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Eichlers Eurogoals : So nett hat Mourinho nie geschwindelt

„Es ist eine Schande für ein Team wie Chelsea, wir müssen uns schämen“: José Mourinho Bild: AP

Der FA Cup erlebt den vielleicht verrücktesten Tag seiner Geschichte. Auch Chelsea verliert. Gegen ein Drittligateam. Vor eigenem Publikum. Mit 2:4. Nach 2:0-Führung. Danach geht Trainer Mourinho in ein gewagtes verbales Dribbling.

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          „Das ist die Schönheit des Fußballs“, schwärmte der Verlierer. „Ein viel besseres Team kann ein Spiel verlieren. Im Fußball ist das viel eher möglich als in jedem anderen Sport. Besonders in diesem Land. Besonders in diesem Wettbewerb.“

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          José Mourinho hörte sich fast an wie ein Romantiker des Fußballs, ein Schwärmer des Scheiterns in Schönheit, ein Jünger der Unzähmbarkeit des Spiels. Wäre da nicht bei aller scheinbaren Gelassenheit der leicht verkniffene Blick, der latent gereizte Klang gewesen, mit dem er seinen missratenen Arbeitstag kommentierte. Am Ende räumte er dann doch ein, was er dachte. Also, dass ihn Außenseitersiege nerven: „Es ist schön, dass das möglich ist. Aber ich will nicht derjenige sein, dem es passiert.“

          Was war passiert? Der vielleicht verrückteste Tag in der 144-jährigen Geschichte des ältesten Fußballwettbewerbs der Welt, des englischen FA Cup. Binnen weniger Minuten kurz vor 17 Uhr Ortszeit am Samstag, dem 24. Januar, setzte im Mutterland ein Favoritensterben ein, wie es selbst der Fußball nur alle Jahrzehnte erlebt.

          Es war, als hätten die Top-Teams der Premier League sich in fremde, feindliche Welten verlaufen, so kläglich gingen sie beim Ausflug in den Pokal unter. Dabei war es vertrautes Terrain. Fast allesamt spielten sie zu Hause, weil England den deutschen Brauch nicht kennt, dritt- oder viertklassigen Gegnern im Pokal Heimrecht zuzubilligen.

          Blamagen für Chelsea und ManCity

          Der Tabellendritte FC Southampton verlor zwar nicht gegen einen unterklassigen Gegner, kläglich war es dennoch, das 1:2 gegen den zehn Plätze weiter hinten rangierenden Ligakonkurrenten Crystal Palace. Schlimmer bereits die Heimpleite des Tabellensechsten Tottenham, ein 1:2 gegen Leicester City, den Letzten der ersten Liga.

          Äußerst blamabel dann die Darbietung des Tabellenzweiten und Meisters Manchester City: 0:2 gegen den FC Middlesbrough, einen Zweitligaverein. Unangefochtener Anführer der Peinlichkeitswertung aber, natürlich: der Tabellenführer der Premier League, der FC Chelsea. Mourinhos Team. Es verlor gegen einen Drittligaklub, Bradford City. Vor eigenem Publikum. Mit 2:4. Nach 2:0-Führung.

          Die Spieler von Bradford City können ihr Glück kaum fassen

          Wenigstens war an diesem Tag niemand in der Blamage allein. Kurz vorher, im frühen Nachmittagsspiel, hatte bereits Swansea City die Premier-League-Schwindsucht mit einem 1:3 beim Zweitligaklub Blackburn Rovers eingeleitet. Später, im Abendspiel, entkam der ruhmreiche FC Liverpool an der heimischen Anfield Road mit einem 0:0 gegen die Bolton Wanderers, den 16. der zweiten Liga, nur knapp einer Pleite. Sie kann im Wiederholungsspiel in Bolton noch Realität werden.

          Dem größten denkbaren Debakel aber war schon am Abend zuvor der Rekordmeister und Tabellenvierte, Manchester United, mit Müh und Not entgangen. Das Team von Louis van Gaal spielte beim Viertligaverein aus Cambridge, einem Ort, in dem man für gewöhnlich mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit einem Nobelpreisträger als einem brauchbaren Verteidiger begegnet. Man rettete ein 0:0 auf die Heimfahrt nach Manchester. Auch hier geht es nun ins Wiederholungsspiel. Als bisher einziger Spitzenklub der Premier League erreichte Arsenal das Achtelfinale – durch ein umkämpftes 3:2 beim Zweitligaverein Brighton & Hove Albion, bei dem Mesut Özil zum ersten Mal seit September ins Tor traf.

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