https://www.faz.net/-gtm-7h4w8

Eichlers Eurogoals : Wer ist schon Gareth Bale?

Hatte in der vergangenen Saison viel Grund zum Jubeln: Gareth Bale wurde mehrfach als bester Spieler der englischen Premier League ausgezeichnet Bild: AFP

Der Waliser Gareth Bale ist der teuerste Fußballer aller Zeiten. 100 Millionen Euro überweist Real Madrid für ihn. Mit Cristiano Ronaldo könnte er nicht nur die teuerste, sondern auch die beste Flügelzange der Welt bilden.

          4 Min.

          Wer ist schon Gareth Bale? Mit dem Namen konnten außerhalb der engeren Fußballszene bis vor ein paar Wochen nicht viele etwas anfangen - bis der segelohrige Waliser als das teuerste Transfer-Objekt der Geschichte in die Schlagzeilen kam. Dabei wurden die namhaftesten Transfers dieses Sommers gar nicht von Real Madrid gemacht, das sich Bale nun um die 100 Millionen Euro kosten lässt. Sondern bei Atletico.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Damit ist nicht der Madrider Ortsrivale von Real gemeint, sondern ein Team aus der zweiten brasilianischen Liga. Bei diesem unbekannten Klub spielen einige Akteure mit weltbekannten Namen. Am Freitagabend zum Beispiel, als Atletico Goianiense das Duell mit Oeste FC 4:0 gewann, wurde der vierte Treffer in der 90. Minute erzielt von: John Lennon. Die Vorlage, eine Flanke vom rechten Flügel, lieferte ein Mitspieler, der sich so nennt: Michael Jackson. „Ein musikalisches Tor“ feierte man danach in Brasilien. Leider nur auf der Bank saß ein Kollege, der sich dort aber den Ärger über die Nichtnominierung bestimmt verkniff und für vorbildlich friedliche Stimmung sorgte: Mahatma Gandhi.

          Ein bleischweres Preisschild

          Natürlich sind John Lennon Silva Santos, Carlos Adriano de Souza Cruz, genannt Michael Jackson, und Mahatma Gandhi Heber Pio Mattos Pires nicht wirklich von den legendären Toten auferstanden. Sie sind putzmuntere junge Männer, deren Bedeutung wohl nie die ihrer Namensvettern erreichen wird. Doch besitzen sie etwas, das bei nicht wenigen spektakulären Fußballtransfers (außer bei Bale vielleicht) ein wichtiges Motiv zu sein scheint: Namen, die aufhorchen lassen. Lennon, Jackson, Gandhi, alle in diesem Jahr ablösefrei verpflichtet – das nennt man Treffer auf dem Transfermarkt.

          Da wird Gareth Bale wohl viele Spurts an der Seitenlinie des Bernabéu-Stadions zeigen müssen, um sich auch nur annähernd bekannt zu machen – und für Real das Kilometergeld zu amortisieren. Dabei kann er ja gar nichts dafür, nun mit dem bleischweren Preisschild des ersten 100-Millionen-Euro-Mannes um den Hals herumlaufen zu müssen. Er löst damit einen neuen Teamkollegen ab, dem es angeblich gar nicht gefällt, nun nicht mehr Weltrekordmann zu sein und dafür bei Real mit einer ordentlichen Gehaltserhöhung abgefunden sein soll: Cristiano Ronaldo, 2009 für 94 Millionen Euro nach Madrid gekommen. Der brave Bale und der eitle Ronaldo sind völlig unterschiedliche Typen. Das Kuriose dabei: Ihre Stärken sind fast identisch.

          Linksfüßer auf links

          Der Waliser ist vermutlich der Spieler, der dem Portugiesen am nächsten kommt. Zwar noch nicht in der extravaganten Art, sich mit Posen und Pomade zu inszenieren wie der Portugiese; aber bereits in jenen Fähigkeiten, in denen Ronaldo selbst einem Messi oder Ribéry einen Schritt voraus ist: der unübertroffenen Geschwindigkeit mit dem Ball am Fuß, der famosen Schusstechnik bei wuchtigen Abschlüssen aus der Distanz. Gareth Bale hat beides auch. Und dazu etwas, das sogar einen Ronaldo übertrifft und alle anderen Weltfußball auch: eine Tempohärte, mit der er lange Spurts ohne lange Pausen dazwischen aneinanderreiht. Diese Qualität unterscheidet Fußballer von Joggern. Und sehr gute Fußballer von guten.

          Begeisterter Empfang: Gareth Bale bei seiner Vorstellung in Madrid
          Begeisterter Empfang: Gareth Bale bei seiner Vorstellung in Madrid : Bild: REUTERS

          Beide, Ronaldo und Bale, spielen meist auch noch auf derselben Position, als Linksaußen. Kann das gutgehen? Womöglich steht Bale eine Umschulung hervor. Während die meisten Weltklasse-Außen von heute auf der „falschen“ Seite spielen, weil die Priorität nicht mehr darin besteht, bis zur Grundlinie zu ziehen, um zu flanken, sondern nach innen, um zu schießen, wie die Rechtsfüßer Ribéry und Ronaldo von links oder der Linksfüßer Robben von rechts (ebenso wie Messi in seinen ersten Barca-Jahren) – im Gegensatz dazu also spielt Bale bisher auf der „richtigen“ Seite. Ein Linksfüßer auf links – eine Verbindung, mit der es einfacher ist, Flanken zu schlagen als Tore zu schießen.

          Ein Wechsel für die Karriere

          Dass er dennoch in der vergangenen Saison auf 31 Tore kam, davon 21 in der Premier League, und auf 17 Torvorlagen, zeigt seine Klasse. Sollte er, um Ronaldo nicht in die Quere zu kommen, auf Rechtsaußen umsatteln, wie es Robben 2009 nach seinem Wechsel zu den Bayern tat, um mit Ribéry zusammenzupassen, Real hätte eine Flügelzange, die die der Bayern vielleicht noch übertreffen könnte. Auf jeden Fall beim Kaufpreis: rund 200 Millionen gegenüber etwa 50 Millionen.

          Bale gewann 2013 beide Wahlen zum „Fußballer des Jahres“ in England, durch die Fußballprofis und die Journalisten, und außerdem die zum „Jungprofi des Jahres“ – ein Triple, das zuvor nur Ronaldo gelungen war. Der große Zinedine Zidane, inzwischen in der sportlichen Führung von Real Madrid, nannte ihn „den Spieler, der mich in diesem Jahr am meisten beeindruckte. Er ist einzigartig, seine Geschwindigkeit ist beängstigend.’’

          Nur die Entwicklung seiner Karriere ging Bale zu langsam, er merkte mit nun 24 Jahren, dass die Zeit gekommen ist, um als mittlerweile überragender Spieler der Premier League nach sechs Jahren einen Klub zu verlassen, der auch mit ihm nie über das gehobene Mittelmaß hinausgekommen ist. Auch Bales Weitschusstor in der 90. Minute des letzten Spiels der letzten Saison zum 1:0 gegen Sunderland reichte wieder nicht für die Champions League. Den vierten Platz holte sich der Lokalrivale Arsenal, der zum 17. Mal hintereinander die Saison vor den Spurs abschloss und auch am Sonntag das Derby gegen Tottenham, schon seit Wochen ohne Bale, 1:0 gewann. Erst nach der Derby-Niederlage bestätigten die Spurs den Mega-Transfer, der schon seit Wochen festgestanden haben soll.

          Vier Monate Ruhe

          100 Millionen Euro für einen Mann, ein Angebot, das man nicht ausschlagen kann. Dabei ist es womöglich nicht einmal das höchste Angebot des Sportsommers. Sondern: 150 Millionen Euro für eine Frau. Zumindest behauptet das amerikanische Boulevardblatt „National Enquirer“, dass Tiger Woods diese Summe seiner Ex-Frau Elin Nordegren biete, sollte sie das Ex streichen und wieder Mrs. Woods werden. Sicher ist, dass die Liaison sich schon jetzt für das frühere schwedische Model gerechnet hat. Der weltbeste Golfer, der sich jahrelang zu oft vom ehelichen Fairway ins außereheliche Rough verirrte, um dort nach Bällen zu suchen, zahlte bei der Scheidung bereits rund 75 Millionen Euro. Laut dem Bericht ist Elin Nordegren einer Rückkehr nicht abgeneigt. Aber wie ein jeder bessere Kicker mit einem gerissenem Berater, der seinen Marktwert kennt, besteht sie auf einer Ausstiegsklausel. Ihre Höhe: fast 270 Millionen Euro – zahlbar bei erwiesener Untreue.

          Und das Beste an diesem Transfertheater: Es kann nun noch endlos weitergehen. Denn die Bühne von Liebe und Lüge, Treue und Trug, von Ehe und Ende und Reue und Rückkehr hat immer Saison. Anders als im Fußball, da ist von Mittwoch, dem 3. September, an, für vier Monate erst einmal wieder Ruhe.

          Weitere Themen

          „Hanna, lauf einfach!“

          Leichtathletin Klein bei EM : „Hanna, lauf einfach!“

          Die zwei deutschen Leichtathleten mit ihren Silbermedaillen bei der Hallen-EM sind nicht ganz glücklich. Läuferin Hanna Klein indes wird nach einem wilden Rennen Dritte – und hat Tränen in den Augen.

          Topmeldungen

          Der Afroamerikaner Jaques DeGraff lässt sich im Februar in New York gegen das Corona-Virus impfen.

          Impfung gegen Corona : Die alte Angst der Afroamerikaner

          In den Vereinigten Staaten lassen sich deutlich weniger Afroamerikaner impfen als Weiße. Das liegt auch an Erfahrungen, die Schwarze mit Gesundheitsbehörden gemacht haben. Viele kennen noch das Verbrechen von „Tuskegee“.
          Robert Lewandowski (links) schießt noch ein Tor mehr als Erling Haaland.

          FC Bayern besiegt Dortmund : Die große Show des Robert Lewandowski

          Das Topspiel der Bundesliga wird zur Bühne der Torjäger. Haaland trifft früh doppelt für den BVB, doch die Bayern sind am Ende wieder stärker. Denn Lewandowski schießt noch mehr Tore als Haaland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.