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Eurogoals : Eine Silberhochzeit und drei Triple-Anwärter

Sparsamer Applaus: Juventus Turin hat die Meisterschaft noch nicht gesichert Bild: AFP

Während die Bayern auf dem Sofa Jubiläum feiern, verspielt Juventus die Stadtherrschaft. Barca und Real bleiben Kopf an Kopf. Und drei der üblichen Verdächtigen träumen noch vom Triple.

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          Diesen einen Schritt sind die Bayern ihren drei Konkurrenten um die Vorherrschaft im europäischen Vereinsfußball schon mal voraus. Während die Münchner am Sonntag dank des Sieges ihres Uralt-Rivalen Borussia Mönchengladbach gegen den VfL Wolfsburg auf dem Sofa frühzeitig nationaler Meister wurden, hat es Juventus Turin in Italien verpasst, einen Schlussstrich unter die Liga-Entscheidung zu ziehen. In Spanien kämpfen die Rivalen FC Barcelona und Real Madrid weiterhin Kopf an Kopf um die Vormachtstellung.

          Nach der unerwarteten 1:2-Niederlage im Lokalderby beim FC Turin hat Juve in der Serie A nur noch 14 Punkte Vorsprung auf Lazio Rom - bei sechs ausstehenden Spielen dürfte aber nicht mehr allzu viel schief gehen. Die vergebene Chance auf den frühzeitig sichergestellten abermaligen „Scudetto“ wurde von Ausschreitungen begleitet.

          Der 31. Titel für Juve ist dennoch sicher

          Fans des kleineren der beiden Turiner Klubs, in der Tabelle derzeit auf Rang acht und auch sonst im grauen Mittelfeld der Wahrnehmung plaziert, warfen vor dem Spiel im Olympiastadium Steine auf den Juve-Bus. Eine Scheibe zerbrach, verletzt wurde niemand. Mindestens neun Menschen trugen allerdings wegen der im Stadion entzündeten Feuerwerkskörper Blessuren davon.

          Ausschreitungen vor und während des Spiels überschatteten das Derby in Turin

          Auf dem Platz verlor der Spitzenreiter nach 1:0-Führung dank Spielmacher Andrea Pirlo unerwartet noch mit 1:2. Ausgerechnet der frühere Juve-Stürmer Fabio Quagliarella stellte den Scoop mit seinem Tor sicher. Es war der erste Sieg für den FC über Juve seit zwanzig Jahren, dennoch ist dem Rekordmeister der Titel kaum noch zu nehmen. Es wird der 31. offiziell anerkannte sein - die beiden von 2005 und 2006 wurden wegen des Manipulationsskandals ja aberkannt - und der vierte in Serie.

          Silberhochzeit in Bayern

          Fast schon deutsche Verhältnisse südlich der Alpen, denn auch in der Bundesliga wird seit einigen Jahren ja nur noch die Frage des Zeitpunkts und des Vorsprungs für Meister Bayern diskutiert. Diesmal war es am fünftletzten Spieltag mit 15 Punkten Abstand soweit. Allerdings mutet die Münchner Bilanz im Vergleich zu der von Juventus noch bescheiden an, denn der Couch-Titel vom Wochenende war ja erst Nummer 25.

          „Den 25. Titel kann man mit einer Silbernen Hochzeit vergleichen“, wagte sich Ehrenpräsident Franz Beckenbauer mit einer besonders schiefen Metapher hervor. Zwar ist der „Kaiser“ allwissender Fußball-Experte, doch als Silberhochzeits-Fachmann ist er nicht in Erscheinung getreten: seine erste Ehe wurde nach 24 Jahren geschieden, seine zweite hielt nur noch 14 Jahre. Immerhin, die dritte läuft noch - immerhin seit 2006.

          Noch lange keine Entscheidung in Spanien

          Im Land der „spanischen Verhältnisse“ ist die Frage nach dem Titelträger nach 33 von 38 Spieltagen noch nicht entschieden. Mit einem 2:0-Sieg im Lokalderby bei Espanyol Barcelona festigte der FC Barcelona, 22-maliger Meister, am Wochenende seine Spitzenposition mit 81 Punkten. Rivale Real Madrid, mit 32 Titeln Rekordmeister, bleibt aber dran: die „Königlichen“ gewannen 4:2 bei Celta Vigo und liegen damit weiter nur zwei Punkte hinter den Katalanen.

          Große Freude: FC-Stürmer Neymar (oben) trifft im Barcelona-Derby gegen Espanyol

          Sicher scheint, dass Atlético Madrid - das sich im vergangenen Jahr vor die Großen drängte - bei neun Punkten Rückstand in der Primera División keine realistische Chance mehr auf die Titelvereidigung hat. Nachdem Atlético von Real aus der Champions League gekegelt wurde, und im Pokal am FC Barcelona scheiterte, wird die dritte Macht im Lande in dieser Saison leer ausgehen.

          Die üblichen Verdächtigen: „Warum immer ich?“

          Real geriet am Wochenende in Vigo schon nach neun Minuten, ehe der Deutsche Toni Kroos die Wende einleitete. Zweimal Javier Hernandez und James Rodriguez machten den Sieg der Madrilenen perfekt.

          Im katalanischen Stadtderby war Superstar Lionel Messi an beiden Treffern beteiligt. Der Argentinier leitete den Spielzug ein, den Neymar zum Führungstreffer nutzte und erzielte das zweite Tor selbst. Diesem Treffer war allerdings eine Abseitsstellung von Luis Suárez vorausgegangen. Schiedsrichter Mateu Lahoz soll sich im Kabinengang für die Anerkennung des Tores entschuldigt haben. Als falsche Kompensation stellte er nach der Pause Barça-Verteidiger Jordi Alba mit zwei Gelben Karte binnen Sekunden vom Platz. Die erste Verwarnung erhielt Alba wegen Ballwegschlagens, die zweite wegen Meckerns gleich hinterher. „Die erste Gelbe war berechtigt, aber der Platzverweis nicht“, beklagte sich Alba. „Ich hatte nur gefragt: Warum immer ich?“

          Für drei Topteams ist noch das Triple drin

          Es sind eben immer dieselben, im positiven wie im negativen Sinn: drei der vier Topteams, die im Halbfinale der Champions League stehen, sind auch noch Anwärter auf ein Triple. Der FC Barcelona genießt im Finale um die Copa del Rey am 30. Mai gegen Athletic Bilbao sogar Heimrecht. Juventus Turin muss dagegen im nationalen Pokal-Endspiel mit einem Handicap antreten. In Rom geht es gegen Lazio Rom - und zwar am 7. Juni, dem Tag nach dem Champions-League-Finale in Berlin. Offenbar trauen die italienischen Spielplangestalter ihrer besten Mannschaft den Coup, um den Cup der Champions zu spielen, nicht zu.

          Backen aufblasen für das Saisonfinale: Juventus-Torwart Gianluigi Buffon hat noch drei Titel in Sicht

          Aussichten auf zwei Endspiele in Berlin hat Bayern München, muss dazu aber nicht nur Barcelona, sondern zuvor schon an diesem Dienstag den wiedererstarkten nationalen Rivalen Borussia Dortmund aus dem Weg räumen - zu Hause im Halbfinale des DFB-Pokals (20.30 Uhr / Live in der ARD, bei Sky und im DFB-Pokal-Ticker auf FAZ.NET). Es ist erst zwei Jahre her, dass dieses Duell im Finale der Champions League ausgetragen wurde - diesmal ist es für den Herausforderer die einzige Chance, um die Aussicht auf einen Titel zu wahren. Gut für die Bayern, dass sie sich für die Erringung des Ligatitels nicht weiter anstrengen mussten.

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