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Eichlers Eurogoals : Wo sind nur all die Holländer hin?

Bei der WM war er mit Holland noch „King Louis“. Nun kämpft Louis van Gaal mit Manchester United um den Anschluss. Bild: AFP

Fußballspieler und Trainer aus den Niederlanden waren einmal der Exportschlager schlechthin - Vergangenheit. Arjen Robben agiert als Solitär bei den Bayern. Der Rest? Ist über den Zenit hinaus.

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          Wo sind sie nur hin, die Holländer in unserem Leben? Rudi Carrell machte die Deutschen locker und hätte sogar „Wetten, dass“ lustig am Leben gehalten. Herman van Veen steckte mit „Ich hab‘ ein zärtliches Gefühl“ eine ganze Gefühls-Generation an. Und Lou van Burg setzte gekonnt den goldenen Schuss - den seine Landsleute in der Bundesliga nun auch nicht mehr hinkriegen. Große Ausnahme: der unersättliche Arjen Robben. Ab und zu auch mal Klaas-Jan Huntelaar. Diese beiden sind die einzigen aus der Bundesliga, die „Bondscoach“ Guus Hiddink zu seinem Schicksalsspiel gegen Lettland nominiert hat.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Trotz des dritten Platzes bei der WM sind die Holländer derzeit im Schwinden und Verschwinden begriffen im europäischen Fußball. Diese unglaubliche Nation, die noch in den 60er Jahren in der EM-Qualifikation an Luxemburg scheiterte, dann urplötzlich in den 70ern eine Weltmacht des Fußballs wurde, den „totalen Fußball“ erfand und aus einer Population, die nur ein Fünftel Deutschlands beträgt, jahrzehntelang genauso viele großartige Fußballer wie der große Nachbar hervorbrachte – sie droht erstmals in die Fußball-Normalität abzurutschen.

          Außer Robben, dem Solitär der Bayern, sind die verbliebenen Holländer in der Bundesliga allesamt über ihren Zenit hinaus. Das gilt nicht nur für Veteranen wie Rafael van der Vaart oder Johnny Heitinga, auch für einen 27-Jährigen wie Eljero Elia. Neue, junge Spieler, die sich der begehrten Bundesliga aufdrängen, sind nicht in Sicht.

          Alle Spiele, alle Tabellen der Champions League 2014/2015

          Andere Nachbarländer tragen inzwischen mehr zur Qualität der Bundesliga bei – ob Belgien mit dem famosen Kevin de Bruyne, die Schweiz mit Torhütern wie Yann Sommer oder Roman Bürki, Österreich mit den Verteidigern David Alaba und Martin Stranzl. Oder Polen mit einem Torjäger wie Robert Lewandowski und nun auch, zumindest einen Samstag lang, mit einem gewissen Pawel Olkowski. Mit zwei tollen Toren schoss er die Kölner beim 4:3 in Hoffenheim rechtzeitig zum 11.11. nach 11 Spielen mit 11:11 Toren auf Platz 10.

          Der letzte begehrte Holländer in der Bundesliga: Arjen Robben.

          Trainer der Kölner ist ein Österreicher, Peter Stöger, ebenso wie der Trainer des Zweitliga-Tabellenführers Ingolstadt, Ralph Hasenhüttl. Der des Bundesligadritten Mönchengladbach, Lucien Favre, ist Schweizer. Und wo sind die Holländer? Nur noch Jos Luhukay hält in Berlin noch tapfer die Stellung. Auch die Trainer der Niederlande, ebenso wie die Spieler wegen vorbildlicher Ausbildung und großer Erfolge jahrzehntelang in aller Welt begehrt, werden zunehmend zu Randfiguren.

          Sie haben ihren Klubs, jedenfalls in Deutschland, zuletzt auch nicht mehr weitergeholfen. Bert van Marwijk trieb den HSV nur noch tiefer in die Krise. Auch Huub Stevens hinterließ in Stuttgart nicht gerade ein Erfolgskonzept. Mit Gertjan Verbeek stieg der 1. FC Nürnberg ab. Alle drei Trainer sind nun ohne Job. Der lustige Arie Haan hat schon lange aufgehört, während der unlustige Dick Advocaat auf seiner sechsten Station als Nationaltrainer angekommen ist, Tendenz absteigend, finanziell und sportlich, gestern Russland, heute Serbien.

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