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Eichlers Eurogoals : Sterbenslangweilig: Death-Rekord geknackt

Auffällig unauffällig: Michael Ballack (r.) im Spiel gegen den FC Liverpool - hier wendet er sich von Dirk Kuyts Schuss ab Bild: AFP

Der Saisonstart? Völlig überschätzt. Manchester United und der FC Barcelona beweisen Woche für Woche, dass es trotz Fehlstarts in die Saison gelingen kann, die beiden besten Ligen Europas langweilig zu machen. Viel spannender ist es bei den Fußballverhinderern a.D. in Italien - mit und ohne Ball.

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          Wer erinnert sich noch an den Sommer? Das ist die Zeit, in der Fußballer keine Handschuhe und Mützen bei der Arbeit tragen. Die Zeit, in der alles voller Anfang und Hoffnung ist. Man hat noch keine Heimpleiten im Gepäck, kein Krach im Team und keine hässlichen Pressegeschichten. Die Fans kaufen Trikots und sind freundlich, und die Trainer sagen dann gern: Ein guter Saisonstart muss her, das ist so unglaublich wichtig. Ein guter Saisonstart also wie der des FC Barcelona? Ein 0:1 in Numancia und dann ein 1:1 gegen Santander? In den 18 Spielen seitdem hat Barca 17 Siege erzielt, den letzten am Sonntag beim 2:1 in Santander, durch zwei Tore von Lionel Messi. Das macht 55 von 57 möglichen Punkten und 64:13 Tore seit Mitte September.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Spielerisch bester deutscher Exilkicker: Savio Nsereko

          Oder ein guter Saisonstart wie der von Manchester United? Ein 1:1 gegen Newcastle? Das war im August. Seit Mitte November hat United in zwölf Spielen kein einziges Tor mehr kassiert. Beim 1:0 gegen Everton am Samstag übertraf Torwart Edwin van der Sar den alten englischen Erstligarekord von 1104 Spielminuten ohne Gegentor - ihn hatte seit 1979 Steve Death vom FC Reading gehalten.

          In zwanzig Minuten Einsatz mehr spielerische Dynamik entfaltet als Michael Ballack im gabnzen Spiel gegen Liverpool: Savio Nsereko (r., im Zweikampf mit Arsenals Robin van Persie)
          In zwanzig Minuten Einsatz mehr spielerische Dynamik entfaltet als Michael Ballack im gabnzen Spiel gegen Liverpool: Savio Nsereko (r., im Zweikampf mit Arsenals Robin van Persie) : Bild: AP

          Der einzige, der noch halbwegs dem Meister und Tabellenführer hinterherkommt, ist der FC Liverpool nach dem 2:0 durch zwei späte Treffer von Fernando Torres gegen den abermals komplett enttäuschenden FC Chelsea. Während Frank Lampard wenigstens mit einer Blutgrätsche auffiel, die ihm eine Rote Karte einbrachte, wurde Kollege Michael Ballack praktisch nur mit Rückpässen wahrgenommen. Kaum Mühe, ihn in der Wertung der deutschen Exil-Kicker spielerisch zu übertreffen, hatte der 19-jährige Savio Nsereko, vor einer Woche für elf Millionen Euro von West Ham United gekauft. Der Junioren-Nationalspieler half zwanzig Minuten lang mit, ein 0:0 bei Arsenal zu ermauern.

          Die Fußballverhinderer schießen genauso viele Tore wie die Fußballdynamiker

          Barca und ManUnited sind nach ihren Fehlstarts längst auf dem Weg, den Titelkampf in den beiden besten Ligen Europas langweilig zu machen. Merke: Nicht immer ist das nächste Spiel das wichtigste. Schon gar nicht, wenn es das erste ist. Wichtiger sind die 33 bis 37 Spiele danach. Unterhaltsamer geht es in jener Liga zu, die sich mit verschobenen Spielen, maroden Finanzen und ödem Fußball beinahe selbst schon ihr Grab geschaufelt hatte.

          Nun steht die italienische Serie A mit einem Mal wieder im Blickpunkt Europas, und das nicht nur wegen David Beckham und der Handtaschen seiner Gattin. Die 41 Tore, die allein am 16. Spieltag Mitte Dezember fielen, waren keine vorweihnachtliche Eintagsfliege. Mit im Durchschnitt 2,5 Toren pro Partie liefern die ausgebildeten Fußballverhinderer der Serie A in dieser Saison genauso viele Tore wie die geborenen Fußballdynamiker der Premier League.

          Doping im Fußball? Wo gibt's denn so was?

          Besonders angriffslustig zeigen sich dabei ausgerechnet die alten Herren des AC Mailand, die 3:0 bei Lazio gewannen, wobei Beckham zwei Treffer vorbereitete. Milan überholte den bisherigen Zweiten Juventus, der 2:3 gegen Cagliari verlor, und pirschte sich weiter an Tabellenführer Inter heran (1:1 gegen den AC Turin). Dabei sind die Italiener auch ohne Ball immer für eine Überraschung gut.

          Diesmal: ein Kurzstreik. Die Spiele des Wochenendes begannen mit 15 Minuten Verspätung. Die kollektive Kurzverweigerung war ein Protest der Profis gegen die einjährigen Dopingsperren der Kollegen Mannini und Possanzini. Doping im Fußball? Das gibt's doch gar nicht, oder? Besser, man denkt darüber nicht zu lange nach. Eine Viertelstunde Hirnstreik, und der Ball rollt wieder.

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