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Eichlers Eurogoals : Deine Zähne sind im Abseits

Wird er morgen entlassen? Liverpool-Coach Brendan Rodgers
Wird er morgen entlassen? Liverpool-Coach Brendan Rodgers : Bild: AP

Natürlich geht das alles auch deutlich eleganter, wofür vor allem englische Fans ein Faible haben. Am Sonntag etwa brachten Dutzende Anhänger von Manchester United ganz spezielle Utensilien für den Klassiker gegen den FC Liverpool mit ins Stadion. Im Mai hatte Liverpool die große Chance auf den ersten Meistertitel seit 24 Jahren verpasst, als Kapitän Steven Gerrard im Spiel gegen Chelsea als letzter Mann unbedrängt ausrutschte, auf den Hintern fiel und den entscheidenden Gegentreffer herschenkte.

Nun, im Old Trafford, hielten ihm die United-Fans gelbe Warnhinweise mit der Aufschrift „Wet Floor“ (Nasser Boden) entgegen, wie ihn Putzpersonal nach dem Feudeln öffentlicher Toiletten aufstellt. Liverpool rutschte trotz der Warnung weiter ab. Nach dem Aus in der Champions League gegen den FC Basel und dem 0:3 in Manchester stehen die „Reds“ nach dem schlechtesten Saisonstart seit fünfzig Jahren (21 Punkte in 16 Spielen) nur noch auf Platz neun.

„Du bist nur eine fette Paris Hilton“

„You’re gonna sacked in the morning“, so riefen die United-Anhänger Liverpools Trainer Brendan Rogers zu den Klängen von „Guantanamera” entgegen. Es ist einer der Klassiker in englischen Stadien: „Morgen früh wirst du entlassen”. Ebenso gern genommen, wenn man hoch gewinnt: „Können wir nicht jedes Mal gegen euch spielen?“

Sollte man diese Form der Schmähkultur verbieten? Oder den „chant“, der einem weiteren früherer Liverpooler, dem blonden, Pferdeschwanz tragenden Ukrainer Andrej Woronin einst von Arsenal-Fans gewidmet wurde? „Fat Paris Hilton, you’re just a fat Paris Hilton“, sangen sie: Du bist nur eine fette Paris Hilton. Der Text zur gängigen Melodie von „Guantanamera“ ist seit Jahrzehnten auf viele Spieler variiert worden, etwa den Holländer Jimmy Floyd Hasselbaink, einst FC Chelsea. Ihn begrüßten die Anhänger von Newcastle United mit den Worten: „Fat Eddie Murphy, you’re just a fat Eddie Murphy“.

Beleidigung und Reaktion: Zinedine Zidane streckt Marco Materazzi im WM-Finale 2006 nieder
Beleidigung und Reaktion: Zinedine Zidane streckt Marco Materazzi im WM-Finale 2006 nieder : Bild: Reuters

Auf dieselbe Melodie werden auch Texte gelegt, um eigene Spieler zu feiern, auch in deutschen Stadien, nach dem Muster: „There’s only one David Beckham“ oder „Es gibt nur ein’n Arjen Robben“. Doch selbst dabei, beim Bejubeln eigener Helden, lassen sich Wortwitz und Schmäh unterbringen, wie die Anhänger der Glasgow Rangers einst bewiesen. Nachdem bei ihrem Torwart Andy Goram eine leichte Form von Schizophrenie diagnostiziert worden war, sangen sie: „There’s only two Andy Gorams“. Es gibt nur zwei Andy Gorams. Geschmacklos, aber gut.

Sogar Schiedsrichter machen manchmal schlagfertig mit beim Austauschen von Verbal-Fouls. Paul Breitner sagte in seinen späten Spielertagen einmal zu Wolf-Dieter Ahlenfelder, dem im vergangenen August gestorbenen Original an der Pfeife: „Du pfeifst wie ein Arsch.“ Darauf Ahlenfelder zu Breitner: „Und du spielst wie ein Arsch.“

Prähistorische Schiedsrichterbeleidigung

Üblicherweise gilt aber, dass man beim Fußball, diesem Fest der unzivilisierten Parteilichkeit, den Unparteiischen besser nicht einbezieht in den Austausch von verbalen Ruppigkeiten. Nicht jeder kommt so glimpflich davon wie Breitner, also mit einer Gegenbeleidigung.

Meist versteht der Schiedsrichter in dieser Angelegenheit keinen Spaß, zu Recht, er hat ja eine Autorität zu wahren, ohne die kein Spiel funktionieren würde. Und manchmal versteht er auch noch mehr, als er soll. So wie der Engländer David Elleray, der einst in der Premier League von Joe Royle, dem früheren Trainer des FC Everton, als „Pterodactylus“ bezeichnet wurde. Das ist ein ausgestorbener Stummelschwanzsaurier und damit eine ziemlich idiotensichere Beleidigung. Dachte Royle. Elleray aber war im Hauptberuf Schulhausmeister und schob täglich die Saurierschautafeln in den Biologie-Saal. Er kannte seinen Pterodactylus. Das brachte Royle eine Geldstrafe ein – wegen prähistorischer Schiedsrichterbeleidigung.

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