso dank dreier Ronaldo-Tore beim 3:2 in Sevilla.

          Auch beim 31. Titel feiern die Fans von Juventus Turin noch munter mit

          In Schottland hat Celtic seinen 46. Meistertitel gewonnen, den vierten hintereinander, keine überraschende Nachricht, denn der zuvor einzige Konkurrent, Stadtrivale Rangers, ist nach Rückversetzung in die vierte Liga und zwei Aufstiegen nun in der zweiten Liga und neuen Geldproblemen hängengeblieben.

          In Österreich liegt Red Bull Salzburg fünf Spieltage vor Ende mit zehn Punkten vorn und könnte schon Sonntag, wie die Bayern zwei Wochen zuvor, auf dem Sofa Meister werden. Es wäre der 6. Meistertitel in den 10 Jahren, seit SV Austria Salzburg von der Red Bull AG übernommen wurde, mit Austausch der alten Vereinsfarben gegen das Rot-Blau der Getränkemarke und der Erklärung: „Das ist ein neuer Klub. Es gibt keine Tradition, es gibt keine Geschichte“. International blieb der Erfolg des Dosen-Klubs dosiert: nie schlechter als Platz zwei in Österreich, nie in der Champions League.

          Eine Quote wie Stasi-Klub Dynamo Berlin

          Der FC Basel dagegen war nun sogar im Achtelfinale, und nicht zuletzt dank der jahrelangen Präsenz in der lukrativen Königsklasse wird der Klub sein Abo als Schweizer Meister bald auf sechs Titel hintereinander verlängern. „Wieder Basel, fast immer Basel“, stöhnte die „Neue Zürcher Zeitung“ über das 2:1 gegen Grasshoppers, nach dem die Basler mit elf Punkten Vorsprung in die letzten fünf Spiele gehen.

          In Griechenland ist Olympiakos Piräus zum 17. Mal in den letzten 19 Jahren Meister – beinahe die Quote des Stasi-Klubs Dynamo Berlin in der späten DDR: zehn Titel in zehn Jahren von 1979 bis 1988. Egalisiert wird sie in Kroatien, wo Dinamo Zagreb fünf Spiele vor Ende zum zehnten Mal in Folge als Meister feststeht.

          Auch die Bayern wurden schon vor Anbruch des Monats Mai Meister

          Wenigstens in Ungarn findet sich ein relativ neuer Meister-Name. Dort steht Videoton FC Szekesfehervar vier Spiele vor Schluss uneinholbar an der Spitze. Man profitierte vom Patzer des letzten Verfolgers Ferencvaros Budapest, trainiert vom früheren HSV-Coach Thomas Doll. Allerdings war man schon 2011 Meister. Und auch der Wechsel in den Niederlanden, wo nach zuletzt vier Titeln für Ajax Amsterdam nun PSV Eindhoven den Titel bereits sicher hat, bringt keine wirkliche Erneuerung – von 2000 bis 2008 war PSV sieben Mal Champion.

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