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Eurogoals : Wenger und Mourinho – wie auf dem Schulhof

Wenger gegen Mourinho: Der vierte Offizielle Moss trennt die Streithähne Bild: AFP

Der Trainerjob ist ganz schön anstrengend. Mourinho wehrt sich mit Körpereinsatz gegen Wenger. Cruyff stichelt gegen „Kontroll-Freak“ van Gaal. Guardiola kann nicht zum Feierbiest werden. Und Simeone machen die eigenen Spieler das Trainerleben schwer.

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          Es war ein bisschen wie auf dem Schulhof. Ein Wort gab das andere, ein wenig Geschubse, dann kam der Lehrer und trennte die pubertierenden Teenager. Die Streithähne, die sich am Sonntag in London bekriegten, sind diesem Lebensabschnitt aber seit langem entwachsen. Arsène Wenger, 64, stapfte dennoch mit fliegender Krawatte auf José Mourinho, 51, zu und stieß ihm energisch vor die Brust. Der verteidigte sich und seine Coaching-Zone an der Stamford Bridge gegen den aufdringlichen Gast mit Körpereinsatz – bis der vierte Offizielle Jonathan Moss den Arsenal- und den Chelsea-Trainer trennte.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Anlass für Wengers Marsch in Mourinhos Territorium war ein übles Foul an Stürmer Alexis Sanchez, der an der Seitenlinie rüde von Chelsea-Verteidiger Gary Cahill abgeräumt wurde. Joachim Löw konnte das Schauspiel der handgreiflichen Kollegen aus der Nähe verfolgen. Der Bundestrainer war angereist, um seine Weltmeister zu sehen. Viel bekam er nicht geboten. Per Mertesacker konnte Arsenals 0:2-Niederlage nicht verhindern, Mesut Özil tauchte auf der ungeliebten Außenbahn ab, Lukas Podolski kam erst, als die Partie entschieden war. Bei Chelsea war Andre Schürrle da schon ausgewechselt.

          Die Zweikämpfer an der Seitenlinie sind sich seit Jahren in herzlicher Abneigung verbunden. Bisher beschränkte sich die Dauerfehde auf verbale Spitzen, etwa als „Special One“ Mourinho den Kontrahenten als „Spezialist im Verlieren“ verspottete. Schlagende Argumente gegen diese Bezeichnung hat Wenger bis jetzt nicht gefunden. In zwölf Runden mit Mourinho ist er noch immer ohne Volltreffer bei einem Torverhältnis von 6:21. Im Boxen ein klarer technischer K.o. – da half auch Wengers ungestüme Attacke nicht. Auf dem Rasen schlugen Eden Hazard und Diego Costa für Chelsea und Mourinho zu. Der Spitzenreiter der Premier League liegt nun neun Punkte vor Arsenal – nach nur sieben Partien.

          Im Mai schon brauchte Mourinho nicht 90, sondern nur zehn Minuten, um Arsene Wenger ein weiteres Mal zu düpieren. In der Zeit hatte der portugiesische Trainer nach eigenen Angaben den früheren Arsenal-Kapitän Cesc Fabregas überzeugt, zu seinem Chelsea zu wechseln. Die investierte Arbeitszeit war also erfreulich gering für Mourinho, der Familienfrieden litt dennoch. Weil Fabregas nur an einem bestimmten Tag nach London kommen konnte, ließ der Papa die Mitreise zu einem Turnier seines Sohnes nach Nürnberg sausen. Den Pokal brachte der 14 Jahre alte Junior dennoch mit – ganz ohne Schulhof-Geschubse.

          Der Arsenal- und der Chelsea-Trainer sind wahrlich keine Freunde Bilderstrecke

          Ja, so ein Trainerjob kann ganz schön anstrengend fürs Familienleben sein. Während andere das Wochenende mit der Familie genießen, muss man sich vor Millionenpublikum mit dem lieben Kollegen herumschlagen. Da kommt die Spielpause wegen der EM-Qualifikation gerade recht. Auch Louis van Gaal darf dann ein wenig durchschnaufen. Der letzte reguläre Urlaub liegt schon etwas zurück. Im Sommer führte er Holland bei der WM auf Platz drei. Am Endspiel-Sonntag kehrte er nach Europa zurück, am Mittwoch stand er schon bei seinem neuen Arbeitgeber Manchester United wieder auf dem Trainingsplatz.

          „Ich brauche keinen Urlaub“, behauptete van Gaal damals. Ob seine Gattin das auch so sah, ist nicht überliefert. Am Sonntag durfte sie sich mit ihrem Louis immerhin über einen 2:1-Sieg über Everton freuen. Angel di Maria traf, David de Gea hielt einen Elfmeter, Falcao machte den Sieg mit seinem ersten Tor für United perfekt. Nun steht Manchester auf Platz vier. Alles gut also für van Gaal? Nicht ganz, schließlich hat auch er einen persönlichen Feind. Sein ewiger niederländischer Gegenspieler Johan Cruyff ätzte mal am Wochenende wieder über den Spielstil von „Kontroll-Freak“ van Gaal.



          Kaum Zeit für Vergnügen abseits des Stadions gönnte sich Pep Guardiola. Nach dem 4:0-Sieg über Hannover hatte der Bayern-Trainer in bester van Gaalscher Feierbiest-Tradition den Spaß-Appell an seine Spieler gerichtet. Die kamen samt Familien auch gut gelaunt zum Oktoberfest. Guardiola, mit Frau Cristina erschienen, aber verabschiedete sich, bevor es lustig wurde, wieder und reiste nach Italien – Spielbeobachtung in Turin, wo Champions-League-Gegner AS Rom in einem turbulenten Spiel mit drei Elfmetern, drei Platzverweisen und einem späten Traumtor von Juves Leonardo Bonucci mit 2:3 verlor.

          Stress mit den eigenen Spielern hatte Diego Simeone. Bei Atletico Madrids 1:3 in Valencia musste er nicht nur sehen, wie sich sein einst so abwehrstarkes Team in sieben Minuten drei Tore einschenken ließ, sondern auch wie Guilherme Siqueira dem früheren Münchner Mario Mandzukic den Ball beim Elfmeter klaute – und verschoss. Als Simeone sich wieder gefasst hatte, sagte er nur: „Siqueira wird vorerst wohl keinen Elfmeter mehr schießen.“ In der Kabine dürfte die Wortwahl anders ausgefallen sein. Ganz oben in Spanien steht der immer noch gegentorlose FC Barcelona, Ronaldo mit seinen Saisontoren 11 bis 13 und Benzema fertigten für Real Madrid im Alleingang Bilbao mit 5:0 ab.

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