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Eichlers Eurogoals : Tretende Trinker

Erstens: Einen Wettgewinn mit einer Quote von 683.783 zu 1 – ein Mann aus Malta schaffte es im November, mit seinen Vorhersagen für 19 Spiele englischer und schottischer Profiligen eines Wochenendes richtig zu liegen. In der letzten Partie musste er bis kurz vor Schluss bangen. Dann schoss Glen Johnson für Liverpool den Siegtreffer gegen Chelsea. Drei Minuten später war die Wette gewonnen – als perfekte Antwort auf die Euro-Krise. Seitdem kann niemand mehr behaupten, der Euro sei nichts mehr wert. Der Malteser hatte nur einen Euro eingesetzt, und der war am Ende 683.783 wert.

Ist doch ganz lecker - und macht auch gar nicht krank, findet der FC Sevilla
Ist doch ganz lecker - und macht auch gar nicht krank, findet der FC Sevilla : Bild: dpa

Zweitens gab’s: Ein Erstligateam, das für ein Gemüse warb (der FC Sevilla, der mit dem Satz „Ich liebe die Gurke“ auf dem Trikot das durch die Ehec-Epidemie in Deutschland in falschen Verdacht geratene Kürbisgewächs rehabilitierte).

Bixente Lizarazu macht nicht nur im Ozean eine gute Figur
Bixente Lizarazu macht nicht nur im Ozean eine gute Figur : Bild: Quiksilver

Drittens: Einen Welt- und Europameister, der nackt durch eine Stadt lief (Bixente Lizarazu, der damit eine Wette einlöste, nachdem der FC Evian, den er mit den alten Kollegen Zinédine Zidane und Alain Boghossian in der vierten französischen Liga erworben hatte, in die erste Liga aufgestiegen war).

Viertens: Einen Spieler, der einen Freistoß schindete, indem er den Arm seines Gegenspielers ergriff und sich damit einen Kinnhaken verpasste (der Chilene Bryan Carrasco in einem Junioren-Länderspiel gegen Ecuador).

Ein Flitzer, der die Beweglichkeit eines Turners und den Nehmerqualitäten eines Boxers verbindet
Ein Flitzer, der die Beweglichkeit eines Turners und den Nehmerqualitäten eines Boxers verbindet : Bild: picture-alliance/ dpa

Und fünftens: einen Flitzer, der die Beweglichkeit eines Turners und den Nehmerqualitäten eines Boxers verband (er stürmte im Mai beim Spiel Liverpool gegen Tottenham splitternackt auf den Platz, machte einen Flickflack und dann den so genannten „Diver“, das aus vollem Lauf eingelegte Rasen-Rutschen auf dem Bauch und, in diesem Fall, auch auf den noch tiefer frei liegenden Körperteilchen).

Beim Fenerbahce-Spiel gegen Manisaspor durften nur Frauen und Kinder ins Stadion
Beim Fenerbahce-Spiel gegen Manisaspor durften nur Frauen und Kinder ins Stadion : Bild: dapd

Ja, Fußball ist nichts für zarte Gemüter und auch nicht immer jugendfrei, deshalb nun sechstens: Ein Männerspiel, das nur Frauen und Kinder sahen (Fenerbahce gegen Manisaspor, das wegen Ausschreitungen in der Partie zuvor nur von Frauen und unter Zwölfjährigen besucht werden durfte).

Auch das geht: Ohne Tor in den Europapokal - Alanija Wladikawkas machte es vor
Auch das geht: Ohne Tor in den Europapokal - Alanija Wladikawkas machte es vor : Bild: ddp

Siebtens etwas aus der Rubrik „Gut, dass man nicht dabei war“: ein Klub, der ohne ein Tor während der regulären Spielzeit, und das während der gesamten Saison in einem Wettbewerb, bis in die Europa League kam – es war der russische Zweitligaklub Alanija Wladikawkas, der drei Runden des russischen Pokals inklusive Verlängerung 0:0 spielte, alle dann im Elfmeterschießen gewann und eine weitere wegen Bankrotts des Gegners überstand. Am Ende schaffte die Nord-Osseten trotz des verlorenen Finals gegen ZSKA Moskau die Qualifikation für Europa, weil ZSKA als Meister in die Champions League kam.

18 Monate im Amt, 18 Monate auf einem Abstiegsplatz: Avram Grant
18 Monate im Amt, 18 Monate auf einem Abstiegsplatz: Avram Grant : Bild: picture alliance / dpa

In diese Kategorie des ökonomischen Minimalismus fällt auch die nächste Erwähnung, achtens: ein Trainer, der 18 Monate in der Premier League nicht entlassen wurde, obwohl er in diesen 18 Monaten jeden einzelnen Tag auf einem Abstiegsplatz stand (Avram Grant, erst bei Portsmouth, dann bei West Ham tätig und mit beiden abgestiegen).

Bulat Tschagajew (links) hat ganz eigene Motivationstechniken mitgebracht
Bulat Tschagajew (links) hat ganz eigene Motivationstechniken mitgebracht : Bild: REUTERS

Und neuntens: Einen Geldgeber, der einen Schweizer Erstligaklub kauft, fast alle Angestellten entlässt, die Sponsoren davonjagt, das Vereinswappen mit Motiven aus seiner Heimat anreichert und dann als Präsidenten einen Vasallen einsetzt, der zuvor als Asylant in der Schweiz abgelehnt worden war. Dieser interessante Fußball-Innovator heißt Bulat Tschagajew und hat ganz eigene Motivationstechniken aus seiner tschetschenischen Heimat in die zivilisierte Schweiz mitgebracht. Bei der Pokalniederlage gegen Sion stürmte er in der Pause in die Kabine und drohte den Spielern, sie zu töten. Noch leben sie. Aber man braucht ja auch noch ein paar Steigerungsmöglichkeiten für 2012.

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