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Eichlers Eurogoals : Schafkopfen oder: Reich trotz One Club Football

Bild: REUTERS

Messi war, ist und bleibt Weltfussballer. Schon recht, aber: So weit, so langweilig. In unserer ganz eigenen Welt-Elf taucht der Argentinier aus anderen Gründen gar nicht auf.

          Vor einer Woche vergab die Fifa den „Ballon d’Or“ an den weltbesten Spieler, gewählt von Nationaltrainern, Nationalteam-Kapitänen und ausgewählten Journalisten aller Länder, in denen man Fußball spielt. Das Resultat war vorhersehbar, wie in den letzten beiden Jahren auch: Messi vor Cristiano Ronaldo und Xavi. Wenn der kleine Argentinier schon in einem Jahr wie 2010, in dem er mit Barcelona nicht die Champions League gewann und mit Argentinien bei der WM vermöbelt wurde, zum „Weltfußballer“ gekürt wird und nicht etwa seine Barca-Kollegen Xavi und Iniesta, die Weltmeister wurden, oder Wesley Sneijder, der Inter Mailand mit genialen Pässen zum Champions-League-Sieg und die Holländer ins WM-Finale führte – dann war 2011 nichts anderes zu erwarten.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Auch für die nächsten Jahre dürfte diese Wahl das Überraschungspotential einer Abstimmung der Obersten Volksversammlung von Nordkorea haben. Es geht nur um Platz zwei, wobei originelle Ergebnisse vor allem in den Einzelwertungen der Juroren zu finden waren, allen voran das Votum des hochgeschätzten italienischen Nationaltrainers Cesare Prandelli. Er ordnete auf Platz zwei Thomas Müller und auf Platz drei Bastian Schweinsteiger ein. Einen Italiener, der zwei Deutsche unter den drei besten Spielern der Welt sieht, gibt es nicht alle Tage. Auf Platz eins auch bei Prandelli natürlich der übliche Verdächtige, aber das hat schon seine Richtigkeit. Am Sonntag unterstrich Messi das wieder einmal mit zwei Toren beim 4:2 gegen Betis Sevilla. Natürlich krönen die Namen Messi und Ronaldo auch die „Weltelf“ des Jahres 2011 der Fifa.

          In unserer ganz eigenen Weltelf fehlen die Namen der beiden Superstars allerdings. Sie lautet so: Tor: Iker Casillas. – Abwehr: Jamie Carragher, Carles Puyol, Ledley King, Javier Zanetti. – Mittelfeld: Bastian Schweinsteiger, Xavi, Andres Iniesta, Ryan Giggs, Paul Scholes. – Sturm: Alessandro del Piero. Zugegeben, es ist eine Mannschaft, der es im Abwehrzentrum vielleicht ein wenig an Schnelligkeit mangelt und in der Spitze an Dynamik. Und, in Gänze gesehen, mit einem Durchschnittsalter von 32,5 Jahren, vielleicht auch etwas an jugendlicher Frische. Dafür hätte sie einen unschlagbaren Vorteil: Man müsste bei keinem Spieler fürchten, ihn je zu verlieren. Es ist die Weltelf der „One Club Player“, jener Fußballer, die noch nie in ihrer Profikarriere den Klub gewechselt haben.

          Und deren Karriere schon mindestens zehn Jahre dauert, weswegen ein Messi, aber auch ein Müller oder Götze, hier noch keinen Platz finden können. Früher war lebenslängliche Klubtreue nichts Besonderes. Das gilt nicht nur für die alten Tage der Schalker Szepan und Kuzorra oder der Helden des „Wunders von Bern“ wie Fritz Walter (Kaiserslautern) und Max Morlock (Nürnberg). Uwe Seeler blieb zeitlebens in Hamburg, so wie Grabowski und Körbel in Frankfurt, Overath und Cullmann in Köln, Vogts und Wimmer in Mönchengladbach, Maier, Roth, Schwarzenbeck oder Augenthaler in München. Und später waren es dann besonders die Bremer, die ihrem Verein treu blieben, wie Eilts, Wolter, Neubarth oder vor allem Thomas Schaaf, der als Profi, Jugend-, Assistenz- und Cheftrainer nun im 34. Jahr bei Werder ist.

          Ein Nostalgieteam? Von wegen

          Doch in den letzten Jahrzehnten hat sich die Arbeitswelt gravierend verändert. Die Grenzen öffneten sich, die Arbeitsmärkte auch, die Gesellschaft wurde mobil und fragil zugleich. Man trifft sie immer seltener, die Menschen, die ihr ganzes Leben für ein und dieselbe Firma arbeiten. Und als Paradebeispiel für diese Welt flexibler Arbeitnehmer und mobiler Ich-AGs, von Menschen mit einer Jobhopping-Biographie, galten spätestens seit dem Bosman-Urteil 1995, das die Transfermärkte völlig öffnete, die Fußballprofis. In jedem „Transferfenster“, das sich immer im Sommer bis zum 31. August öffnet und dann wieder im Januar, wird eifrig über Spielerwechsel spekuliert. Aber bisher ist gerade in diesem Januar kaum etwas passiert, jedenfalls jenseits von Wolfsburg, wo nur der einsame Kämpfer Felix Magath den Umschlag an Spielern in einer Weise hoch hält, als wolle er die Prämienreise für den umsatzstärksten VW-Gebrauchthändler gewinnen.

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