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Eichlers Eurogoals : Wenn aus Vorsitzenden Einsitzende werden

José María del Nido, Präsident des FC Sevilla: sieben Jahre Haft wegen Veruntreuung Bild: AFP

Uli H. ist nicht der Erste. Von „Champagner-Willi“ bis zum J.R. von Wanne-Eickel: Es sind nicht die blassesten Präsidenten, die dem Fußball ein solch schönes Panoptikum an krimineller Energie beschert haben.

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          Dies ist leider keine Empfehlung für die Berufswahl. Denn als Fußballpräsident hat man keine gute Sozialprognose. Im Gegenteil: So mancher wird vom Vorsitzenden zum Einsitzenden. Kurz vor dem Prozess des Jahres, dem gegen Uli Hoeneß, erinnert daran ein spanischer Berufskollege des Bayern-Patrons. José María del Nido, zuvor elf Jahre Präsident des FC Sevilla, trat am vergangenen Mittwoch um 8.15 Uhr, eine rote FC-Sevilla-Kappe auf dem Kopf, im Gefängnis der andalusischen Stadt eine siebenjährige Haftstrafe an – wegen Veruntreuung von fast drei Millionen Euro aus der Stadtkasse von Marbella.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Die Tat fiel in seine Tätigkeit als Rechtsanwalt für die Stadtverwaltung von Marbella, deren damaliger Chef als Bürgermeister übrigens auch ein früherer Fußballpräsident war, der von Atlético Madrid: Jesus Gil y Gil. Und auch dieser Jesus, der in 16 Jahren 26 Trainer entließ, nach Gewinn der Meisterschaft 1996 auf einem Elefanten durch Madrid ritt und als Privatvergnügen einen Flugzeugträger erwarb, wusste, wie ein Gefängnis von innen aussieht – weil 1967 beim Einsturz einer der Hochhaussiedlungen, mit denen er als Bauunternehmer Millionen gemacht hatte, 58 Menschen umkamen. Der Diktator Franco begnadigte ihn.

          Ja, es gibt nur einen Pfad der Tugend, aber Tausende, ihn zu verlassen. Das macht die Sache unterhaltsam. Denn es sind es nicht die blassesten und langweiligsten Präsidenten, die dem Fußball ein solch schönes Panoptikum an krimineller Energie beschert haben. So wie schon der Mann, der Hoeneß als Manager einstellte, Willi O. Hoffmann, genannt „Champagner-Willi“; und der 1985 nach Ermittlungen wegen Immobiliengeschäften als Bayern-Präsident zurücktreten musste. Später wurde er zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt – wegen Steuerhinterziehung.

          Carson Yeung, Präsident (und Eigentümer) von Birmingham City: sechs Jahre Haft wegen Geldwäsche
          Carson Yeung, Präsident (und Eigentümer) von Birmingham City: sechs Jahre Haft wegen Geldwäsche : Bild: AFP

          Was heißt da schon „Ehrenamt“? Aber natürlich hat der Fußball selber in den meisten Fällen mit den dunklen Seiten seiner Macher nicht viel zu tun – außer dadurch, dass er nun mal das schnelle Geld liebt, das die, die es mitbringen in ihre Ämter, leider nicht immer auf blütenreine Weise angehäuft haben. So wurde vergangene Woche der Präsident (und Eigentümer) des englischen Zweitligaklubs Birmingham City, Carson Yeung, von einem Gericht in seiner Heimat Hong Kong zu sechs Jahren Haft wegen Geldwäsche verurteilt. Dabei hat Yeung einmal etwas Anständiges gelernt: Herrenfriseur. Als Bilanzfriseur war er weniger begabt.

          Weltmänner und Wichtigtuer

          Auch das Frisieren von Ergebnissen ist bei manchen Präsidenten beliebt. Das oberste Gericht der Türkei hat deshalb im Januar Aziz Yildirim, den Präsidenten des Tabellenführers Fenerbahce Istanbul, rasiert: sechs Jahren und drei Monate wegen Betrugs und Bildung einer kriminellen Vereinigung. Er hatte zahlreiche Spiele der türkischen Süper Lig manipuliert – darunter das letzte der Saison 2010/11, in dem sich Fenerbahce gegen Sivasspor die Meisterschaft sicherte. 

          Aziz Yildirim, Präsident von Fenerbahce Istanbul: sechs Jahre und drei Monate wegen Betrugs und Bildung einer kriminellen Vereinigung
          Aziz Yildirim, Präsident von Fenerbahce Istanbul: sechs Jahre und drei Monate wegen Betrugs und Bildung einer kriminellen Vereinigung : Bild: REUTERS

          Spielabsprachen sind für den Milliardär Gigi Becali, allmächtiger Eigner von Steaua Bukarest, eher kleinere Einträge in seinem Verfehlungsregister. Ein rumänisches Gericht addierte das im vergangenen Jahr mit den Strafen für Bestechung bei Grundstücksgeschäften und für Freiheitsberaubung von drei Autodieben (die er von seinen Bodyguards misshandeln ließ) zu dreieinhalb Jahren Haft. Damit es ihm nicht langweilig wird, bekommt Becali nun Verwandtenbesuch.

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