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Eichlers Eurogoals : Schlechte Führung

„Very important“: Gute Flanken, schlechte Betonung
„Very important“: Gute Flanken, schlechte Betonung : Bild: dpa

Noch eine hübsche Statistik – sie stammt vom schärfsten Verfolger und Lokalrivalen von Arsenal. Tottenham kam am Sonntag in 90 Minuten in Cardiff auf 28 Torschüsse, von denen elf aufs Tor flogen – aber keiner hinein. Erst der 29. und schwierigste brachte in der Nachspielzeit den 1:0-Sieg: klug eingeleitet von Lewis Holtby, auch er ein früherer Gelsenkirchener, vollendet vom Brasilianer Paulinho auf allerbrasilianischste Weise, mit der Hacke nämlich. (Hacke in der Nachspielzeit, das kann natürlich auch Cristiano Ronaldo, er zeigte es am selben Tag gegen Getafe, da war es aber nur noch eine hübsche Zugabe, das 4:1 für Real).

Paulo di Canios Schulordnung ausgesetzt

Unterdessen gab es am Tabellenende der Premier League den ersten Trainerrausschmiss der Saison. Er traf eine besonders illustre Gestalt. Paulo di Canio hatte sich schon als Spieler einen nicht immer guten Namen gemacht, etwa als er rechtsradikalen Ultras von Lazio im römischen Derby einst den ausgestreckten Arm zum faschistischen Gruß entgegenhielt. Als Trainer rettete er Sunderland in der vergangenen Saison knapp vor dem Abstieg und hatte für die neue Spielzeit Großes vor – „eine vollständige Revolution“ kündigte er an. Wenigstens war es keine faschistische.

Die Regeln dieser Revolution klangen eher nach dem Aushang in der Aula einer Grundschule für schwer Erziehbare als nach der Vision eines modernen Profiklubs oder gar nach einem politischen Manifest. Di Canio verbot den Spielern das Singen in der Kabine vor dem Spiel (wegen der Konzentration), das Verwenden von Ketchup und Mayonnaise (wegen der Fettleibigkeit) und den Genuss von Getränken mit Eiswürfeln (wegen der Verdauung). „Und wenn jemand mit einem Mobiltelefon auf das Trainingsgelände kommt, und sei es in der Sporttasche“, kündigte er an, „dann schmeiße ich es in die Nordsee“.

Entlassen wegen schlechter Führung: Paolo Di Canio
Entlassen wegen schlechter Führung: Paolo Di Canio : Bild: AFP

Nun man hat man ihn selber rausgeschmissen, weil er trotz der Verpflichtung von 14 neuen Spielern, darunter der italienische Nationalspieler Emmanuele Giaccherini von Meister Juventus Turin, nur einen Punkt aus fünf Spielen holte. Das 0:3 bei West Ham United war der Schlusspfiff für den Trainer. Der Mann, der auf dem Arm die taktvolle Tätowierung „DUX“ (Führer) trägt – entlassen wegen schlechter Führung. 

Am Sonntag war übrigens wieder Derby in Rom, es blieb diesmal friedlich und frei von tumben Gesten auf dem Platz. Di Canios alter Klub Lazio verlor 0:2 gegen die Roma, die damit die Führung der Serie A vom SSC Neapel übernahm (obwohl Neapel 2:1 beim AC Mailand gewann und Torwart Pepe Reinna einen Elfmeter von Mario Balotelli hielt).

In Istanbul brannte die Luft

Dagegen brannte beim Derby in Istanbul mal wieder die Luft. Nach der Führung für Tabellenführer Besiktas durch den früheren Bremer Hugo Almeida wendete das alte Schlachtross Didier Drogba die Partie mit zwei Treffern zum 2:1 für Galatasaray. Nach einer Roten Karte gegen Drogbas Mitspieler Felipe Melo in der Nachspielzeit stürmten Zuschauer den Platz, andere warfen mit Stühlen, und nach einer halben Stunde vergeblicher Ordnungsversuche wurde das Spiel abgebrochen.

Spielabbruch nach Platzsturm: Besiktas-Fans mir Wurfgeschossen gegen Galatasaray
Spielabbruch nach Platzsturm: Besiktas-Fans mir Wurfgeschossen gegen Galatasaray : Bild: REUTERS

Das Derby in Manchester wiederum verlief ohne größere Störfälle, sieht man von der Abwehr von Meister United ab, die schon nach 50 Minuten vier Treffer durch den Lokalrivalen kassiert hatte. Am Ende des ersten Derbys der Post-Ferguson-Ära stand eine 4:1-Demütigung für die überforderte Ex-Truppe von Sir Alex. Auch hier ist eine Ära vorbei – eine neue aber noch nicht in Sicht.

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