https://www.faz.net/-gtm-7nfku

Eichlers Eurogoals : Trophäe für Analphabeten

Der Schiedsrichter musste sich einigen Angriffen erwehren Bild: AP

In der Champions League geben die Engländer keine gute Figur ab. Die Premier League aber ist spannend wie selten. Dieses Mal in den Hauptrollen: Rooney, Gerrard, Mourinho – und ein Schiedsrichter, der eine neue Identität bekommt.

          4 Min.

          Der Teufel steckt bekanntlich im Detail, nicht nur bei Steuererklärungen. Gerade Engländer in München vertun sich schon mal mit entscheidenden Kleinigkeiten. Zur Erinnerung: Als im Dezember Manchester City zum letzten Gruppenspiel der Premier League beim FC Bayern antrat, da war Trainer Manuel Pellegrini nicht im Bilde, welches Ergebnis seine Mannschaft benötigte, um den Gruppensieg zu erringen.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Pellegrini dachte in Unkenntnis der seit fast fünfzig Jahren gültigen Auswärtstorregel im Europapokal, es sei nach der 1:3-Heimniederlage ein 5:2-Sieg in München nötig, um die Bayern im direkten Vergleich zu überholen. Weil er das für unrealistisch hielt, ließ er bei 3:2-Führung den Vorsprung in der letzten halben Stunde verteidigen, statt weiter anzugreifen gegen die wackelnden Bayern.

          Dabei hätte man nur noch ein einziges Tor benötigt bei Manchester City, wo es seit der Übernahme durch das Herrscherhaus von Abu Dhabi Geld regnet. In diesem Falle wäre ein anderer Niederschlag besser gewesen, wie ihn der Kabarettist Urban Priol gern in ein satirisches Stoßgebet kleidet: „Herr, wirf Hirn vom Himmel“. Zur Strafe wurde City nur Zweiter, bekam im Achtelfinale den FC Barcelona und flog raus.

          Am vergangenen Dienstag hat nun auch der Kollege Arsène Wenger „einen Pellegrini gemacht“, wie man in England spöttisch schrieb. Er nahm als einen der Ersatzspieler für das Achtelfinal-Rückspiel des FC Arsenal beim FC Bayern den Flügelstürmer Ryo Michaichi mit. Man stellte man dann aber fest, dass versäumt worden war, den Japaner auf die Champions-League-Meldeliste zu setzen. Er war umsonst nach München mitgekommen.

          ManCitys Trainer Manuel Pellegrini hat Schwächen in Europapokal-Arithmetik

          So hatte Arsenal nicht genug einsatzfähige Spieler dabei, um die erlaubte Zahl von sieben Ersatzkräften auf der Bank auszuschöpfen. Dort saßen nur sechs. Es ist zwar sehr fraglich, ob ausgerechnet der bisher nur spärlich eingesetzte Nachwuchsmann das Ausscheiden (durch ein 1:1 nach dem 0:2 im Hinspiel) verhindert hätte. Peinlich, weil unglaublich unprofessionell für einen der renommiertesten Vereine Europas, war es trotzdem.

          Nun muss England in dieser Woche in der Champions League auf die beiden anderen verbliebenen Vertreter hoffen. Doch da sieht es auch nicht so richtig erfolgversprechend aus. Chelsea bringt zwar ein 1:1 aus dem Hinspiel bei Galatasaray Istanbul mit, zeigte sich aber nun beim 0:1 bei Aston Villa formschwach. Und Meister Manchester United, der gegen Olympiakos Piräus einen 0:2-Rückstand aufholen muss, holte sich die bereits sechste Heimniederlage der Saison ab – und die bei weitem peinlichste.

          Auch Arsene Wenger vom FC Arsenal hat Probleme mit dem Reglement in der Champions League

          Wayne Rooney, mit 300.000 Pfund pro Woche der neue Super-Verdiener der Premier League, nannte das 0:3 gegen den FC Liverpool „einen Albtraum“ und „einen der schlimmsten Tage meines Lebens“. Dabei war United mit den drei Gegentreffern durch zwei Elfmeter von Steven Gerrard (der einen dritten an den Pfosten schoss) und das 25. Saisontor von Luis Suarez noch gut bedient. Bei zwölf Punkten Rückstand auf Platz vier bleibt wohl nur noch eine einzige Chance, um nicht zum ersten Mal seit 1996 die Champions League zu verpassen: sie zu gewinnen. Wer mag daran glauben?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Rettungskräfte sind nach dem Zugunglück im Einsatz.

          Tschechien : Tödliches Zugunglück bei Prag

          Ein Nahverkehrszug rammt spät am Abend einen Güterzug, mindestens ein Mensch stirbt und Dutzende werden verletzt. Es ist die zweite derartige Kollision in Tschechien innerhalb einer Woche.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.