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Eichlers Eurogoals : Willkommen beim FC Babylon

Er wird mit angeblich 20 Millionen Euro pro Jahr zum höchstbezahlten Fußballer der Welt Bild: AFP

Die neue Attraktion in Fußball-Europa ist Anschi Machatschkala. Im Nordkaukasus suchen sie nun einen Trainer - eine Mischung aus Dolmetscher und Dompteur. In Barcelona indes haben sie ganz andere Probleme - mit dem Trikot.

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          Als Fußballtrainer hat man es nicht leicht, aber wenigstens tun sich immer mal wieder ganz neue Arbeitsfelder auf. Zum Beispiel bei Anschi Machatschkala, jenem Klub am Kaspischen Meer, der seit Anfang dieses Jahres die stetig wachsende Liga der Milliardärsspielzeuge bereichert.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Der russische Oligarch Suleiman Kerimow, der 2006 ein anderes Spielzeug, einen von nur 400 gebauten Ferrari Enzo, an einer Palme der Promenade von Nizza lebensgefährlich in zwei Teile zerlegte, findet Fußball offenbar sicherer als Ferraris und leistet sich nun Formel-1-Fußballer wie Roberto Carlos oder Samuel Eto’o. Der kam im August für die Ablöse von 27 Millionen Euro von Inter Mailand. Und wurde in Machatschkala mit angeblich 20 Millionen Euro pro Jahr zum höchstbezahlten Fußballer der Welt.

          Und wie ist nun so das Leben als Weltstar im Nordkaukasus? Eto’o gefällt’s. „Es ist ziemlich lustig hier“, erzählt er in einem Interview mit einer italienischen Zeitung. „Während der Trainingseinheiten ist es wie ein Theater. Jeder ausländische Spieler hat einen persönlichen Dolmetscher. Und wenn der Cheftrainer Anweisungen gibt, sieht man sechs oder sieben Dolmetscher auf dem Platz herumspringen, um es ihren Klienten zu übersetzen. So was habe ich noch nie gesehen. Es ist lustig und interessant.“

          Kerimows Rechnung geht bisher nicht so recht auf

          Willkommen beim FC Babylon. Kein Wunder allerdings, dass sich der bisherige Cheftrainer nicht so recht hat verständlich machen können. Deshalb ist Gadschi Gadschiew nun vom ungeduldigen Ober-Oligarchen entlassen worden. Schließlich geht Kerimows Rechnung bisher nicht so recht auf.

          Da hat er nicht nur Eto’o neu verpflichtet, auch den Russen Juri Schirkow (vom FC Chelsea für 15 Millionen Euro), den Ungarn Balazs Dzsudzsak (Eindhoven, 14 Millionen), den Marokkaner Mbark Boussoufa (Anderlecht, 8 Millionen) – und sein Team fiel, statt die Spitze der russischen Premier-Liga zu erstürmen, von Platz vier auf acht zurück. Und das trotz Eto’s drei Toren in bisher fünf Spielen. Zuletzt traf aber auch er beim 0:1 gegen Lokomotive Moskau nicht.

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          Österreichisch, Serbisch, Ungarisch, Brasilianisch, Hebräisch, Bulgarisch - nur Deutsch nicht: Trainer Lothar Matthäus :

          Da ist nun also ein reizvoller Trainerjob frei geworden. Gesucht wird allerdings weniger ein Trainer als eine Mischung aus Dolmetscher und Dompteur. Motto: keine Angst vor großen Tieren. Und da fällt uns zuallererst der gute alte Lothar Matthäus ein, der ja einschlägige Erfahrungen besitzt.

          Schließlich hat er sich schon auf der halben Welt in allen möglichen Sprachen unverständlich gemacht: auf Österreichisch, Serbisch, Ungarisch, Brasilianisch, Hebräisch, Bulgarisch. Nur auf Deutsch will ihn einfach niemand arbeiten lassen.

          Heimspiele sind Auswärtsspiele - und Auswärtsspiele oft Heimspiele

          All das prädestiniert ihn fast schon für den Job in Machatschkala, wobei der eigentliche Dienstsitz Moskau ist. Denn wegen der Anschlagsgefahr in der Teilrepublik Dagestan, in der Machatschkala liegt, und der Nähe zu Tschetschenien trainiert das Team in der Hauptstadt und fliegt nur zu den Heimspielen ein.

          So sind die Heimspiele Auswärtsspiele, während die Auswärtsspiele bei den vier Moskauer Klubs Heimspiele sind. (Ein Gegenstück zur ersten Liga von Malta, wo alle Mannschaften immer Heimspiele haben, weil es nur ein einziges Stadion in der Hauptstadt La Valletta gibt.)

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