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Eichlers Eurogoals : Sonntag ist Pelle-Tag

Graziano Pelle könnte der neue Luca Toni werden – als Joker im italienischen Team Bild: dpa

Bale? Cavani? Özil? Treffsichere Spieler müssen gar nicht teuer sein. In Europas Fußball trumpfen derzeit Graziano Pelle, Ravel Morrison und Adnan Januzaj auf. Die billigsten Tore der Welt schießt aber Francesco Totti.

          2,54 Milliarden Euro. So viel haben in diesem Jahr Fußballvereine in aller Welt für insgesamt 10.454 neue Spieler ausgegeben – den überwiegenden Teil davon in der Wechselperiode im Sommer, die alle Rekorde schlug. Es sind offizielle Zahlen der Fifa. Sie belegen eine Steigerung der Transferausgaben gegenüber dem Vorjahr von 29 Prozent.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Und wo sind sie nun, die großen Supereinkäufe? Bale nicht fit, Cavani ohne Treffer, Falcao ebenso, auch Özil diesmal ohne Wirkung, so dass Arsenal nur 1:1 bei West Bromwich spielte. Von den fünf teuersten Spielern des Sommers traf am Wochenende nur Neymar, aber Barcelona (acht Spiele, acht Siege) hätte wohl auch ohne ihn gegen Vallodolid eine Chance gehabt. Wir bilanzieren: fünf Spieler, 330 Millionen Euro, ein Tor.

          Nun die Gegenrechnung: fünf Spieler, 5,35 Millionen Euro, acht Tore. Es ist die Bilanz der fünf Spieler der Woche in Europa. Sie waren allesamt Schnäppchen. Und alle könnten sie bei der WM in Brasilien, für die sie bisher kaum jemand auf der Rechnung hatte, eine überraschende Rolle spielen.

          Der erste ist ein Italiener in Rotterdam. Graziano Pelle, schon mal gehört? Warum auch. Luca Toni kannten auch nicht viele vor der WM 2006. Pelle könnte der neue Toni werden – als Joker im italienischen Team. Mit 1,93 Metern, mit Kopfballstärke und Knipserruhe hat er genau das, was man in einem großen Turnier in gewissen Spielen als Einwechseloption benötigt.

          Für Feyenoord Rotterdam trifft der Italiener am liebsten sonntags

          Pelle kommt mit seinem Treffer beim 2:1-Sieg in Arnheim nun auf 37 Tore in 38 Ligaspielen für Feyenoord – eine üppige Amortisierung der drei Millionen Euro, die der Klub an Parma bezahlte. Bei den Fans in Rotterdam genießt er schon eine Art Kultstatus, vor allem, weil er fast alle seine Tore sonntags erzielt hat. Das hat zu einem eigenen Twitter-Hashtag geführt (#SundayIsPelleDay). Der Tag des WM-Finals, der 13. Juli 2014, ist übrigens ein Sonntag.

          Der zweite Star der Woche ist ein Engländer namens Ravel Morrison. Nie gehört? Wen wundert‘s. Ein Jungprofi, den ein Alex Ferguson bei Manchester United fortschickt und für 785.000 Euro verkauft, trägt unweigerlich den Stempel, dass es bei ihm nicht zur Größe reichen wird. Nun aber preist ihn sein neuer Trainer Sam Allardyce als „Genius“ – nach Morrisons Tempo-Solo über das halbe Feld zum 3:0 von West Ham United beim bisherigen Tabellenzweiten Tottenham (der bis dahin in elf Saisonspielen nur zwei Tore kassiert hatte).

          „Ein besseres Tor wirst du in der ganzen Saison kaum sehen“, sagte Allardyce. Er stellte zugleich richtig, dass der Freund und Kollege Ferguson die Fähigkeiten des 20-Jährigen sogar sehr gut erkannt habe, aber nicht nur das, auch die Unfähigkeiten. Ferguson schickte ihn demnach wegen seiner Undiszipliniertheit fort, er müsse „weg muss aus Manchester und neu anfangen“. Ferguson zu Allardyce: „Ich hoffe, du kriegst ihn hin, denn wenn, dann kriegst du einen brillanten Fußballer“.

          Die englischen Fans, die es gewohnt sind, in der Premier League immer wieder tolle junge Fußballer zu entdecken, aber nie tolle junge englische Fußballer, reiben sich nun die Augen. Denn Ravel Morrison ist tatsächlich Engländer. Und das, zusammen mit dem Tempo und der Technik, die er bei diesem einen Solo zeigte, reicht aus, ihn in Teilen der Öffentlichkeit schon zu einem WM-Kandidaten für England zu machen – sofern England sich qualifiziert.

          Adnan Januzaj half Manchester und muss sich nur noch für eine Nationalmannschaft entscheiden

          Nationaltrainer Roy Hodgson interessiert sich auch bereits für einen, der kein Engländer ist, aber noch nicht weiß, ob er einer sein will. Adnan Januzaj hat sich noch nicht entschieden, für welches Land er einmal spielen will – für sein Geburtsland Belgien, für Albanien oder Kosovo, die Heimat seiner Eltern, für Serbien oder Türkei, die seiner Großeltern - oder vielleicht doch England?

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