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Eichlers Eurogoals : Unauffällig bleibt Beckham nur auf dem Platz

Ja, ihn gibts wirklich: David Beckham (über Alexandre Da Silva Pato) Bild: dpa

David Beckham gibt es wirklich, hat Christian Eichler festgestellt: nicht nur als Werbefigur, als Star einer virtuellen Welt. Nein: auch als Fußballer. Weitere Mitläufer in seinen Betrachtungen über den internationalen Fußball sind Didier Drogba, Michael Ballack und der Yeti.

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          David Beckham in Mailand, das ist wie in dem alten Bergsteiger-Witz. Treffen sich zwei Yetis, sagt der eine: Du, ich habe den Reinhold Messner getroffen. Sagt der andere: Was, den gibt's wirklich? Ja, auch David Beckham gibt es wirklich - nicht nur als Werbefigur und Medienfokus, als Star einer virtuellen Welt. Nein: auch als Fußballer. Das hatte man ja beinahe vergessen können, seit er zum Wintertraining aus Hollywood eingetroffen war.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Die Ankunft der Beckhams in Italien: ein einziger Catwalk. Das Trainingslager des AC Mailand in Dubai: „wie ein Filmset“, so Uli Hoeneß, dessen Bayern dort vergleichsweise unbemerkt blieben. Das Quartier Beckhams in Rom bei seinem ersten Arbeitseinsatz: dieselbe Suite, in der sonst Leonardo di Caprio absteigt. Und bei jedem Start, jeder Landung am Flughafen: ein Gedrängel von Fans und Fotografen, gegen das jeder Winterschlussverkauf ein Waldspaziergang ist. Der einzige Ort, an dem David Beckham unauffällig bleibt, ist der Fußballplatz.

          Es war ein Hauch von Prominentenfußball

          Immerhin, nicht verloren beim Ligadebüt, ein 2:2 beim AS Rom am Sonntag Abend. Und entgegen der öffentlichen Empfehlung von Silvio Berlusconi, dem ja nicht nur Italien gehört, sondern auch der AC Mailand, dass man Beckham mangels Fitness nur in der zweiten Halbzeit einsetzen sollte, stellte Trainer Carlo Ancelotti den englischen Hollywood-Star tatsächlich von Beginn an auf. Auf der rechten Seite trabte Beckham 89 Minuten lang mit, wurde erst nach Ronaldinho ausgewechselt.

          Beckham beim AC Mailand: ein einziger Catwalk
          Beckham beim AC Mailand: ein einziger Catwalk : Bild: AFP

          Es war ein Hauch von Prominentenfußball. Immerhin, ein paar Flanken und Freistöße zeigten, dass sein rechter Fuß die Schärfe noch nicht verloren hat. Ansonsten hätte ein Personalchef es so formuliert: Er hat sich im Rahmen seiner Möglichkeiten redlich bemüht. Bis zur Rückkehr nach Los Angeles mit Beginn der US-Saison im März bleiben noch neun mögliche Liga-Auftritte für den 33-jährigen Altstar, der im Senioren-Klub von Milan so alt dann wieder gar nicht aussah. Die beiden Tore schoss übrigens die einzige Jungkraft von Milan, der 19-jährige Brasilianer Pato.

          Ein rostiges Russen-Team ging 0:3 unter

          José Mourinho muss sich über Milan keine Sorgen machen. Mit Inter liegt er, trotz eines 1:1 gegen Cagliari, neun Punkte vor dem Lokalrivalen an der Spitze der Serie A. So flog der Portugiese, statt Beckham zu gucken, lieber nach England. Dort spielte am Sonntag der nächste Champions-League-Gegner Mourinhos gegen den alten Klub Mourinhos. Es wurde eine doppelte Demonstration: der Stärke von Manchester United - und der Leblosigkeit des FC Chelsea, der beim 0:3 im Old Trafford so demontiert wurde, wie es das unter Mourinho nie geschehen war.

          Zwei kilometerweit verfehlte Schussversuche von Didier Drogba waren noch das Gefährlichste, was das rostige Russen-Team aus London offensiv vorzuweisen hatte. Neuzugang Deco scheint endgültig in der Null-Form seiner letzten Barca-Saison angekommen. Und der meist ziellos herumjoggende Michael Ballack zeigte die ganze Malaise, als er in seiner besten Szene bei einem Freistoß zwar die Mauer überwand, dafür aber Drogba anschoss. Das Niveau des Teams unterboten nur noch einige Chelsea-Fans, die United-Star Cristiano Ronaldo, am Donnerstag einem Totalschaden seines Ferrari in einer Flughafenunterführung unverletzt entkommen, zuriefen: „Du hättest im Tunnel sterben sollen.“

          Giggs spielte nicht wie ein Yeti

          Trainer Luis Felipe Scolari stellte sich der Realität: „Wenn wir so spielen, gewinnen wir keinen Titel.“ Kollege Alex Ferguson ist dagegen der Gewinner der Woche. Tabellenführer FC Liverpool, von Ferguson mit der Bemerkung gekitzelt, er werde „an seinen Nerven scheitern“, worauf Trainer Rafael Benitez prompt mit einer Attacke auf Ferguson überreagierte, kam bei Aufsteiger Stoke nicht über ein 0:0 hinaus. Nun reichen dem Meister Siege gegen Wigan und Bolton, um am Samstag wieder auf Platz eins zu stehen.

          Hätte Beckham doch lieber in Manchester bleiben sollen? Zu alt wäre er nicht, das nicht. Sein alter Kumpel Ryan Giggs, 35 Jahre alt, spielte gegen Chelsea, in seinem 782. Match für United, nicht wie ein Yeti. Sondern wie ein junger Gott.

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