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Eichlers Eurogoals : Wo bleiben Mandela Müller und Obama Olaidotter?

Die armen Haare können nichts dafür - Lionel Messi und Barca spielen in letzter Minute remis Bild: AFP

Das Wochenende in Europa bot wieder einige Geschichten: Kuriose Vornamen von Torschützen, ein Spielabbruch mit zwei Pleiteklubs und Gerüchte auf rosa Zeitungspapier. Und dann war da auch noch Thiago Schumacher. Ein Fall für Joachim Löw?

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          Komische Namen hatten Fußballer schon immer. Sie hießen Bauchspieß und Spundflasche, Derbfuß und Kunstwadl. Hießen Hermandung und Störzenhofecker, Oleknavicius und Olaidotter. Oder auch Jan-Ingwer Callsen-Bracker, der allerdings den Verdacht aufkommen ließ, dass man mit sperrigen Doppelnamen besser Justizministerin wird als Fußballer.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Nicht mal der eigene Manager konnte sich den Namen merken. Nachdem der 18 Jahre alte Nachwuchsmann einst beim Champions-League-Spiel von Bayer Leverkusen gegen Newcastle eingewechselt worden war, nannte Reiner Calmund ihn „Callsen-Gedönsheimer-Schmallenberg“. Inzwischen spielt er nicht mehr in Leverkusen, sondern drückt die Bank in Mönchengladbach.

          Nun können wir die Sammlung kurioser Fußballernamen durch einen sehr wohlklingenden aus Finnland ergänzen. Dank seines Treffers schaffte Inter Turku im finnischen Pokalfinale am Samstag den Ausgleich gegen Tampere United und gewann noch 2:1. Sein Name: Kennedy Ugoala Nwanganga. Charismatische Politikernamen scheinen derzeit im Trend. Ob wir es noch erleben werden, dass Pokalfinals in vielleicht zwanzig Jahren von Spielern entschieden werden, die als Vornamen die Nachnamen neuerer amerikanischer Präsidenten tragen? Und wir meinen jetzt nicht Bush.

          So weit ist Barcelona doch gar nicht enteilt: Gonzalo Higuain und Real Madrid liegen einen Punkt zurück

          Bekommt Franz Beckenbauer wieder Angst vor Braga

          Zurück in die Fußballwirklichkeit, die für manchen Gewohnheitssieger im Augenblick ein wenig trist aussieht. Der FC Liverpool zum Beispiel, der noch vor einer Woche Manchester United triumphal besiegte, holte sich nun wieder eine Niederlage ab, die fünfte der Saison. Der famose Fernando Torres traf zwar auch in Fulham, das neunte Tor im neunten Spiel.

          Doch nach einer Stunde holte ihn Trainer Benitez zwecks Schonung für das entscheidende Champions-League-Spiel in Lyon am Mittwoch (20.45 Uhr / FAZ.NET-Champions-League-Liveticker) vom Platz, und Liverpool verlor 1:3 (wobei man mit zwei Roten Karten für Degen und Carragher zum bunten Premier-League-Abend mit sieben Platzverweisen in acht Partien viel beitrug). Liverpool steht auf Platz sechs der Tabelle, so wie der FC Bayern in der Bundesliga.

          Wenn das so bleibt, bekommt Franz Beckenbauer bestimmt wieder Angst vor Braga. Im vergangenen April, in den letzten Zuckungen der Ära Klinsmann, als die ganze Säbener Straße um die Champions-League-Teilnahme zitterte, malte Beckenbauer die Schrecken der Europa League an die Wand (auf Bairisch auch „Verlierer Cup“ oder „Fiat Punto Clio Cup“): „Ich möchte nicht wieder nach Braga, zwischen zwei Felsen, wo die Tore stehen. Da gehört der FC Bayern nicht hin.“

          Der SSC Neapel versteht es, Zwei-Tore-Rückstände aufzuholen

          Nun, man kann den „Kaiser“, der ja in diesem Monat alle Bayern-Ämter aufgibt und dann endlich die Rente durch hat, beruhigen: Denn Braga spielt in der nächsten Saison wohl nicht Europa League. Sondern Champions League. Der Klub, der noch nie Meister war, führt die portugiesische Liga mit der hübschen Ausbeute von 25 Punkten aus neun Spielen überlegen an. Am Samstag verlor zwischen den Granitfelsen von Braga (wo der FC Bayern vor zwei Jahren 1:1 spielte), der härteste Verfolger Benfica Lissabon 0:2.

          Sechster wie Bayern und Liverpool ist auch der SSC Neapel, nur ist dort die Stimmung besser, weil man weniger erwartet hat. Vielleicht war sie nie seit den Zeiten Maradonas so gut. Denn seit Trainer Walter Mazzarri den Job von Roberto Donadoni vor vier Wochen übernahm, zeigen die Neapolitaner, dass man es nicht nur in der Bundesliga versteht, Zwei-Tore-Rückstände aufzuholen (wie Schalke, Bremen oder Mainz).

          Hamsik gegen Toni - nur Gerüchte auf rosa Zeitungspapier

          Am Mittwoch hatte der SSC nach zwei frühen Gegentoren 84 Minuten lang 0:2 gegen den AC Mailand zurückgelegen - und dann mit zwei Treffern in der Nachspielzeit noch das 2:2 geschafft. Am Samstag lagen sie nach 54 Minuten auch bei Juventus Turin 0:2 zurück - und gewannen noch 3:2. Ein Team, so unberechenbar wie der Vesuv.

          All das geschah sehr zur Freude von Tabellenführer Inter, der seinen Vorsprung vor Juventus und Sampdoria Genua auf sieben Punkte ausdehnte. Überragender Neapolitaner war ein Slowake, der offensive Mittelfeldmann Marek Hamsik, der zwei Tore schoss und von europäischen Top-Teams wie Chelsea umschwärmt wird. Auch der FC Bayern soll Interesse gezeigt haben, etwa im Tauschgeschäft mit einem gewissen Luca Toni, aber das sind vorerst nur Gerüchte auf rosa Zeitungspapier.

          Ein Austria-Torschütze sticht ins Auge: Thiago Schumacher

          Was sonst geschah? Real Madrid schaffte trotz 63-minütiger Unterzahl einen 2:0-Sieg gegen Getafe und bewahrte Trainer Manuel Pellegrini nach der 0:4-Pokalniederlage beim Drittligaverein Alcorcon vor weiteren Diskussionen. Weil Barcelona durch Piques Eigentor in der Nachspielzeit in Pamplona nur 1:1 spielte, beträgt der Rückstand von Real nur noch einen Punkt. In Schottland steht nach den Glasgow Rangers nun auch Dundee United wegen maroder Finanzen unter Kontrolle einer Bank. Das Wetter passte sich der Stimmung an, der Regen verwandelte das Spielfeld in Dundee in einen Teich, und so musste am Sonntag das Duell der beiden Pleiteklubs nach einer Halbzeit abgebrochen werden.

          Und in Österreich verlor Austria Wien die Tabellenführung durch ein 3:4 beim Aufsteiger Wiener Neustadt, wobei vor allem der Namen eines Austria-Torschützen ins Auge stach: Thiago Schumacher. In Wirklichkeit heißt er Thiago Maier dos Santos, ist Brasilianer und hat nicht nur einen deutschen Schäferhund im Stammbaum. Ein Fall für Joachim Löw? Wir schließen nichts mehr aus, erst recht nicht, dass wir noch deutsche Nationalspieler mit Namen wie Mandela Müller erleben. Oder einen Pokalhelden namens Obama Olaidotter.

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